Das Corona-Virus setzt einen US-Amerikaner in einer kleinen albanischen Küstenstadt fest. Dort trifft er auf einen namenlosen Einheimischen. Was nach einer Filmidee klingt, ist eine wahre Geschichte. Die sich gerade jetzt in Ksamil abspielt.

Vor ein paar Tagen wusste Daniel Jones nicht weiter.

Er würde in Ksamil feststecken. Auf unbestimmte Zeit.

Wegen der Corona-Pandemie waren alle Busverbindungen aus der albanischen Küstenstadt eingestellt worden.

Und das gesamte öffentliche Leben runtergefahren.

Da trifft er jemanden, den er vom Sehen kennt.

Einen Albaner, dessen Namen er nicht kennt.

„Ich weiß immer noch nicht wie er heißt“, sagt Daniel über seinen Gastgeber. „Wir nennen uns eigentlich immer Bro und Man“.

„Ich glaub, er kennt auch meinen Namen nicht. Jetzt kennen wir uns aber schon so lange, dass es uns peinlich ist, zu fragen.“

Wer braucht schon Namen, wenn er einem Fremden in einer Notsituation helfen kann?

Ein Albaner, der etwas auf sich hält, jedenfalls nicht. Gastfreundlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil albanischer Kultur.

Und die albanische Mama.

Öffentliches Leben steht still

Sonst gibt es auch nicht viel zu tun im Ort.

Das war vermutlich vor Corona schon so.

Ksamil ist eine Kleinstadt mit 3.000 oder knapp 8.000 Einwohnern, je nachdem, wenn man fragt.

Die Stadt an Albaniens südlicher Adriaküste lebt heute vom Tourismus. Und der ist Mitte März nicht so besonders.

„Ich bin der einzige Ausländer hier“, sagt Daniel.

Wegen Covid-19 haben nur Supermärkte offen. Cafes sind geschlossen.

„Leider kann ich mich nur schlecht mit den Leuten unterhalten. Es gibt hier nicht viele, die gut Englisch können“, schildert der 29-jährige US-Amerikaner.

Mindestens noch eine Woche wird der Zustand dauern.

„Ich hoffe, dass ich bis dahin etwas finde, wo ich mithelfen kann“.

Ein Reisender mit Bedacht

Unterwegs ist Daniel, geboren und aufgewachsen in Los Angeles, seit Mai 2019.

Er will per Anhalter von Frankreich nach Vietnam reisen.

Eilig hat er es nicht.

„Wenn es mir wo gefällt, bleibe ich gerne länger.“

Von Frankreich ist er über Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien, den Kosovo und Montenegro bisher nur nach Albanien gekommen.

Das Anhalten biete ihm die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen wie es normale Reisende kaum könnten.

Das dokumentiert Daniel auch auf seinem Youtube-Kanal Thumb Life und auf seinem gleichnamigen Instagram-Kanal.

Auf beiden stellt er das vor, was man im Englischen als „off the beaten path“ bezeichnet: Die Ecken, Nischen, Skurrilitäten, die man in Reiseführern kaum findet.

Und geht auf kulturelle Besonderheiten ein, die auch Balkan Stories bislang verborgen geblieben sind.

Reisen sei seine Leidenschaft, erzählt Daniel.

Wann, wenn nicht jetzt?

Bis vor zehn Monaten hat er zuhause Solaranlagen verkauft. Und für seinen Traum, per Anhalter von Frankreich nach Vietnam zu kommen, alles hingeschmissen.

„Jetzt bin ich noch jung. Wann soll ich das machen, wenn nicht jetzt?“

Langfristig hofft Daniel, von seinen Videos leben zu können.

Von den meisten Reiseblogs unterscheiden sie sich durch Tiefe und dadurch, dass auch die Einheimischen zu Wort kommen.

„Vielleicht hab ich hier eine Nische gefunden“, zeigt sich Daniel optimistisch.

Sicher ist, über Albanien wird er eine Geschichte erzählen können wie wenige Menschen vor ihm.

Egal, wie lange ihn Corona hier festsetzt.

Übrigens, Daniel ist nicht der Einzige, an dem Albanien dieser Tage Größe beweist.

Das Land wird 30.000 Flüchtlinge aufnehmen, von denen der Großteil an der griechisch-türkischen Grenze festsitzt.

Damit macht eines der ärmsten Länder Europas etwas, was die EU nicht zustande gebracht hat.

Faleminderit, Shqiperi!

Daniels Abenteuern könnt ihr hier folgen:

YOUTUBE: THUMB LIFE
INSTAGRAM: _THUMBLIFE

Titelfoto: (c) Daniel Jones