Dass Österreich mit Norbert Hofer nur sehr knapp keinen rechtsradikalen Bundespräsidenten bekommen hat, hat weit über Österreich hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Auch Jovan Divjak, dem Verteidiger von Sarajevo während des Kriegs und Bildungsaktivisten, liegt das Wahlergebnis im Gespräch mit Balkan Stories im Magen.

„Wir haben 24 Stunden lang gezittert“, erzählt Jovan Divjak. Von Sonntagabend bis zum späten Nachmittag am Montag dieser Woche war nicht klar, ob der linksliberale Alexander van der Bellen oder FPÖ-Kandidat Norbert Hofer die Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten gewonnen hatte.

Van der Bellen setzte sich erst nach Auszählung der Wahlkarten durch und gewann die Wahl mit 30.000 Stimmen Vorsprung.

Während in Österreich die Erleichterung überwiegt, zeigt man sich im Ausland irritiert, dass mit Hofer der Kandidat einer Partei, die sich klar ausländerfeindlich und nationalistisch positioniert, beinahe die Hälfte der Stimmen bekommen hat.

„Trop droit“, sagt Divjak. „Zu rechts.“ Und: „Ich weiß zwar, dass der österreichische Bundespräsident nicht viel reale Macht hat. Aber er ist ein Symbol. Wenn der rechte Kandidat gewonnen hätte, wäre das ein schlimmes Signal für Europa gewesen.“

Hier spricht jemand, der solche Signale besser kennt, als ihm lieb ist.

Kampf für multiethnisches Bosnien

Der ethnische Serbe Divjak hat als General Sarajevo gegen jugoslawische Truppen und serbische Milizen verteidigt. Und stets auch die bosjnakisch-nationalistische Politik des damaligen bosnischen Präsidenten Alija Izetbegović kritisiert.

Vielen Bosniern aller Ethnien gilt er seitdem als Held. Serbische Nationalisten sehen ihn als Verräter.

Seit mehr als 20 Jahren hilft Divjak mit seiner Stiftung Obrazovanje Gradi BiH/Bildung baut BiH (Bosnien und Herzegovina) Kindern in seinem Heimatland, Schulen und Weiterbildungsprogramme zu besuchen und versucht, Kinder der verschiedenen bosnischen Ethnien zueinanderzubringen.

Er selbst sie sich als Bosnier ohne Wenn und Aber und nennt ein multiethnisches Bosnien als sein Ziel, das für ihn auch nur ein säkulares, überkonfessionelles, Land sein kann.

Divjak ist lautstarker und beständiger Kritiker der nationalistischen Strömungen in seiner Heimat.

Dass diese auch in der EU auf dem Vormarsch sind, bereitet ihm Sorge. Auch wenn die zentralen bosnischen Probleme seiner  Einschätzung nach nur in Bosnien gelöst werden können, erhoffen Divjak und viele andere sich von der EU Unterstützung und Vorbildwirkung. Beides ist mit dem Rechtsruck zahlreichen EU-Ländern gefährdet.

Ein ausführliches Portrait Divjaks und seiner Stiftung lest ihr demnächst auf Balkan Stories.