In Beograd spielt sich eine Groteske um ein Wandgemälde ab, das den verurteilten Völkermorder Ratko Mladić zeigt. Eine Menschenrechtsorganisation hat bei der Polizei um Genehmigung gebeten, es übermalen zu dürfen. Die Polizei untersagte. Antifaschisten nahmen derweil die Sache in die eigene Hand.

Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass der Schlächter von Srebrenica seit Juli eine Hausmauer im Stadtzentrum von Serbiens Hauptstadt ziert.

Eine Gruppe namens Youth Initiative for Human Rights hat fast verschämt bei der Polizei um eine Genehmigung für eine Demonstration gebeten, bei der das Schanddenkmal übermalen werden soll.

Mal wollte sozusagen eine Bahnsteigkarte lösen, bevor man den Bahnsteig stürmt.

Dieser ordnungsinnige, preußische, Zugang zur Revolution, und sei sie noch so klein, machte wenig Eindruck auf die serbische Polizei.

Innenminister Aleksandar Vulin ließ die geplante Demonstration verbieten.

Die Begründung ist mindestens so bizarr wie der allerhöflichste Antrag auf die Bahnsteigkarte selbst.

Es sei zu befürchten, dass Gewalt von mehreren Seiten ausgehen werde, sagte Vulin in seiner öffentlichen Begründung.

Gewalttätige Mladić-Fans hat der oberste Chef von Serbiens Polizei offenbar schein eingepreist.

Der Mann ist übrigens Gründer und Vorsitzender der Sozialistischen Bewegung, des Pokret Socijalista. Der Name der Kleinpartei gilt allgemein als eher irreführend.

Der offizielle Webauftritt der Nationalistentruppe legt außerdem die Vermutung nahe, Vulin und allenfalls sein vielbeschäftigter Fotograf seien die einzigen Mitglieder.

Marko Milosavljević von der Youth Initiative for Human Rights hat angekündigt, vor dem Verwaltungsgerichtshof gegen das Verbot der Demo zu klagen.

Was schon mehr ist als der bloße Wunsch nach der Bahnsteigkarte für die Revolution.

Das Verfahren wird zeigen, wie unabhängig die Justiz in Serbien noch ist.

Behörden und die meisten Medien des Landes stehen weitgehend unter Kontrolle von Serbiens Präsident Aleksandar Vučić und seiner nationalkonservativen Partei SNP.

Beograder Antifaschisten haben unterdessen beschlossen, nicht auf die Bahnsteigkarte für die Revolution zu warten.

In einer nächtlichen Aktion haben sie das Mladić-Wandgemälde in der Ulica Njegoševa übermalt.

Das Ergebnis – siehe Titelbild.

Immerhin ein Anfang.

Titelfoto: zVg Antifašistički front 23. oktobar