Die deutsche Seite Holiday Check hat die zehn hässlichsten Städte der Welt gekürt. Auf Platz zwei landet Skopje, die Hauptstadt Mazedoniens. Bei aller Kritik an Skopjes nationalistischer Turbokitsch-Architektur erscheint das etwas übertrieben.
Man muss sich nichts vormachen. Im Stadtzentrum von Skopje kannst du dich entscheiden zwischen Augenkrebs und Hirntumor. Wenn du Glück hast.
Das Projekt Skopje 2014 hat aus dem Zentrum von Mazedoniens Hauptstadt eine unmotivierte Ansammlung pseudohistoristischen und nationalistischen Turbokitsches gemacht, dass es jedem auch nur durchschnittlich vernunftbegabtem oder ästhetisch orientiertem Menschen schwindlig wird.
Wenige Seiten haben das so deutlich gezeigt und kritisiert wie Balkan Stories. Siehe diese Reportage.
Nur, reicht das, um Skopje zur zweithässlichsten Stadt der Welt zu machen?
Das ist sie nach dem Ranking der deutschen Seite Holiday Check. Zu Recht spricht die Seite von Skopje als „Hauptstadt des Disneyland-Nationalismus“.
Es ist nicht klar, auf welcher Basis das Ranking erstellt wurde. Befragungen? Oder die subjektiven Erfahrungen von Reisejournalistin Michaela Strassmair. Vermutlich Letzteres.
Noch unklarer wird die Aufnahme Skopjes in die Liste, wenn man Strassmairs Gesamtbewertung liest. Die fällt deutlich nuancierter aus als es die Platzierung vermuten ließe. Man kann ihr nicht widersprechen.
„Wer durch Skopje läuft, könnte meinen, er sei in einem antiken Freizeitpark gelandet – nur, dass die echte Antike fehlt. In den vergangenen Jahren hat die Regierung Millionen in eine bizarre „Aufhübschung“ der Hauptstadt der Republik Nordmazedonien gesteckt: neo-klassizistische Fassaden, kitschige Statuen an jeder Ecke, künstlich vergrößerte Brücken und monumentale Denkmäler, die aus dem Nichts wachsen. Statt Marmor und Granit kamen dabei oft Gipsplatten und andere billige Materialien zum Einsatz. Kritiker sprechen deshalb spöttisch von „Disneyland-Nationalismus“, einer inszenierten Pracht ohne Substanz. Das „Projekt Skopje 2014“ war ein Versuch, nationale Identität zu erschaffen. Mit dem traurigen Ergebnis, dass die Stadt wirkt wie eine Karikatur ihrer selbst. Gleichzeitig leidet die 500.000-Einwohner-Stadt unter enormer Luftverschmutzung, chaotischem Verkehr und sozialer Ungleichheit. Aber: Wer die Maskerade durchblickt, entdeckt darunter echte Geschichte – osmanische Märkte, alte Bäder und eine multikulturelle Bevölkerung, die sich ihren Humor bewahrt hat.“
(Quelle: Die 10 hässlichsten Städte der Welt, Holiday Check.)
Da hätte man doch der Stara Čaršija ein paar Punkte bei der Bewertung geben können. Hier ein fotografischer Streifzug aus dem Foto-Archiv von Balkan Stories.







Ansonsten ist Skopje außerhalb des Stadtzentrums eine typische jugoslawische Stadt. Eine Mischung aus manchmal gelungenem Brutalismus und Modernismus, und historischen Überbleibseln, bedroht von billigsteingewordenen feuchten kapitalistischen Träumen vom schnellen Immobiliengeld.

Nicht, dass man Skopje in die Liste der schönsten Städte der Welt aufnehmen würde. Aber es würden einem Städte einfallen, die ästhetisch in der gleichen Liga spielen – und die es nicht auf Strassmaiers Liste geschafft haben.
Ästhetisch genauso fragwürdig: Budva, Prishtina, Podgorica
Lassen wir mal ausgesprochene Kleinstädte beiseite, hat auch das ehemalige Jugoslawien einiges zu bieten in dieser Hinsicht.
Budva in Montenegro etwa. Das ist klein, aber touristisch hochrelevant.
Eine wunderschöne Altstadt. Auch die große Hotelanlage und der Park an der Slovenska Plaža sind wunderschön. Einfallslose Hotelbauten und Hotelbaustellen im Rest der Stadt schießen aus dem Boden wie die Schwammerl und erdrücken den Charme des historischen Budva.




Im Gesamteindruck sind die Folgen hemmungsloser Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes und der Verschandelung der Adria-Küste in Budva deutlich dominanter als die Innenstadt von Skopje für die Gesamtstadt ist.
Ästhetisch ebenfalls großteils unspektakulär bis fragwürdig ist Montenegros Hauptstadt Podgorica. Nicht ausgesprochen hässlich, aber seit einem schweren Bombardement im Zweiten Weltkrieg gibt es dort keine Altstadt mehr, die die architektonische Fadesse der Stadt wettmachen würde.
Podgorica hatte auch im ehemaligen Jugoslawien den Ruf, die unspannendste der Republik-Hauptstädte zu sein. Damals hieß die Stadt Titograd.



Auf der Habenseite steht die Gorica, der Berg über der Stadt. Das ist ein schönes und großes Naherholungsgebiet. Und das Essen ist Podgorica ist gut. Wenn man in Montenegro ist, kann man gerne vorbeischauen.
Auch Prishtina hat keine wirklich ansprechende Altstadt und nur wenige echt schöne Ecken.
Insgesamt dominieren planlose Neubauten seit 1999 die Skyline der Stadt. Gewürzt wird das mit den gelegentlichen Absurditäten des ewigen Abfeierns der NATO-Intervention 1999 und der kosovarischen Unabhängigkeitserklärung 2008.
Das Bild rechts unten ist übrigens das Parlament des Kosovo.





Eine Reportage über die sehenswerten Seiten Prishtinas findet ihr hier.
Wie Tirana verschandelt wird
Wenn wir bei den Nachbarn Mazedoniens bleiben, gehen wir kurz über die Grenzen des ehemaligen Jugoslawien hinaus: Tirana würde auch niemand als ästhetische Perle beschreiben.
Vom historischen Kern stehen genau zwei Gebäude. Der Rest der Stadt wird mit fragwürdigen Wolkenkratzerprojekten verschandelt. Balkan Stories hat dem eine eigene Reportage gewidmet. Die findet ihr hier. Samt den Bildern die das architektonische, stadtplanerische und ästhetische Verbrechen an der Hauptstadt Albaniens dokumentieren.
Das heißt nicht, diese Städten wären ausnahmslos hässlich oder auch nur besonders hässlich. Sie spielen nur in der gleichen Liga der ästhetischen Fragwürdigkeit wie Skopje.
Diese zwei Kandidaten sollten auf die Liste
Das können die nächsten beiden Kandidaten nicht von sich behaupten.
Eine Kleinstadt, aber immerhin eine kommende Tourismusdestination ist Neum an der kleinen bosnischen – oder eigentlich hercegovinischen – Adriaküste. Entstanden aus einem Fischerdorf hat Neum buchstäblich kein Stadtzentrum.
Die wohldurchdachten Hotelbauten aus jugoslawischen Zeiten sind architektonisch einwandfreie brutalistische und moderne Bauten. Was seit 1992 gebaut wird, ist Chaos und großteils Kitsch.



Weil’s schön wäre, fährt niemand nach Neum. Es ist der kostengünstigste Badeort an der Adria nördlich von Albanien, und nicht überlaufen. Das war’s.
Definitiv auf die Liste der hässlichsten Städte der Welt gehört Pale in Bosnien. Vielleicht nicht die Top Ten, aber die Top 20 sollten drin sein.
Außer, dass es republikasrpska-billig ist, fällt einem eigentlich nichts Positives über die 20.000 Einwohner-Stadt ein. Das erscheint kaum den Augenkrebs wert, den man bei einem Besuch riskiert.





Dass weder Neum noch Pale auf Strassmairs Liste stehen, legt nahe, dass sie beide nicht besucht hat. Da ist sie fast zu beneiden.
Welche Städte würdet ihr nominieren?
Welche Städte am Balkan würdet ihr in die Liste der zehn oder 20 hässlichsten Städte der Welt aufnehmen?
Und welche Städte in Österreich oder Deutschland?
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