Der richtige Mensch am richtigen Ort zur richtigen Zeit hat das Leben von Alma Kosarić im Sommer 1995 entscheidend verändert. Heute sucht sie mit Hilfe des ZETRA-Project nach dem Unbekannten.

Es war der Krieg, der alles veränderte. Hunderttausend umbrachte. Hunderttausende entwurzelte.

Alma Kosarić aus Sarajevo ist eine von vielen, die im Jugoslawien-Krieg geflohen sind. Ihre Familie hat fast die gesamte vierjährige Belagerung der Stadt ausgehalten. Und floh zwei Monate vor Kriegsende, wie Alma dem ZETRA-Project erzählt.

„Wir sind durch den Tunnel gegangen, jenen Versorgungsschacht, durch den Sarajevo vier Jahre lang am Leben gehalten wurde. Ich weiß noch, dass ich gerade so stehen konnte, den modrig-lehmigen Geruch habe ich bis heute in der Nase. Ich mag deshalb auch nicht besonders gerne in alte Keller hinabsteigen. Auf dem Igman hat es dann geregnet, unser Bus passierte den Kamm ohne Licht. Wir hatten Schleuser – so würde man wohl heute sagen -, die wir bestochen hatten. Die waren sehr nervös. Irgendwie sind wir heil nach Kroatien gekommen. Wir wollten zu einem Onkel weiter, der in Landsberg am Lech in Bayern wohnte. An der Grenze zu Slowenien flogen wir mit unseren Papieren auf und kamen nicht weiter.“

Alma Kosarić über ihre Flucht

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Das Ende der Flucht, den Schritt in die absolute Sicherheit hat ein Unbekannter ermöglicht. Einer, der in diesem Sommer 1995 zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Der eine Familie gesehen hat, die Hilfe gebraucht hat.

Plötzlich war da ein Mann, der uns in seinem Auto über die Grenze schmuggelte. Ich saß hinten mit meiner Mutter, er hatte Erdbeeren im Auto, die er mir schenkte. Meinen Eltern schenkte er Geld.

Diesen Unbekannten zu suchen, ermöglicht ihr das ZETRA-Project, das Danijel Višević heuer ins Leben gerufen hat.

Es bringt die Geschichten der Entwurzelten, der Überlebenden, der Geflohenen, der Daheimgebliebenen, zusammen und gibt den Opfern des Jugoslawien-Kriegs eine Stimme.

Und erinnert, dass Krieg niemals unausweichlich ist.

Alma wird bald Lehrerin

Alma zeigt übrigens, wie Flüchtlinge zum Teil einer Gesellschaft werden, wenn man sie nur lässt. Sie wird in Deutschland bald Englisch und Spanisch unterrichten.

Das ist auch dem Unbekannten zu verdanken, der sie damals über die Grenze geschmuggelt hat.

Sollte dieses Video bei jemandem Erinnerungen wecken, dass er eine unbekannte Familie im Sommer 1995 über die slowenisch-österreichische Grenze geschmuggelt hat, kann er Kontakt mit dem ZETRA-Projekt aufnehmen.

info@zetraproject.com