Die wahrscheinlich größte Feier des Dan Mladosti, des Tags der Jugend, im Cafe Tito musste dieses Jahr abgesagt werden. Die Bezirksverwaltung hat sie nach Angaben des Lokals verboten.

Es ist die traditionell größte Feier des Dan Mladosti, des Tags der Jugend im ehemaligen Jugoslawien: Selbst bei Regen feiern 1.000 Leute den offiziellen Geburtstag Titos und die sich darum rankende jugoslawische Tradition des Stafettenlaufs im Cafe Tito in Sarajevo, Feuerwerk inklusive.

Vergangenen Abend – nichts. Keine jungen Leute in Pionieruniformen, kein Konzert, vom Feuerwerk ganz zu schweigen. Ein Abend wie jeder andere im Cafe Tito. „Subota“, sagt ein Kellner, „Samstag“, und zuckt die Achseln. Dann gibt’s die Party.

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Auf Nachfrage wird klar: Keine Entscheidung des Lokals.  Die zuständige Bezirksbehörde in Sarajevo habe die Feier untersagt. Grund seien Beschwerden im Vorjahr gewesen. Man habe es als anstößig empfunden, dass die Feier am 25. Mai stattfinde (dem offiziellen Geburtstag Titos, Anm.) Dieser Tag sei der Jahrestag des Massakers in Tuzla vom 25. Mai 1995 mit 71 Toten.

Die Untersagung der Feier, so sie wie berichtet stattgefunden hat, erfolgt offenbar ungeachtet der Tatsache, dass sich der Dan Mladosti ideologisch genau gegen jede Art von Nationalismus richtet, auch gegen den serbischen, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für das Massaker von Tuzla verantwortlich ist.

Balkan Stories kann die Informationen des Lokals zu diesem Zeitpunkt weder bestätigen noch widerlegen. Der sehr gute Geschäftsgang beim Dan Mladosti macht es freilich unwahrscheinlich, dass die Feier im Cafe Tito aus ökonomischen Gründen verschoben wurde. Es entzieht sich der Kenntnis des Blogs, ob auch weitere Feiern des Dan Mladosti in Sarajevo untersagt wurden.

Titelbild:  Dan Mladosti im Cafe Tito 2016. Feste sehen anders aus.