Bilanz eines aufregenden Jahres

2023 nähert sich seinem Ende. Zeit für einen Balkan Stories Jahresrückblick. Es ist die Bilanz eines aufregenden Jahres.

Der Durchbruch in einem der bekanntesten Mordfälle der jüngeren bosnischen Geschichte wurde zum meistgelesenen Artikel auf Balkan Stories in diesem Jahr.

Das Berufungsgericht von Bosnien und Hercegovina verurteilte den ehemaligen Polizisten Hasan Dupovac und Alisa Mutap, die Ex-Freundin des 2016 ermordeten Dženan Memić wegen Vertuschung des Mordes zu Haftstrafen.

Der Beitrag von Balkan Stories war der erste, der zu diesem Thema auf Deutsch erschien. Dieser Blog ist auch das einzige deutschsprachige Medium, das regelmäßig über neue Entwicklungen in den Mordfällen Dženan Memić und David Dragičević berichtet.

Die beiden bis heute ungeklärten Morde sind in Bosnien zu einem Symbol für Staats- und Behördenversagen und für Korruption geworden – und haben unter den Titel Pravda za Dženan und Pravda za Davida die größte Protestbewegung nach dem Krieg ausgelöst.

Kurz sah es im November so aus, als würde es auch bei den Mordermittlungen im Fall David einen Durchbruch zu geben. Berichte, dass Festnahmen bedeutender Verdächtiger bevorstehen würden, erwiesen sich aber als übertrieben.

Freilich, nicht nur Negatives prägte das Jahr 2023 auf diesem Blog.

Meine persönlichen Lieblingsgeschichten

Meine persönliche Lieblingsgeschichte ist das Portrait von Oma Milka. Mit ihrer Hilfsbereitschaft ist die Pensionistin aus Sarajevo zum Symbol für ein solidarisches Bosnien geworden.

Bekannt wurde sie inmitten der beeindruckenden Spendenaktion in Bosnien für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien.

Das ist Valter, kann man da nur mehr sagen.

Auch sehr spannend war ein Treffen mit dem albanischen Hip Hop Star Vagabondi in Tirana.

Hip Hopper Vagabondi in Tirana

Der stellte sich auch als der wohl treueste Fan von Jugoslawiens größter Rockband Bijelo Dugme nicht nur in Albanien heraus.

Die Geschichte ist die möglicherweise verrückteste, die jemals auf Balkan Stories erschienen ist.

Das erste Mal Albanien

Überhaupt, 2023 hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, Albanien zu besuchen.

Und, wie es halt bei Balkan Stories so ist, gleich noch eine eher überraschende Entdeckung in Tirana gemacht.

Aus Albanien hab ich noch ein paar weitere interessante Geschichten mitgenommen, für die ich hoffentlich in den nächsten Monaten Zeit finden werde.

Proteste, ein Kaiser und die Sünden einer Ikone

Aufregend war es in Serbien.

Im Mai starteten nach den Amokläufen in einer Schule in Beograd und in Mladenovac die größten Massenproteste seit 20 Jahren.

Balkan Stories hat einen dieser Protestmärsche durch das Stadtzentrum von Beograd begleitet. Bis zu 200.000 Menschen nahmen an dieser Demo teil.

Damals erschien es realistisch, dass das SNS-Regime weichen würde müssen.

Der SNS-Machtapparat hat die Protestwelle gerade noch ausgesessen. Über den Rest möchte ich mich ohne nähere Recherchen nicht äußern.

Nur so viel sei gesagt: Durch Serbien rollt etwas mehr als eine Woche nach der Parlamentswahl wieder eine Protestwelle.

Freilich, Serbien ist nicht nur seine Politik.

Darum kommen ja auch Menschen auf Besuch. Auch aus Gegenden, von denen man es nicht erwarten würde – siehe diese Miniatur über den Kaiser aus Mexiko.

A pro pos Serbien: Von dort kamen auch Nachrichten über eine nicht mehr ganz so jugendliche Jugendsünde von Musikikone Lepa Brena.

Der Artikel darüber wurde zu einem der erfolgreichsten auf Balkan Stories im Jahr 2023.

Von Süden nach Norden: Montenegro

Montenegro konnte ich heuer etwas besser kennenlernen – buchstäblich von Süden nach Norden die Adriaküste entlang.

Bisher hatte ich keine Gelegenheit, meine Ulcinjer Erlebnisse zu verarbeiten. Das geschieht bei nächster Gelegenheit.

Aus Herceg Novi konnte ich über eine sehr sympathische Tradition berichten: Das Hercegnovski Strip Festival, das größte Comicfestival im ehemaligen Jugoslawien.

Da kommen jährlich Größen der internationalen Comicbranche, und die ganze Stadt arbeitet bei diesem Festival mit.

In Nikšić, wohin es mich zum ersten Mal verschlagen hat, fand ich den Himmel verschlossen.

Das Leben eines Balkanreisenden ist eben manchmal hart.

Eine geteilte Stadt und ein Zwischenreich

Brücke über die Bregava in Stolac

Das war es manchmal auch im an sich wunderschönen Stolac in der Hercegovina.

Wenn man ein bisschen unter die Oberfläche schaut, sieht man eine geteilte Stadt, in der wechselseitige Blockaden jeden Fortschritt verhinderten. Siehe diese Reportage.

Aber es geht langsam aufwärts, und das macht Hoffnung.

Spannend war auch, Brčko kennenzulernen.

Aus dem bosnischen Zwischenreich lassen sich viele Geschichten erzählen. Diese Reportage war ein Anfang.

Eine zweite, und viel nettere, Geschichte kann ich für die nächsten Wochen in Aussicht stellen.

Wie unterschiedlich man mit Vergangenheit umgehen kann

In Zagreb fand ich mich wieder mal mit der etwas eigenartigen Vergangenheitsbewältigung der kroatischen Gesellschaft konfrontiert.

Und wenn wir bei dem Umgang mit der jüngeren Geschichte sind, ist Balkan Stories 2023 auf zwei weitere interessante Beispiele gestoßen.

Da wäre zum einen der Skandal um ein ehemaliges italienisches Konzentrationslager auf der Insel Mamula in der Bucht von Kotor.

Damit beschäftigt sich eine Dokumentation des serbischen Filmemachers und Journalisten Aleksander Reljić, die hier zum ersten Mal auf Deutsch vorgestellt wurde.

Wie Geschichte, Kultur und Natur rücksichtslos und um einen Bettel privatisiert werden, ist ein all-post-jugoslawisches Phänomen.

Man könnt es mit dem Satz beschreiben „Nach Jugoslawien die Sintflut“.

Ein äußerst positives Beispiel, wie man mit der jüngeren Geschichte umgeht, hat vor kurzem in Sarajevo seinen ersten Geburtstag gefeiert: Das Ex YU Rock Centar.

Es ist das erste Museum im gesamten ehemaligen Jugoslawien, das sich der Geschichte der buntesten und erfolgreichsten Rock-Szenen in einem sozialistischen Land widmet.

Die Reportage über das Museum ist einer meiner persönlichen Lieblinge aus dem Jahr 2023.

Besucherinnen im Ex YU Rock Centar Sarajevo

Zurück in die manchmal triste Gegenwart

Mit einem der unschönen Umstände der tristen Gegenwart in vielen Gesellschaften im ehemaligen Jugoslawien beschäftigt sich eine der erfolgreichsten Geschichten des vergangenen Jahres: Wett- und Glücksspiellokale, die Geißel des Balkan.

Es ist eine dieser Geschichten, in die Jahre der journalistischen Auseinandersetzung mit dem Leben der Menschen im ehemaligen Jugoslawien fließen.

Das gilt auch für die Nachfolgegeschichte, in der ich die Dimension der Spielsucht tiefer analysiert habe.

Was sich 2024 ändert – und wie ihr Balkan Stories unterstützen könnt

2024 könnt ihr mit einigen überraschenden und hoffentlich interessanten Geschichten rechnen.

Und es wird eine kleine Änderung auf Balkan Stories geben.

Ich werde auf Buy Me a Coffee eine Spendenplattform für den Blog aufsetzen.

Im Lauf der Jahre sind etliche tausend Euro in das Projekt geflossen. Langfristig wird sich die gewohnte Qualität auf diesem Blog nicht allein mit dem Einkommen aus meinem Brotjob aufrechterhalten lassen.

Geld ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, wie ihr Balkan Stories unterstützen könnt.

Wenn euch eine Geschichte gefällt, teilt sie bitte auf euren Social Media Plattformen, und kommentiert vielleicht auch einmal hier.

Feedback ist notwendig. Da merkt man, dass man nicht für sich selber schreibt.

Das gilt natürlich auch für Kritik. Wenn euch etwas nicht gefällt, lasst mich das doch bitte wissen.

Ihr könnt Balkan Stories auch via WordPress abonnieren. Den Button findet ihr am Bildschirm unten.

Ihr könnt auch der Facebook-Seite von Balkan Stories folgen. Dort findet ihr die neuesten Geschichten und Links zu interessanten Artikeln anderer Seiten.

Mit eurer Unterstützung ermöglicht ihr, dass Balkan Stories mehr Menschen erreichen kann und weiter interessante und ungewöhnliche Geschichten über das Leben der Menschen am Balkan bringen kann.

Hvala lijepo,

Und Guten Rutsch.

Wenn euch dieser Beitrag gefällt…

Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort auf Buy Me A Coffee tun. Und wenn euch dieser Beitrag gefällt, bitte teilt ihn auf euren sozialen Netzwerken, lasst ein Like da oder kommentiert.


Entdecke mehr von balkan stories

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

3 Gedanken zu “Bilanz eines aufregenden Jahres

Antworte auf den Kommentar von koprivaAntwort abbrechen