Die Griechen machen’s vor: In Athen sind Zehntausende auf die Straße gegangen, um zu verhindern, dass Mazedonien einen Namen haben darf, in dem das Wort Mazedonien vorkommt. Das sollten wir als Aufruf verstehen, uns über die wichtigen Dinge zu streiten. Eine kleine Auswahl.

Die Slowenen müssen eine härtere Gangart gegen die Slowaken einschlagen.

Die wagen es, ihr Land Slovenska Republika zu nennen.

Das wird regelmäßig mit Republika Slovenija verwechselt, dem offiziellen Namen Sloweniens.

Dauernd müssen die Delegationen der beiden Länder bei internationalen Organisationen einander falsch adressierte Post zustellen.

Wenn die Slowaken beim Streiten sind, können sie sich gleich der Ungarn annehmen. Die verwenden im offiziellen Wappen das gleiche Doppelkreuz wie die Slowaken.

Nicht auszudenken, wenn die Ungarn den Euro kriegen. Dann ist das Ding auch auf den Geldmünzen und keiner kann mehr slowakische von ungarischen Euro unterscheiden. Das geht nicht.

Die Slowaken haben die besseren Karten

Die Slowaken haben in dem Spiel die besseren Karten: In Bratislava steht die Krönungskirche der ungarischen Könige.

Wer, wenn nicht die Slowaken, soll bestimmen dürfen, wer welches Kreuz verwendet?

Wenn man’s durchdenkt, könnten sich die Slowaken als Eigentümer der ungarischen Krönungskirche eigentlich gleich als die historischen Erben der ungarischen Könige verstehen. Und ganz Ungarn fordern.

Diskutabel wäre allenfalls, ob das ganze Ungarn vor den Grenzen von Trianon oder danach.

Die günstigste Gelegenheit, das ein für allemal zu regeln, hat man leider verpasst.

Slowenien, Ungarn und die Slowakei sind zeitgleich der EU beigetreten und konnten die Regelung dieser leidigen Affären leider nicht zum Beitrittskriterium machen.

Zieht euch warm an, Ukrainer!

Die Kroaten haben da bessere Karten. Sie können den Ukrainern klar machen, dass sie sich gefälligst umbenennen sollen, wenn sie je in die EU wollen.

In Kroatien gibt’s auch eine Region namens Krajina. Das bedeutet auch das Gleiche wie Ukraine: Grenze. Slawisch gesprochen wird dort auch. Man muss verhindern, dass die Ukrainer auf die Idee kommen, die Krajina für sich zu fordern.

Da könnten die Kroaten die Bosnier mit ins Boot holen: Auf der bosnischen Seite der Sava heißt die Krajina Bosanska Krajina. Man hätte endlich einmal ein gemeinsames Anliegen.

Kansas City, Missouri, anyone?

Ähnlich Bedeutendes könnte den längst überfälligen Zweiten Amerikanischen Bürgerkrieg auslösen.

Kansas City, Missouri? Gibt’s eine größere Beleidigung für die glorreichen Einwohner des US-Bundesstaats Kansas?

Übrigens sollte es Österreich zur Bedingung für alle weiteren Handelsabkommen zwischen den USA und der EU machen, dass sich endlich diese hässlichen amerikanischen Kleinstädte namens Vienna umbenennen. Das sind mindestens 17.

Das schadet dem Tourismus nach Wien. Und man weiß nie, welche Territorialforderungen amerikanische Hinterwäldler aus dem Hut zaubern.

Ein albanisch-serbisch-montegrinischer Dreier

Einen flotten Versöhnungsdreier können die Albaner, die Serben und die Montenegriner schieben, wenn sie sich endlich geeinigt haben, wer das Copyright auf zweiköpfige Adler im Staatswappen besitzt.

Die drei streiten eh zu wenig.

Ins Gehege kommen könnten ihnen die Russen. Die haben auch einen doppelköpfigen Adler. Aber die wollen nicht in die EU. Andererseits: Sie haben Atomwaffen.

Die wahre Bedrohung

Wenn wir wieder am Balkan sind: Da gibt es ein bislang unerkanntes Problem, das Österreich dringend lösen muss.

Das ist die Kleinstadt Kakanj zwischen Zenica und Visoko.

Der Name erinnert stark an Kakanien.

Für alle Nicht-Österreicher und sonstigen bedauernswerten Kreaturen: Das ist der Name, den der Schriftsteller Robert Musil der österreichisch-ungarischen Monarchie gegeben hat.

Er leitet sich ab vom Kürzel k und k, das in der österreichischen Hälfte der Doppelmonarchie gebräuchlich war.

Kakanj – Kakanien. Das klingt zu ähnlich, um Zufall zu sein. Zumal die Stadt in der Zeit gegründet wurde, als Bosnien von Österreich besetzt war.

Und es gibt ein paar Irre in Bosnien, die der Meinung sind, ihnen ging’s nie so gut wie in österreichisch-ungarischen Zeiten.

Die könnten Kakanj zur Hauptstadt einer wiederzuerrichtenden Donaumonarchie machen wollen. Viel größer könnte eine Territorialforderung nicht sein. Das muss im Keim erstickt werden.

New York, NL

Wer weiß, vielleicht kommen vor lauter Streiten die Niederländer auf die Idee, New York zurückzufordern. Das haben ihnen seinerzeit die Briten abgepresst.

In der gegenwärtigen politischen Polarisierung in den USA würde eine Volksabstimmung über die Rückkehr zu den Niederlanden in New York vermutlich sogar positiv ausgehen.

Nur beim Namen werden die Niederländer den New Yorkern vermutlich entgegenkommen müssen.

Und wenn wir schon beim Grundsätzlichen sind: Es ist Zeit, dass die Franzosen den Belgiern klarmachen, dass das, was die Wallonen viel ist, aber kein Französisch.

Diese Glosse ist auch als Podcast erschienen.