„Was wäre, wenn“-Szenarien können die Folgen historischer Ereignisse besonders scharf herausarbeiten. Ein besonders spannendes derartiges Szenario hat mein Freund Amar aus Sarajevo angeregt. Essay.
Der Fahrer des Phaeton von Gräf und Stift legt den Gang um, als das Auto krächzend bei der Lateinerbrücke über die Miljacka stehenbleibt. Franz Ferdinand und Sophie Habsburg lassen sich ihre Ungeduld und Anspannung nicht anmerken. Sie lächeln der Menge zu. Als ob sie nicht heute einem Attentatsversuch entkommen wären.
Ein junger Student am Gehsteig greift in seine Jackentasche. Er zieht eine FN Browning 1910. Routiniert zieht er den Schlitten der Pistole zurück und entsichert die Waffe wie im Traum. Oft genug hat er das geübt. Er schließt die Augen und schießt zwei Mal. So wird er es später den Ermittlern erzählen.
Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit hätte keines der Projektile treffen sollen. Geschweige denn, dass einer der Schüsse in Richtung des Thronfolgers der österreichisch-ungarischen Monarchie und seiner Frau an diesem 28. Juni 1914 tödlich hätte sein können.
Der Tod von Franz Ferdinand und Sophie war der Funke, der die Lunte eines Sprengsatzes entzündete. Der Sprengsatz tötete wohl um die 20 Millionen Menschen und veränderte die Welt.
Das ist die gängige Lesart der Ereignisse. Besonders beliebt ist sie in der deutschsprachigen und der jugoslawischen bzw. ex-jugoslawischen Geschichtsschreibung.
Dass sie mangelhaft ist, und dass sie einen 19-jährigen Studenten zur Projektionsfläche macht, um eigenes Versagen zu rechtfertigen, Verantwortungen zu verschleiern oder eigene nationalistische Träume romantisch zu verklären, zeigt eine hypothetische Frage, die mein Freund Amar aus Sarajevo angeregt hat.
Wie sich die Frage stellt
„Hast du jemals eine Geschichte oder einen Artikel über das ereignisreiche Jahr Sarajevo 1914 geschrieben und darüber, was aus Sarajevo in weniger als drei Jahrzehnten wurde und wie alles an einem einzigen Sommertag zerstört wurde?“, fragt er mich via WhatsApp.
Diese so banal wirkende Frage wirft andere Fragen auf. Vor allem, was passiert wäre, wenn Gavrilo danebengeschossen hätte.
Das erfordert eine sehr lange Antwort. Eine Antwort, bei der man viele Geschichtsstränge auseinanderklauben muss. Eine Antwort, bei der man nachher nicht mehr weiß als am Anfang und gleichzeitig klüger ist also zuvor. Hoffentlich.
Bevor wir uns an einer Antwort versuchen, sollten wir die Frage analysieren.
Sie stellt sich nur vor dem Hintergrund dessen, was die vergangenen 35 Jahre aus Sarajevo gemacht haben. Die Armee der Republika Srpska und nationalistische serbische Milizen belagerten die Stadt vier Jahre lang und sind für den Tod von 12.000 Menschen verantwortlich. Der Friedensvertrag von Dayton spaltete Teile der Stadt in den Teilstaat Republika Srpska ab und machte aus Bosnien ein politisch dysfunktionales De Facto-Protektorat der EU.
35 Jahre lang blieben Stadtentwicklungsprojekte liegen. Jetzt erst setzt die Stadtpolitik langsam Pläne aus den späten 1980-ern um. Zentrale kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen der Stadt fristen ein Dasein in einem Zwischenreich der offiziellen Existenz und Nicht-Existenz. (Siehe auch diese Reportage. Und siehe überhaupt die vielen Reportagen aus Sarajevo im Archiv von Balkan Stories.)
Die Stadt ist verarmt, finanziell, politisch, sozial, kulturell. Bei allen Verbesserungen, die es in den vergangenen zehn Jahren gegeben hat: Sarajevo ist ein Schatten seiner selbst, zehrt vor allem vom Erbe des blutig untergegangen Jugoslawien.

Sicher, auch dieser Schatten ist liebenswürdig und liebenswert. Es ist ein Schatten mit viel Herz und Seele. Aber bei aller Liebe zur Stadt und zu ihren Menschen muss man sagen: Im Vergleich zu den 1980-ern ist Sarajevo nahezu bedeutungslos geworden.
„Hast du dir jemals die Frage gestellt, wie sich Sarajevo entwickelt hätte, wenn das Attentat auf Franz Ferdinand gescheitert wäre?“ meint vor allem: Gibt es eine Welt, in der dieses, Sarajevo eine prächtige, bedeutungsvolle, funktionierende Stadt wäre?
Die Frage drückt Hoffnung aus, Projektion, und die Suche nach dem Punkt, an dem den Sarajlije eine bessere Zukunft oder eigentlich eine akzeptable Gegenwart verbaut wurde.
Diese Einschätzung soll die Frage keineswegs abwerten. Vielmehr soll sie verdeutlichen, wie die so genannte große Geschichte, die des Großen Ganzen, immer die Gegenwart jedes Einzelnen beeinflusst.
Gleichzeitig ist dieser Einfluss nie so geradlinig wie einen das die Rückschau vermuten lässt. „A führt zu B führt zu C“ mag eine überzeugend aussehende Formel sein. Sie ist nur grundfalsch. Das machen gerade „Was wäre, wenn“-Fragen in der Geschichte deutlich.

Diese Geschichtsstränge muss man auseinanderklauben
Um seriös zu beantworten, was aus Sarajevo geworden wäre, wenn Gavrilo danebengeschossen hätte, müssen wir mehrere Grundannahmen herausarbeiten. Kurz: Die Stränge einer sehr komplexen Geschichte auseinanderklauben.
Strang eins sind die Vorgeschichte des Attentats und das Attentat selbst.
Wäre Sarajevos Boom in den Jahren vor 1914 nahtlos weitergegangen?
War es der gewaltsame Tod von Franz Ferdinand und Sophie Habsburg, der den Ersten Weltkrieg auslöste?
Strang zwei sind die offenkundigen Folgen.
Hätte es ohne das Attentat einen – vielleicht anderen – Ersten Weltkrieg gegeben?
Wer hätte diesen Krieg gewonnen?
Wäre das Habsburgerreich auch ohne diesen Krieg zerfallen?
Strang drei ist die jugoslawische Geschichte.
Hätte es ohne den Ersten Weltkrieg ein Jugoslawien gegeben?
Wenn ja, wie hätte dieser Staat ausgesehen?
Welchen Status hätten Sarajevo und Bosnien in diesem Staat gehabt.
Strang vier sind Ereignisse, die mittelbar an die übrigen Stränge anknüpfen.
Hätte es ohne die Ereignisse von 1914 bis 1918 einen Zweiten Weltkrieg gegeben?
Wenn ja, wie hätte der Sarajevo beeinflusst?
Hätte es am Ende eines solchen Krieges ein sozialistisches Jugoslawien gegeben, das die Stadtentwicklung Sarajevos so forciert hätte, wie es passierte?
Und wäre Jugoslawien ohne die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg ebenso blutig zerfallen, wie es in den 1990-ern passierte?
Nicht auf alle Stränge kann ich in diesem Essay eingehen. Und vor allem Stränge eins und zwei machen es notwendig, etwas auszuholen.
Wie sich Sarajevo bis 1914 entwickelte – und warum
Sarajevo erlebte zwischen 1878 und 1914 einen nie gesehenen Aufschwung.
Nachdem das Osmanische Reich die Verwaltung der aufständischen Provinz Bosnien und Hercegovina der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie übertragen hatte, und kuk bzw. kk -Truppen die Provinz in ihrem letzten erfolgreichen Krieg schnell erobert hatten, beschlossen Wien und Budapest, Sarajevo zu einem Aushängeschild ihres multinationalen Reiches zu machen.
Das war keineswegs uneigennützig, unschuldig und philanthropisch.
Der bosnisch-amerikanische Historiker Edin Hajdarpašić von der Loyola University Chicago schildert den politischen Hintergrund im Abstract seines Buches „Whose Bosnia“ so: „(A)s this book shows, formative contestations over the region began well before 1914, emerging with the rise of new nineteenth-century forces—Serbian and Croatian nationalisms as well as Ottoman, Habsburg, Muslim, and Yugoslav political movements—that claimed this province as their own. This book reveals the political pressures and moral arguments that made this land a prime target of escalating nationalist activity. To explain the proliferation of national movements since the nineteenth century, the book draws on a vast range of sources spanning Bosnia, Serbia, Croatia, Turkey, and Austria. Challenging conventional readings of Balkan histories, the book provides new insight into central themes of modern politics, illuminating core subjects like “the people,” state-building, and national suffering. The book uses South Slavic debates over Bosnian Muslim identity to propose a new figure in the history of nationalism: the (br)other, a character signifying at the same time the potential of being both “brother” and “Other,” containing the fantasy of both complete assimilation and insurmountable difference. By bringing such figures into focus, the book shows nationalism to be an immensely dynamic and open-ended force, one that eludes any clear sense of historical closure.“
Nicht, dass die Sarajlije nichts davon gehabt hätten. Die neuen Behörden bauten ein Stromnetz, regulierten die hochwassergeplagte und hochwasserplagende Miljacka, erweiterten das Stadtgebiet, ließen Fabriken anlegen, die Stadt ans Eisenbahnnetz anschließen, und ließen eine wegweisende elektrische Straßenbahn bauen.

Historische Feinspitze streiten, wie bedeutsam die Straßenbahn war und ist. Aber das ist Nebensache.
Das eigentlich Bedeutsame ist, dass die Straßenbahn seitdem nicht wesentlich ausgebaut wurde. Eine Linie zwischen Baščaršija und Ilidža mit seinen kuk bzw. kk.- Villen. Neu ist nur die wenige hundert Meter lange Abzweigung zum Hauptbahnhof aus jugoslawischen Zeiten.

Gleichzeitig knallten die kuk bzw. kk-Behörden überall neue Kirchen hin. Die Kathedrale auf der heutigen Ferhadija. Die Evangelische Kirche (AB) auf der anderen Seite der Miljacka. Sie ist heute die Akademie der Bildenden Künste. Die katholische Kirche in Marjin Dvor. Die katholische Kirche in Novo Sarajevo.
Parallel zu dieser offensichtlichen Christianisierungskampagne stützte sich die kuk bzw. kk-Politik auf den mehrheitlich muslimischen Landadel aus Osmanischen Zeiten und die urbane muslimische Elite.
Das war einfacher. Gleichzeitig hoffte man, Bosniens Muslime so gegen die politische Agitation kroatischer und serbischer Nationalisten zu immunisieren. Siehe „Whose Bosnia“.

Exkurs: Nationale Identitäten
In dem Zusammenhang ist auch zu sehen, dass die kuk bzw. kk-Strategie ab 1878 zumindest eine Zeit lang „bosnisch“ als nationale Identität im Gegensatz zu „serbisch“ und „kroatisch“ sozusagen erfand.
Wenn man das vor einem ausschließlich regionalen Zusammenhang sieht, klingt das ketzerisch. Im gesamteuropäischen Zusammenhang ist die Aussage banal.
Nationale Identitäten sind etwas sehr Neues. Die meisten nationalen Identitäten in Europa entstanden im 19. Jahrhundert. Manche erst im 20.
„Serbisch“ und „kroatisch“ als nationale Identitäten sind allenfalls zwei Generationen älter als „bosnisch“. Ob es „österreichisch“ als nationale Identität gibt, ist eine interessante Streitfrage.
Wie sich die Menschen empfunden haben, bevor diese nationalen Identitäten entstanden, können wir uns nicht vorstellen. Ganz neutral gesprochen, ist Nationalismus die erfolgreichste politische Ideologie überhaupt. Sie prägt sehr tief, wie wir alle über Staaten denken, und über Menschen, die die gleiche Sprache sprechen wie wir, und über die, die eine andere Sprache sprechen. Eine Welt ohne Nationen ist für uns nicht denkbar.

Hätte es den Ersten Weltkrieg auch gegeben, wenn das Attentat gescheitert wäre?
Hätte sich Sarajevos Boom fortgesetzt, wenn nicht der Erste Weltkrieg dazwischengekommen wäre? Wäre „bosnisch“ als nationale Identität tiefer verankert worden in den Köpfen von zumindest Teilen der Bevölkerung als das tatsächlich passierte? So tief vielleicht, dass in den 1990-ern kein – von Rumpf-Jugoslawien angefachter und unterstützter – Bürgerkrieg das Land zerriss und 12.000 Menschen in Sarajevo das Leben kostete?
Spannende Fragen. Zumindest die erste kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beantworten, wenn man sich näher mit Geschichtsstrang zwei befasst.
Ebenso spannend die vielleicht zentrale Frage von Geschichtsstrang eins.
War es der gewaltsame Tod von Franz Ferdinand und Sophie Habsburg, der den Ersten Weltkrieg auslöste?
So eindeutig wie man das in Wien, Berlin, Beograd und Sarajevo sieht, und wahrscheinlich auch in Zagreb, lässt sich die Frage nicht mit einem Ja beantworten.
Wenn Gavrilo danebengeschossen hätte, hätte das ebenfalls eine sehr ernsthafte politische Krise zwischen Habsburgerreich und Serbien ausgelöst. Eine Krise, in die sich das Deutsche Reich, Russland und Frankreich ebenfalls eingemischt hätten.
Es war nicht der erste Attentatsversuch dieses Tages. Eine Reihe von Attentätern hatte versucht, den Thronfolger und seine Frau zu ermorden. Jedes einzelne dieser Mitglieder der Mlada Bosna war von der Geheimorganisation Crna Ruka (Schwarze Hand) im Sicherheitsapparat Serbiens unterstützt, ausgebildet und bewaffnet worden – meist ohne, dass die Attentäter wussten, wer sie instrumentalisieren wollte.
Die zentrale Frage in diesem Alternativszenario ist, wie sich das Deutsche Reich verhalten hätte. Hätte es dem kuk bzw. kk-Staat den gleichen Blankoscheck ausgestellt wie es das Ende Juni 1914 tat, wenn der Thronfolger und seine Frau den Attentatsversuch überlebt hätten?
Möglich, dass Berlin Wien signalisiert hätte, dass man einen Waffengang nicht unterstützen würde. Möglich auch, dass Berlin Wien genauso angefeuert hätte wie das in der historischen Realität passierte.
Ein großer Krieg zwischen den imperialistischen Großmächten lag in der Luft. Wenn auch nicht dieser.
Das bringt uns zu Strang 2.
Es ist weitgehend Konsens unter Historikern, dass in den 1910-ern ein großer militärischer Konflikt zwischen den imperialistischen Großmächten Europas samt ihren Anhängseln bevorstand. Das erwarteten auch zentrale Akteure der damaligen Zeit – nicht nur, aber vor allem im Deutschen Reich. Gleichzeitig halten die meisten Historiker den Großkrieg, wie er tatsächlich passierte, im Rückblick für vermeidbar. Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer.
Siehe etwa diese Analyse des Center for International Relations and Sustainable Development.
Vor allem zwischen Großbritannien und Deutschland hatten sich massive Interessenkonflikte aufgebaut.
Deutschland war in zentralen Bereichen wie Stahl, Maschinenbau und chemischer Produktion seit der Reichsgründung 1871 zur weltweit größten Industrienation geworden. Auch insgesamt produzierte die deutsche Industrie mehr als die britische.
Deutschlands Flottenausbau machte die Briten nervös. Sie sahen ihre Vormachtstellung auf Hoher See gefährdet, und mit ihr das britische Kolonialreich. Das änderte sich nicht, nachdem die deutsche Marine de facto aus dem Rüstungswettlauf ausgestiegen war.
Zudem machte sich Deutschland drauf und dran, das Osmanische Reich in eine ökonomische Kolonie zu verwandeln. Immer mehr deutsches Kapital floss nach Konstantinopel, finanzierte zentrale Infrastruktur des Vielvölkerstaats im Nahen Osten. Immer mehr wurde das Osmanische Reich wichtiger Absatzmarkt für deutsche Waren.
Das ging zulasten des britischen Kapitals, das ebenfalls gerne im Osmanischen Reich investiert hätte. Und es gefährdete aus Sicht staatlicher britischer Strategen direkt das so genannte Kronjuwel des britischen Empire: Indien. Im Konfliktfall könnte Deutschland über ein verbündetes Osmanisches Reich Zugriff auf den Suezkanal im britisch kontrollierten benachbarten Ägypten gewinnen, so die Befürchtung.
Ebenfalls scharfe Interessenkonflikte gab es direkt und indirekt zwischen Frankreich und Deutschland – schärfer jedenfalls als die britisch-französischen Unstimmigkeiten über Kolonien. Die industrielle Vormachtstellung Deutschlands schadete direkt auch französischen Kapitalinteressen. Zudem wollte Frankreich Elsass-Lothringen zurück. 1871 hatte das neu geformte Deutsche Reich die Provinz annektiert.
Zudem hatte Russland Interessen am Balkan und am Bosporus, die denen Deutschlands und des kuk bzw. kk-Staates zuwiderliefen. In Russland steckte enorm viel französisches Kapital. Das wollte man nicht abschreiben müssen.
Dazu diverse Interessenkonflikte von Staaten diverser Größe und Wichtigkeit, die man vorwiegend als Anhängsel der Großmächte Großbritannien, Deutschland und Frankreich sehen sollte.
Die Doppelmonarchie wollte ihre Besitzungen am Balkan halten. Russland, bei aller imperialer Geste zu dem Zeitpunkt kaum mehr als ein Anhängsel Frankreichs, wollte dort seinen Einflussbereich mithilfe Serbiens ausdehnen.
Serbien lavierte zwischen großserbischen Ambitionen und dem Bestreben, unter seiner Vorherrschaft einen Staat der Südslawen zu errichten. Mal das eine, mal das andere brachte es in Konflikt mit Österreich-Ungarn, Bulgarien, Griechenland und dem Osmanischen Reich.
Nachdem Bulgarien, Serbien und Griechenland im Ersten Balkankrieg 1912 den Großteil der Osmanischen Besitzungen in Europa unter sich aufgeteilt hatten, zerfleischten sie sich 1913 über der Frage, wem Mazedonien gehören sollte.
In dieser Konfliktlage konnte die Doppelmonarchie als letzten Kraftakt die Gründung eines albanischen Nationalstaates erzwingen. Der sollte als Puffer gegen weitere serbische Expansionsbestrebungen in Richtung Adria dienen.

Das abgedroschene Klischee vom „Pulverfass Balkan“
Das mag den Balkan im Rückblick als Pulverfass Europas aussehen lassen. Das ist er freilich nur, wenn man die zahlreichen anderen Konfliktherde in anderen Weltgegenden übersieht. Etwa Nordafrika. Oder die Entwicklungen auch damals schon in China. An Pulverfässern mangelte es nicht. Das übersehen auch viele Historiker gerne, wenn sie das Klischee vom Pulverfass Balkan beschwören. Das gilt vor allem für deutschsprachige und (ex-)jugoslawische Forscher.
Dazu kommt, dass das Wettrüsten der einzelnen Machtblöcke das Gefühl schuf, man solle besser morgen zuschlagen als übermorgen, bevor der jeweilige Gegner aufgeschlossen hätte. Der deutsche Generalstab etwa drängte in der Krise nach dem Attentat von Sarajevo auf baldigen Waffengang. Jetzt könne man Russland besiegen. In einem, spätestens zwei Jahren würde Russland zu stark sein.
Das alles macht es sehr wahrscheinlich, dass es 1914, 1915 oder 1916 einen großen Krieg zwischen den Machtblöcken Großbritannien-Frankreich-Russland und Deutsches Reich- kuk bzw. kk-Staat gegeben hätte.
Dass der sich genauso abgespielt hätte wie der Erste Weltkrieg, ist bestenfalls Spekulation. Zu unsicher ist vor allem, wie sich andere Staaten verhalten hätten. Wäre das Osmanische Reich in jedem Fall Verbündeter Deutschlands geworden? Hätte sich Italien vielleicht neutral verhalten – oder wäre gar Teil der Mittelmächte geworden? Das hängt unter anderem davon ab, wer den Krieg erklärt hätte.
Unter bestimmten Umständen hätte sich vielleicht Großbritannien neutral verhalten – auch wenn man seriöserweise davon ausgehen muss, dass das Deutsche Reich in jedem Fall die Neutralität Belgiens verletzt hätte, um in Frankreich einzumarschieren. Das war im historisch realen Krieg der offizielle Grund für die britische Kriegserklärung an Deutschland.
Hätten sich die USA ganz rausgehalten? Oder wären sie auf jeden Fall in den Krieg eingetreten? Auch da gibt es komplexe Interessenlagen.
Eine größere Rolle als in der echten Geschichte hätte vielleicht eine aufstrebende Großmacht spielen können: Japan. Welche Rolle das sein hätte können, ist eine gute Frage.
Dass sich Sarajevos Entwicklungsprogramm ewig fortgesetzt hätte, ist unwahrscheinlich
Vor diesem Hintergrund ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Entwicklungsprogramm der Doppelmonarchie in Sarajevo endlos weitergegangen wäre – oder jedenfalls bis wesentlich über 1914 hinaus. Egal, wie die Ausbaupläne aussahen.
Geht man davon aus, dass die Mittelmächte den weitgehend für unvermeidbar gehaltenen Großkrieg gewonnen hätte, ist es denkbar, dass die Pläne nach dem Krieg fortgesetzt worden wären. Genausogut hätte man auch das Interesse verlieren können. Unter der Annahme, Serbien wäre ein Teil des besiegten Machtblocks gewesen, wäre das bosnische Entwicklungsprogramm politisch nicht mehr so notwendig gewesen wie vor dem Krieg. Dieser Sieg wäre je nach angenommener Konstellation denkbar, ist aber nicht die wahrscheinlichste Variante.

Die Frage ist ohnehin, ob der kuk bzw. kk-Staat einen solchen Krieg überlebt hätte.
Abgesehen von einem sehr unwahrscheinlichen Blitzsieg hätte ein Großkrieg Millionen Opfer gefordert und die Kriegswirtschaft den Großteil der Bevölkerung ins Elend gestürzt. Das hätte die sozialen und nationalen Konflikte im Reich ohne Namen wohl kaum entschärft. Wie triumphal hätte ein – ohnehin kaum anzunehmender – Sieg in einem Großkrieg sein müssen, um das wettzumachen? Und wie ausbalanciert die Politik, um die Früchte eines solchen Sieges auch allen so ausgewogen zugutekommen zu lassen, dass die Tschechen, die Slowaken, die Slowenen, die Kroaten, die Bosnier, die Vojvodina-Serben, die Rumänen, die Polen Herrschaft aus Wien über sich erdulden würden, um ihrer teilhaft zu werden?
Das sind nur die Gruppen, die sich Ende 1918 in Staaten wiederfanden, die zumindest nominell die Ihren waren. Von den Ruthenen, Roma, Ukrainern ganz zu schweigen, auch von den Italienern. Letztere fanden sich in Italien wieder, gleichzeitig mit hunderttausenden Deutsch-Österreichern, Kroaten und Slowenen, die in den Italien zugeschlagenen Gebieten die jeweilige Mehrheitsbevölkerung stellten.
Vielleicht hätte es etwas geändert, wenn Franz Ferdinand Habsburg Franz Joseph Habsburg gefolgt wäre und nicht der mäßig begabte Karl Habsburg. Franz Ferdinand galt bei all seiner Brachialität als einer, der die Doppelmonarchie umbauen wollte, um den Slawen mehr Eigenbestimmung zu geben. Oder vielleicht auch allen Nationalitäten. Er legte sich nie fest.
Vielleicht ist das der Punkt, bei dem es den größten Unterschied gemacht hätte, ob Gavrilo traf oder danebenschoss.
Hätte das den Zerfall des Reiches endgültig verhindert? Oder hätte es ihn ein wenig verzögert?
Die politische Landkarte Europas würde in diesen alternativen Szenarien anders aussehen als heute. Je nach Annahme vielleicht nicht grundlegend anders, aber deutlich.

Hätte es in einem Alternativszenario Jugoslawien gegeben? Und was würde das für Sarajevo bedeuten?
Daran knüpft auch Geschichtsstrang drei an.
War es zwangsläufig, dass sich ein Staat der Südslawen mit dem Königreich Serbien als dominantem Kern bilden würde?
Ein solcher Staat war das erklärte Ziel der meisten Angehörigen der Mlada Bosna, wie etwa Gavrilo Princip.
Viele Kroaten, Serben, Bosnier, Slowenen, Montenegriner, und, in anachronistischer Terminologie, Mazedonier hielten 1914 einen solchen Staat für erstrebenswert und eine nationale Befreiung.
Ein solcher Staat wäre so oder so nur gegen den massiven Widerstand des kuk bzw. kk-Staat zu erzwingen gewesen. Voraussetzung wäre jedenfalls ein Krieg zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien oder der Zerfall der Donaumonarchie nach heftigen Krisen, wahrscheinlich begleitet von einem Bürgerkrieg, oder einer wie auch immer gearteten Revolution.
Eine solche Krise herbeizuführen, und eine Revolution, war das erklärte Ziel des militanten Teils der Mlada Bosna. Gavrilo Princip übrigens hatte große sozialistische bzw. anarchistische Sympathien.
Vielleicht, und das wäre der unwahrscheinlichste Fall, wäre noch eine südslawische förderale Einheit im kuk bzw. kk-Staat denkbar gewesen. Voraussetzung wäre, dass die wie auch immer gestalteten Mittelmächte den Großkrieg gewonnen hätten, die Donaumonarchie ein besiegtes Serbien annektiert hätte, und der Staat ohne Namen grundlegend umgebaut worden wäre.
Der Erste Weltkrieg, wie es ihn real gab, erscheint unter diesen Szenarien die Voraussetzung, in der ein Staat der Südslawen am wahrscheinlichsten entstehen konnte. Die einzige ist sie nicht, aber in anderen Szenarien werden andere Konstellationen denkbar – je nachdem, wie und vor allem entlang welcher Linien man den Zerfall der Donaumonarchie annimmt.
Im Wesentlichen gibt es abseits eines Staates der Südslawen drei Szenarien für Bosnien: Ein eigenständiger Staat. Bosnien als Teil von Großkroatien oder als Teil Großserbiens, dem Teile Kroatiens angehören könnten oder auch nicht. Bosnien als Teil einer wie auch immer gearteten, wie auch immer überlebt habenden Donaumonarchie, mit oder ohne Namen.
Nur im ersten und unwahrscheinlichsten Fall wäre Sarajevo mehr als eine Provinzhauptstadt. Vermutlich hätte es sich als Hauptstadt eines eigenständigen Staates etwas besser entwickeln können als das als Teil Großkroatiens- oder serbiens der Fall wäre oder im Königreich Jugoslawien real passierte. Aber nicht so viel besser und freier als manche vielleicht hoffen.
Zudem stellt sich die Frage, ob Bosnien lange eigenständig geblieben wäre.

Die vergessenen Fortsetzungskriege nach 1918
In der realen Geschichte befanden sich zahlreiche der neuen Staaten nach dem Waffenstillstand vom November 1918 im Krieg miteinander, und teilweise gegen die Staaten, aus denen sie hervorgegangen waren.
Polen etwa führte zwischen 1918 und 1921 Kriege gegen so ziemlich alles und jeden in der Nachbarschaft, meist als Aggressor: die kurzzeitig unabhängige Ukraine, die Sowjetunion, Deutschland, die Tschechoslowakei, Litauen.
Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das spätere Jugoslawien, versuchte zwischen November 1918 und dem Sommer 1919, Teile Südkärntens mit großteils slowenischsprachiger Bevölkerung zu erobern.
Man denke auch an den von der italienischen Regierung anfangs teilweise tolerierten Versuch von Gabriele D’Annunzio, die Stadt Fiume in der Kvarner Bucht für Italien zu erobern. Fiume stand damals unter Verwaltung des Völkerbundes. Es ist die heutige Stadt Rijeka in Kroatien.
Anders formuliert: Wäre der Großkrieg zwischen den imperalistischen europäischen Großmächten und ihren Anhängseln über einer anderen Krise entstanden, wer weiß, in welcher Nachkriegsordnung sich Bosnien und Sarajevo wiedergefunden hätten.
Szenarien für spätere Zeitpunkte verschwinden ganz im Nebel der Hypothese auf kontrafaktischer Grundlage.
Hätte es einen Zweiten Weltkrieg gegeben?
Der Erste Weltkrieg wie er real geführt wurde und wie er real endete, war die Grundlage des Zweiten.
So gut wie alle Historiker halten den Friedensvertrag von Versailles für einen Schlüsselaspekt beim Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Das ist eine nicht ganz falsche These, wenn auch stark vereinfachend.
Einen mindestens genauso großen Beitrag leistete ein weiteres Ergebnis des Ersten Weltkriegs: Die Oktoberrevolution von 1917 in Russland und die Entstehung der Sowjetunion.
Dass sich weite Teile des Bürgertums in Europa vor sozialistischen oder gar bolschewistischen Revolutionen fürchteten, war das Hauptfundament des Faschismus. In Italien wie später in Deutschland und Österreich ging es vor allem darum, von welcher politischen Kraft sich Industrie und Großgrundbesitzer sowie die Masse an Kleinunternehmern die effektivste Zerschlagung der Arbeiterbewegung erhofften. Das schloss die parlamentarischen Arbeiterparteien und Gewerkschaften mit ein. Dass die in der Krise nach Kriegsende wesentliche Verbesserungen für die Arbeiterschaft durchsetzen konnten, störte Konservativen, Nationalisten und auch viele Liberale erheblich.
Sie wollten demokratische und soziale Reformen rückgängig machen. In Österreich gab es für diese Bestrebungen der Bürgerlichen ein geflügeltes Wort: „Den revolutionären Schutt beseitigen“.
Einen wesentlichen Beitrag zum Aufstieg faschistischer Parteien und zum späteren Krieg leistete auch die territoriale Nachkriegsordnung – weit über den Friedensvertrag von Versailles hinaus.
In Europa setzte sich der Faschismus in den Ländern durch, deren bürgerliche Eliten sich bei der Nachkriegsordnung betrogen fühlten. In Italien herrschte das Gefühl vor, die Entente habe dem Land nicht genug für seine enormen Opfer im Krieg gegeben. In Deutschland fühlte man sich ohnehin betrogen, verraten und verkauft.
Ähnlich die Stimmung beim dritten entscheidenden späteren Verbündeten im Zweiten Weltkrieg, Japan – auch wenn sich dort keine faschistische Bewegung im engeren Sinn etablierte. Hier fühlte man sich mehrfach betrogen. Weder bekam die herrschende Klasse so viele Kolonialgebiete zugesprochen wie erhofft, noch anerkannten die anderen Siegermächte des Ersten Weltkriegs Japan als gleichwertige Großmacht an.
Das stärkte die ohnehin vorhandenen expansionistischen Kräfte in Armee, Marine und Gesellschaft, und ließ sie sich ganz klassisch revanchistisch als Opfer fühlen.
Hätte es nicht diesen Ersten Weltkrieg gegeben sondern einen anderen, wer weiß, ob es jemals eine Sowjetunion gegeben hätte, wer weiß, ob es jemals faschistische Parteien gegeben hätte. Daraus abgeleitet: Wer weiß, ob es jemals einen Zweiten Weltkrieg gegeben hätte.
Sarajevos Zweite Blütezeit
Eng verbunden mit dieser Frage ist, ob es jemals ein sozialistisches Jugoslawien gegeben hätte. Dass Titos Partisanen – mit alliierter Unterstützung – Jugoslawien weitgehend selbstständig befreiten, war die wesentliche Voraussetzung für das Entstehen dieses Staates. (Siehe auch diesen Artikel aus dem Archiv.)

Es war dieser Staat, in dem Sarajevo seine zweite Blütephase erlebte.
Bosniens Hauptstadt wurde vergrößert wie nie. Die Stadtplaner bauten auf den Errungenschaften der Modernisierung und Expansion im kuk bzw kk-Staat auf und adaptierten teilweise die Pläne aus den Schubladen der früheren Behörden.
Die Zahl der Einwohner stieg von wahrscheinlich um die 100.000 nach Kriegsende auf mehr als 400.000 Einwohner 1991.

Sarajevo wurde nach Beograd zum zweiten kulturellen Zentrum Jugoslawiens. Aus der Hauptstadt der sozialistischen Republik Bosnien und Hercegovina kamen nahezu grotesk überproportional viele wichtige Bands: Indexi, Bijelo Dugme, Crvena Jabuka, Zabranjeno pušenje, Plavi orkestar. (Siehe auch diesen Artikel aus dem Archiv.)
Und dann wären noch die Olympischen Winterspiele 1984. Der goldene Moment in der Geschichte der Stadt. (Siehe diesen Artikel zur Feier des 40-jährigen Jubiläums im Jahr 2024.)
Hätte Gavrilo am 28. Juni 1914 danebengeschossen, wer weiß, ob es diese zweite Blütephase je gegeben hätte. Es sind zu viele Unbekannte in diesem alternativen Szenario.

Wie wäre die Geschichte in den 1990-ern verlaufen?
Ebenso offen bleibt die Frage, ob es ein Szenario gegeben hätte wie in den 1990-ern. Ein blutig zerfallendes Jugoslawien. Ein Sarajevo, das die Armee der Republika Srpska und bosnisch-serbische Milizen mit logistischer, politischer und finanzieller Unterstützung aus Beograd 1.425 Tage belagern. Um die 12.000 Tote in der Stadt. Um die 100.000 Tote im gesamten Zerfallskrieg Jugoslawiens.
Es waren der serbische und der kroatische Nationalismus, die den Staat Jugoslawien umbrachten. Dass beide ab den 1980-ern so Fuß fassen konnten, dass sie das Land zerstörten, ist ganz wesentlich ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs, mit dem Völkermord an Serben, Juden und Roma im „Unabhängigen Staat Kroatien“ (NDH), und des Umgangs mit den Kriegsverbrechen nach 1945.
Vielleicht wäre Jugoslawien ohne den Zweiten Weltkrieg nicht zerfallen. Vielleicht hätte es sich auch schon in den 1940-ern blutig zerrieben.
Solche alternativen Szenarien sollen freilich weniger allfällige nostalgische Schwärmereien befriedigen als den Blick schärfen, welche Umstände welche Entwicklungen auslösten, welche Entscheidungen zu welcher Geschichte führten.
Man kann etwa zurecht die Frage stellen, ob es dieser eine Sommertag war, der Sarajevos erste Blütephase jäh beendete. Der Sommertag, an dem Gravrilo nicht danebenschoss.

Was uns kontrafaktische Szenarien sagen
Auch wenn vor allem im deutschsprachigen Raum Gavrilo als der Verantwortliche des Ersten Weltkriegs gilt: Er hat ihn nicht ausgelöst.
Es waren die Herren Generäle, die Herren Diplomaten, und die Herren Minister, die in der Julikrise 1914 Entscheidungen trafen, die die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts entfachten.
Nicht ein 19-jähriger Gymnasiast ist für den Tod von 20 Millionen Menschen verantwortlich. Er war in diesem Drama tragischer Held. Nicht mehr, nicht weniger. Den Befund müssen ehrlicherweise auch jene teilen, die in ihm einen Terroristen sehen.
Die Generalstäbe und Kabinette vor allem in Wien und Berlin sind es.
Theobald von Bethmann Hollweg, Leopold Berchtold, Karl Stürgkh, István Tisza, Helmuth von Moltke, Franz Conrad von Hötzendorf. Franz Joseph Habsburg, Wilhelm Hohenzollern – das sind die Schuldigen.
In einem etwas geringeren Maße sind es die Angehörigen der Generalstäbe und Kabinette Frankreichs und Russlands.
Dass vor allem in Österreich und Deutschland Gavrilo Princip als der Schuldige herhalten muss, ist reine Ablenkung.
Auch der zweite Weltkrieg geht auf eine Serie an Fehlentscheidungen zurück. So sehr der bürgerliche Kampf gegen die europäische Arbeiterbewegung wie die Nachkriegsordnung samt dem Friedensvertrag von Versailles den Aufstieg des Faschismus erst ermöglichten, und mit ihm den späteren Weltkrieg – so sehr war beides nicht unausweichlich.
Alleine der Hochverratsprozess gegen Adolf Hitler nach dem gescheiterten Bürgerbräuputsch vom November 1923 bot genügend Möglichkeiten, den späteren Reichskanzler Adolf Hitler zu verhindern. Ohne auf die vielen Stellschrauben einzugehen, die nicht genutzt wurden, kann man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen: Die NSDAP wäre nicht an die Macht gekommen, hätte man sie genutzt.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Weimarer Republik nicht gescheitert wäre. Das bedeutet nicht einmal zwangsläufig, dass das Deutsche Reich in den 1930-ern nicht aufgerüstet und vielleicht sogar einen Krieg vom Zaun gebrochen hätte. Leute, die das wollten, gab es in den konservativen und nationalistischen Milieus der Weimarer Republik zuhauf, auch außerhalb der NSDAP.
Aber ziemlich sicher wäre viele anders passiert.
Titelfoto: Die Lateiner-Brücke über die Miljacka in Sarajevo. Sie liegt beim Schauplatz des Attentats auf Franz Ferdinand Habsburg.
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