Österreichs Konservative werden nicht müde, die Verbrechen der Ustaša im Zweiten Weltkrieg zu verharmlosen. Ein besonders übles Beispiel ist der Journalist Karl-Peter Schwarz, dem die konservative Tageszeitung „Die Presse“ mit einem Gastkommentar zu Bleiburg eine Plattform für seinen Revisionismus gibt.

Man hält es nicht für möglich, welche (Gast-)Kommentare im Jahr 2018 in österreichischen Zeitungen erscheinen dürfen.

Etwa der des als Kommunistenfresser bekannten Karl-Peter Schwarz zum Faschistentreffen in Bleiburg.

Das sei gar kein Faschistentreffen gewesen, schreibt er. Und überhaupt, die armen Kroaten. Haben zwei Bürgerkriege im 20. Jahrhundert erlebt. Das müssen sie mal verdauen.

Und schildert den ersten dieser Bürgerkriege – und das war der Zweite Weltkrieg in Jugoslawien eben auch – so:

„Nach dem deutschen Einmarsch etablierte sich im Namen ihres (der Kroaten, Anm.) ersehnten Nationalstaats die blutrünstigste aller Balkan-Diktaturen. Jasenovac, das größte der mehr als 20 kroatischen Konzentrationslager, symbolisiert den Terror der Ustaša, deren erklärtes Ziel es war, das Land restlos von Serben und Juden zu „säubern“. Zahlreiche, zumeist junge Kleriker schlossen sich den Faschisten an, unter ihnen viele der besonders nationalistischen und fanatischen Franziskaner aus Bosnien-Herzegowina, aber auch zwei Bischöfe.

„In der Praxis führten Militärgeistliche der Ustaša mit den wild marodierenden Banden in serbisch bewohnten Dörfern Massenkonversionen der gesamten Bevölkerung mit vorgehaltener Waffe durch“, schreibt Claudia Stahl in ihrer vorzüglichen Biografie des Zagreber Erzbiscofs Alojzije Stepinac, der sich – wie sie anhand vieler Dokumente belegt – der Ustaša entschieden widersetzt hat.

Man glaubt es nicht?

Hier der Fotobeweis. Steht auf Seite 27 der heutigen Printausgabe der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“.

 

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Böse waren sie schon, die Ustaša, auch irgendwie grausam: Sie hatten Konzentrationslager und haben in Dörfern Serben mit vorgehaltener Waffe gezwungen, zum Katholizismus zu konvertieren.

Wohlklingender ist noch kaum ein Mörderregime verharmlost worden.

Karl-Peter Schwar lässt die Opfer verschwinden

Für einen historisch auch nur durchschnittlich gebildeten Menschen ist auffällig, welche Verben Schwarz wählt, um das Ustaša-Regime zu beschreiben: säubern und marodieren.

Man könnte glatt glauben, die Ustaša hätten die Serben mit Weihwasser blutig gerieben, bis sie katholisch wurden.

Mindestens so auffällig ist, welche Worte Karl-Peter Schwarz vermeidet: Mord und Völkermord.

Über die Zahl der Opfer der kroatischen Faschisten natürlich kein Wort.

750.000 waren es nach seriösen historischen Schätzungen, etwa 600.000 waren serbisch. Die jüdische Bevölkerung im Herrschaftsgebiet der Ustaša wurde beinahe ausgerottet.

Allein in Jasenovac wurden mehr als 80.000 Menschen ermordet. Auch von katholischen Klerikern, die sich eben nicht nur anschlossen und zwangstauften sondern erschlugen und Hälse durchschnitten.

Das Herrschaftsgebiet der Ustaša umfasste Kroatien, Bosnien und Teile Nordserbiens und dürfte damals kaum mehr als zehn Millionen Einwohner gehabt haben.

Mit seiner Diktion lässt Schwarz die Opfer verschwinden.

Was Schwarzens Geschreibsel übersetzt heißt

Genausogut könnte man die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion so beschreiben:

„Auschwitz, das größte der mehr als 1,000 deutschen Konzentrationslager, symbolisiert den Terror der Nazis, deren erklärtes Ziel es war, das Land restlos von Serben und Juden zu „säubern“. Zahlreiche protestantische Kleriker hießen das gut.

„In der Praxis rissen Angehörige der Wehrmacht mit wild marodierenden Einsatzgruppen und SS-Formationen in jüdisch bewohnten Dörfern den Männern die Bärte aus“, schreibt…“

Jeder Journalist, der das schriebe, würde von den Kolleginnen und Kollegen bis ans Lebensende geächtet und wäre froh, wenn er für die rechtsextreme Zeitschrift „Aula“ schreiben dürfte.

Morden tun nur die Kommunisten

Viel lieber lässt sich der rabiate Antikommunist Karl-Peter Schwarz über die Massaker an den Faschisten nach der Kapitulation aus.

Da schreibt er auf einemla von „Antikommunisten“, die die Briten an die Kommunisten ausgeliefert hätten. Kein Wort von Kriegsverbrechern, Völkermordern, Faschisten, Četniks (die keinen Völkermord in der Dimension der Ustaša begingen, aber mit den Nazis kollaborierten und zehntausende Muslime massakrierten).

Nein, es sind bloß Antikommunisten. Geflohen nicht ihrer Verbrechen wegen sondern einzig und allein, weil sie das neue Regime ablehnten.

(Vermutlich war auch das Regime der Ustaša ein leicht aus dem Ruder gelaufenes, wenn auch zugegebenermaßen blutrünstiges, Beispiel für präventive Notwehr, oder wie?)

Die Partisanen beschreibt Karl-Peter Schwarz so: „(..), die in wenigen Tagen und Wochen an die 100.000 („Antikommunisten“, Anm.) ermordeten“.

Das Verb „morden“ kommt Schwarz offenbar nur über die Lippen, wenn es beschreibt, was Kommunisten tun.

Dass er die Zahl der Opfer möglichst hoch angibt, überrascht nicht. Seriöse historische Schätzungen gehen von etwa 45.000 Opfern aus.

Von 100.000 und mehr reden vorwiegend kroatische Neofaschisten, die Bleiburg zum Gründungsmoment der kroatischen Nation hochstilisieren.

Schwarz scheint ein Herz und eine Seele mit diesen Leuten zu sein.

Ein feiner Kollege

Was wunder, dass Schwarz Bleiburg nicht für ein Faschistentreffen hält und sogar Journalistenkollegen attackiert, die Polizisten auf verbotene Symbole aufmerksam machten:

„Journalisten, die Vernadern für ihrer Berufsplicht halten, wiesen die Beamten darauf hin, wer unter seinem T-Shirt ein tätowiertes U (für Ustaša) versteckt haben könnte“.

Aufmerksame Journalisten werden zu Naderern (Anm. für deutsche Leser: Denunzianten).

Ein feiner Kollege, dieser Herr Schwarz. Investigativjournalist möchte man nicht in der gleichen Redaktion mit ihm sein.

Ein altehrwürdiger österreichischer Brauch: Der Nestbeschmutzer ist nie der, der das Nest beschmutzt. Es ist der, der den Dreck findet.

Dass es mehr als mögliche tätowierte und versteckte Us gewesen, die die Kollegen gesehen und fallweise angezeigt haben, muss Schwarz wissen.

Siehe ein paar Faschistengrüße hier.

Oder ein T-Shirt mit dem Bild des kroatischen Faschistenführers Ante Pavelić, das die Leser von Balkan Stories schon seit Samstag kennen.

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In der Diktion von Schwarz ist Pavelić ja vermutlich der größte Säuberer aller Zeiten, also alles halb so wild.

Wer nicht blind, taub und verblödet war, hat mitbekommen, was vergangenen Samstag in Bleiburg passierte. Von einem Journalisten, als den sich Schwarz bezeichnet, sollte man auch erwarten können, dass er das recherchiert.

Was die Frage aufwirft, warum er die Berge weglügt.

Schmierige Propaganda

Was Karl-Peter Schwarz hier betreibt, ist schmierige Propaganda aus dem Lehrbuch.

Morden tun nur die Kommunisten. Die Opfer der Faschisten werden „gesäubert“ und verschwinden namens- wie gesichts- wie im Wortsinn zahllos, sind eine Randnotiz der Geschichte, über die man lapidar sagt, sie sei eben blutrünstig gewesen.

Der immer weniger geneigte Leser kann sich nicht dagegen wehren, an die NS-Diktion zu denken. Juden wurden zu „evakuiert“, „Sonderbehandlungen“ zugeführt, allenfalls „liquidiert“. Sechs Millionen Mal. Auch Partisanen wurden nur „bekämpft“, was halt mehr als fallweise einschloss, ganze Dörfer zu massakrieren.

Gemordet haben immer nur die anderen: Die Bomber der Alliierten, die Kommunisten und sonstige Nazigegner.

Auf der rhetorischen und inhaltlichen Ebene verwendet Schwarz die exakt gleiche Methode.

Dass er kein Nazi ist, liegt auf der Hand. Dazu ist er zu katholisch.

Dass er die Kommunisten mehr hasst als Nazis und sonstige Faschisten ebenso. Da kommt die Verharmlosung faschistischer Verbrechen gleichsam naturwüchsig.

Der Mann sollte seinen Kopf aus dem Weihrauchkessel und ein seriöses Geschichtsbuch in die Hand nehmen.

Freilich, der Gastkommentar ist ein typisches Beispiel, wie österreichische Konservative seit Jahr und Tag die Verbrechen der Ustaša und den kroatischen Nationalismus verharmlosen.

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Der gesamte Gastkommentar.

Der Leser verdient Fairness

Dass es ausgerechnet „Die Presse“ ist, die dieses revisionistische Geschreibsel druckt, gibt dem ganzen eine pikante Note.

„Die Presse“ gehört dem Styria-Verlag, der seinerseits der Diözese Graz-Seckau gehört und in Kroatien zu einem der größten Medienhäuser aufgestiegen ist.

Dennoch sollte man nicht davon ausgehen, dass die Redaktion der „Presse“ einer Meinung mit Schwarz ist, der in der Vergangenheit für die Zeitung geschrieben hat.

Das Blatt ist bei Gastkommentaren liberal, gelegentlich bis an die Grenze des Schwachsinns.

Aus Fairness dem Leser gegenüber hätte für seinen Gastkommentar allerdings eine neue Rubrik einführen sollen: Quergelogen.

P.S.: Die Fans von Karl-Peter Schwarz werden mir sicher vorwerfen, ich würde einseitig konservativen und kroatischen Revisionismus angreifen und auf dem linken Auge blind sein. Tatsächlich war ich der einzige Journalist, der ein besonders widerliches Beispiel von serbisch-nationalistischem Revisionismus in einer linken Tageszeitung kritisiert hat.