Auf der Buch Wien hat dieses Wochenende die aktuelle deutschsprachige Literatur und die des angrenzen Raums ein Fenster in die Welt geöffnet. Und gezeigt, wie Kultur und Kreativität Grenzen überwinden.

Bücher sind Freunde. Sie wecken unsere Neugier, lassen uns an Abenteuern teilhaben, lassen uns die Welt mit den Augen anderer sehen und uns nachdenken, wie wir selbst die Welt sehen.

Bücher sind Spiegel und Fenster in die Welt zugleich.

Die Welt wäre ein besserer Ort, würden die Menschen mehr lesen.

Und vor allem, wenn sie Bücher lesen würden, mit denen sie die Nachbarschaft ins Wohnzimmer holen. Oder zumindest in ihren Kopf.

Wenn wir unsere Nachbarn als Menschen sehen und nicht als wandelnde Klischees, wenig schmeichelhafte zumal, als unsere Freunde und Kollegen, lernen wir, dass Grenzen künstliche Hindernisse sind, die man überwinden kann und muss.

Im übertragenen Sinn wie in der Realität.

Die heurige Buch Wien hat einen Beitrag geleistet, dem Wiener Publikum auch die Literatur aus der Nachbarschaft näherzubringen.

Etwa Thomas Zehender von danube books, einem jungen Ulmer Verlag. Er hat ein interessantes Programm mit Schwerpunkt Südosteuropa.

Balkan Stories hat mehrere Bücher des Verlags vorgestellt. Etwa den bildmächtigen Fotoband Skizzen von Slawonien und die Lebenserinnerungen von Josef Trabert.

Auch die Neuveröffentlichungen sind vielversprechend.

Ein kulinarisches Experiment

Auf so einer Messe gibt es auch für Verleger immer etwas zu entdecken. Thomas,  hat zum Beispiel das erste Mal Sacherwürstel gegessen.

So ein kulinarisches Experiment muss man dokumentieren.

Thomas ist übrigens begeisterter Koch und mit der österreichischen Küche vertraut.

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Die Käsleberkässemmel im Bild gehört übrigens mir.

Großes Interesse am Wieser Verlag

Gleich daneben Lojze Wieser mit seinem Wieser Verlag. Was wäre die Literatur ärmer ohne ihn.

Kaum ein Verleger aus dem deutschsprachigen Raum hat sich so sehr um Kulturvermittlung über Grenzen hinweg eingesetzt wie er.

Und mitgeholfen, dass wir Europa erlesen können. Buch um Buch, wie Lojze sagt, und nicht Krieg um Krieg.

Eine Lounge mit kleiner Panne

Gegenüber der Danube Cultural Cluster mit seiner Donau-Lounge. Er hat Lesungen interessanter Autorinnen aus Ost- und Südosteuropa ermöglicht.

Nur bei der Verwendung des Kyrillischen scheint man beim Culture Cluster nicht ganz sattelfest zu sein.

Am Roll-Up werden die Namen aller bosnischen Städte auf Kyrillisch geschrieben. Warum, bleibt ein Rätsel. Ebenso, warum man montenegrinische Städte in lateinischer Schrift anschreibt.

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Amels Reiseführer geht in die dritte Auflage

Mit Amel Salihbašić stellt ebenfalls ein alter Freund auf der Buch Wien aus.

Amels Reiseführer über Bosnien geht in die dritte Auflage, erzählt er mir. Die ersten Exemplare werden nächste Woche ausgeliefert. Bestellt werden kann das Buch hier.

Außerdem ist das Werk ins Tschechische übersetzt worden.

Am gleichen Stand auch ein paar neue Reiseführer zum Balkan.

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Die kroatische Botschaft und das kroatische Kulturministerium bieten mit ihrem STand eine Leistungsschau der kroatischen Literatur.

Was Kultur kann

Was Kultur kann, hab ich bei einem Bier nach dem Messebesuch festgestellt.

In meinem Stammlokal hab ich der Kellnerin Mira den Fotoband Skizzen aus Slawonien gezeigt.

Mira ist kroatische Serbin. Sie stammt aus Zagreb und hat Familienverbindungen auch nach Slawonien. Während des Kriegs ist sie nach Serbien übersiedelt.

Ihr haben die Fotos eine große Freude gemacht. Sie waren Erinnerungen an eine alte Heimat. Ihrem Lächeln nach zu urteilen sehr schöne.

Wenn man die schwierigen Beziehungen zwischen kroatischen Serben und ihrer – in der Regel früheren – Heimat kennt, weiß man, wie viel das wert ist.

Es wäre schön gewesen, wenn der Buchhändler Florin aus Prishtina die Messe hätte besuchen können.

Er hätte gesehen, dass auch Wien voll der Bücher ist und nicht nur Paris.

Leider darf er als Kosovare nur mit Visum in die EU einreisen. Hoffen wir, dass auch diese Grenze fällt.