Ehemalige Flüchtlinge des Bosnienkriegs protestieren dagegen, wie schlecht Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern in ihrer alten Heimat behandelt werden. Sie haben einen Offenen Brief geschrieben, in dem sie an ihr eigenes Schicksal erinnern und fordern, dass Flüchtlinge in Bosnien menschenwürdig behandelt werden.

Es waren vor allem Fuada und Amila Haktić, die die Protestaktion initiiert haben.

Fuada ist 1993 aus Bosnien in die Schweiz geflohen. Ihre Tochter Amila war damals vier Monate alt.

Dass beide leben, haben sie der Tatsache zu verdanken, dass die Schweiz sie damals aufgenommen hat, sagt Fuada.

Beide erklären in Videos, warum sie gegen die bosnische Flüchtlingspolitik protestieren.

 

Es liegt einiges im Argen

Es liegt einiges im Argen mit der Art und Weise, wie bosnische Behörden und bosnische Politik die etwa 7.000 Flüchtlinge behandeln, die seit Jahresbeginn ins Land gekommen sind.

Keiner fühlt sich für die Geflohenen zuständig. Es sind vor allem freiwillige Helfer, die Flüchtlinge versorgen. Ihnen gehen langsam Geld und Luft aus, wie diese Reportage zeigt, die auch über die „wilden Camps“ berichtet, in denen Betroffene in ihrer Not hausen.

Gleichzeitig schüren Politiker und Boulevardmedien Angst vor Flüchtlingen. Balkan Stories hat das im Juni dokumentiert.

Gegen diese Zustände legen zahlreiche Menschen, die wie Fuada und Amila aus Bosnien geflüchtet sind, Protest ein.

Der Offene Brief der Exil-Bosnier

Sie haben mit Unterstützung von Balkan Stories und der Redaktion des Wiener Dijaspora-Magazins KOSMO einen Offenen Brief formuliert, der auf Change.org unterzeichnet werden kann.

In dem Schreiben erinnern sie an ihr eigenes Schicksal – und vor allem daran, dass sie ihr Leben der Aufnahmebereitschaft anderer Länder zu verdanken haben.

Und daran, dass ihnen diese neuen Ländern vielfach ermöglicht haben, ein neues Leben zu beginnen.

Wie die bosnische Politik und bosnische Medien heute Flüchtlinge, sei Verrat an diesen Erlebnissen. Und Verrat an der Tradition der bosnischen Gastfreundlichkeit, mit der unter anderem die sephardischen Juden aufgenommen worden seien, die aus Spanien vertrieben wurden.

Unterschreibende und Unterstützer aus aller Welt

Nach Fuada und Amila war Aida Šehović eine der ersten Unterzeichnerinnen des Offenen Briefs.

Die aus Bosnien stammende Künstlerin lebt heute in den USA. Ihr nomadisches Denkmal ŠTO TE NEMA für die Opfer des Völkermords von Srebrenica hat sie weltbekannt gemacht.

Unterschrieben hat auch Renato Čiča. Der aus Sarajevo geflohene Wiener engagiert sich in seinem Verein We HELP für Menschen mit Behinderung und für Flüchtlinge.

Auch Denisa Hus hat den Offenen Brief unterzeichnet. Die Oberösterreicherin mit bosnischen Wurzeln engagiert sich für die SPÖ.

Weitere Unterschriften kommen von Exil-Bosnierinnen- und Bosniern aus Serbien, Deutschland, Slowenien.

Auch Balkan Stories-Gründer und Redakteur Christoph Baumgarten unterstützt die Initiative unter dem Titel #Jersmoljudi. (Wir wir Menschen sind.)

Den Offenen Brief bosnischer Flüchtlinge gibt es hier in deutscher Übersetzung zum Nachlesen.

Was ihr tun könnt

Die Protestnote kann HIER unterzeichnet werden.

Wer die Initiative weiter unterstützen möchte kann dies auf der Facebook-Seite von Balkan Stories odermit einem E-Mail an christoph.baumgarten@gmx.at bzw. über einen Kommentar auf Balkan Stories tun.

Gebraucht werden vor allem Video-Testimonials, in denen ihr erklärt, warum ihr diesen Offenen Brief unterschreibt oder in denen ihr euer eigenes Schicksal erzählt.

Und natürlich wäre es sehr hilfreich, wenn ihr den Offenen Brief auf change.org oder diesen Bericht auf euren Social Media-Kanälen verbreitet.

Jede Unterstützung ist herzlich willkommen.