Die Duden-Affäre um den Begriff Ustaša, an deren Aufarbeitung Balkan Stories maßgeblich beteiligt war, ist auch zum Thema einer Glosse geworden, die ich für die taz geschrieben habe.

Dass mit der Definition historischer Begriffe Politik gemacht wird, ist eine Feststellung, deren Erkenntniswert an Banalität kaum zu überbieten ist, was die Wirkmächtigkeit der Strategie nicht schmälert.

Ob der renommierte Dudenverlag Politik machen wollte, als er bis vor wenigen Tagen eine revisionistische Definition des Begriffs Ustaša/dt. Ustascha verwendete, mag dahin gestellt sein. Er interpretierte die Bewegung als „kroatische nationalistische Strömung, die den serbischen Zentralismus in Jugoslawien bekämpfte (1941 – 1945)“ – so wie es kroatische Neofaschisten und Revisionisten auch sehen.

Etymologisch stimmig. Ustaša leitet sich vom Verb ustajati ab (auf-/widerstehen) und bedeutet wörtlich „die Aufständische(n)“. Aufstand geht meist mit der Bekämpfung von irgendetwas einher.

Freilich widmet sich der Duden, auch im Fremdwörterbuch, erstens eher der Etymologie der deutschen Entsprechungen und zweitens muss man feststellen, dass die Ustaša den Aufstand etwas großzügig ausgelegt hat: Sie war das katholisch-faschistische Marionettenregime der Nazis im sog. „Unabhängigen Staat Kroatien“ NDH, an den der Einfachheit halber gleich ganz Bosnien und halb Serbien angeschlossen wurden, und den man ethnisch reiner haben wollte als selbst die Nazis ihr Drittes Reich.

Juden und Roma wurden fast ausgerottet und die Ustaša beging einen Völkermord an den Serben des NDH nach der Formel: Ein Drittel zum Katholizismus zwangskonvertieren, ein Drittel vertreiben, ein Drittel abschlachten. Mit Vorschlaghämmern, per Kopfabschneiden, usw. Sogar die SS beschwerte sich über die Grausamkeit der kroatischen Verbündeten. Opferzahl: Mindestens 600.000.

Als vor kurzem die etwas beschönigende Duden-Definition bekannt wurde und Journalisten und Wissenschaftler den Verlag darauf hinwiesen, berichtigte der Verlag sie online und wohl auch in der nächsten Ausgabe des Fremdwörterbuchs.

Bleibt die Frage, warum der aus dem Jahr 1974 stammende Eintrag erst jetzt auffiel. Vielleicht lernen wir daraus nur, dass historisch Interessierte und Menschen aus Ex-Jugoslawien selten den Duden benutzen.

Diese Glosse erschien in der Rubrik „Die Wortkunde“ der taz am 18. Juli (S 14).

Titelbild: Christoph Baumgarten im Bunker in Konjic. (c) Majda Turkić