Die von vielen Fans erhoffte Reunion zum 50-jährigen Jubiläum der legendären YU Rock-Band Bijelo Dugme wird es nicht geben. Am Montag hat Željko Bebek auf seiner Facebook-Seite endgültig abgesagt. Der Bruch mit Goran Bregović dürfte zu tief sein.
Es hätte die größte Bijelo Dugme-Show seit dem legendären Auftritt im Hipodrom in Beograd 2005 sein sollen – bei dem die jugoslawische Band einen Rekord aufstellte, den bislang nicht einmal Taylor Swift geknackt hat. Alle standen auf der Bühne: Željko, Tifa und Alen.
250.000 Menschen kamen – so viele Tickets waren nie zuvor bei einem Konzert verkauft worden. Der Rekord wurde bislang lediglich zweimal eingestellt.
Vor dem Dom Mladih in der Skenderija in Sarajevo, der Geburtsstätte der Band vor 50 Jahren, hätten am 11. Mai wie damals im Hipodrom alle noch lebenden Band-Mitglieder auf der Bühne stehen und der bosnischen Hauptstadt das größte Konzert seit Jahrzehnten geben sollen.
Das wird es nur in abgespeckter Form geben.
Željko Bebek, der erste und langjährige Leadsänger der Band, hat am Montag auf seiner offiziellen Facebook-Seite endgültig bekanntgegeben, dass er am 11. Mai nicht auftreten wird. Und auch auf keinem anderen Konzert der Bijelo Dugme-Jubiläumstour.
„Vor einem Monat, nach zwanzig Jahren, hatte ich ein Mittagessen. In Zagreb. Goran und ich. Begleitet wurden wir vom Direktor von Croatia Records, Gorans Partner und meinem Sohn Zvone. Goran und ich haben uns zu einigen Schlüsselthemen ausgetauscht, zum Thema gemeinsame Auftritte. Ich habe dieses Gespräch mit einer klaren Antwort beendet: Ich will nicht mit dir mitmachen. Wir gehen unseren eigenen Weg! (Wie es bisher ist).“
Das beendet die jüngst bekannt gewordenen Spekulationen um die große und von vielen Fans erhoffte Bijelo Dugme-Reunion.
Von Bandgründer Goran Bregović gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme. Die Band wird auf jeden Fall wie angekündigt am 11. Mai mit den Sängern Tifa und Alen Islamović auftreten. Sie hatten zwischen 1984 und der Auflösung der Band 1989 einige der größten Hits von Bijelo Dugme gesungen – etwa Lipe cvatu, Hajdemo u planine und Đurđevdan.
Bei den Bijelo Dugme-Fans stößt Željkos Stellungnahme vor allem auf Unverständnis. „Dir war die Gage wohl nicht hoch genug“, kommentieren manche Fans sinngemäß. Oder: „Željko, du bist ein Arschloch“.
Andere gaben Brega die Schuld. Der habe ihn ausgetrickst und ihn nicht einmal zur Tournee für das 40-jährige Band-Jubiläum eingeladen. Dafür kriege Brega jetzt die Rechnung.
Auf Željkos Facebook-Seite standen seine Fans praktisch geschlossen hinter ihm: „Ohne dich würde sich heute niemand mehr an Bijelo Dugme erinnern“, schrieb etwa ein weiblicher Fan. Oder: „Nach dir war es nicht mehr Bijelo Dugme“.
In der Diskussion scheint es vor allem um den Konflikt zwischen Željko und Brega zu gehen, zu dem es verschiedene Versionen gibt. Eine Rolle spielen auch die unterschiedlichen Interpretationen zum Zerfall Jugoslawiens und seinen Folgen.
Željko lebt seitdem in Zagreb und hat sich in jüngerer Vergangenheit im Sinne des revisionistischen kroatischen Konsens geäußert. Brega gilt als Exponent eines projugoslawischen Standpunktes.
Mehr über die Hintergründe des jüngsten Konflikts erfahrt ihr hier.
Und mehr über die Geschichte der erfolgreichsten jugoslawischen Rock-Band überhaupt erfahrt ihr hier.
Wer sich jetzt für YU Rock interessiert, kann hier mehr nachlesen – und findet hier einen Literaturtipp.
Und hier gibt’s den Höhepunkt des legendären Hipodrom-Konzerts zum Anschauen.
Titelfoto: (c) Dragan Ilić, via Željko Bebeks offiziellem Facebook-Auftritt
Wenn euch dieser Beitrag gefällt…
Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort auf Buy Me A Coffee tun. Und wenn euch dieser Beitrag gefällt, bitte teilt ihn auf euren sozialen Netzwerken, lasst ein Like da oder kommentiert.
Entdecke mehr von balkan stories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
