Der Zagreber Gemeinderat hat den Trg maršala Tita, den Marschall-Tito-Platz, umbenannt. Das geschah vor allem auf Druck neofaschistischer Aktivisten und Politiker. Die Umbenennung ist Ausdruck der revisionistischen Staatsdoktrin der regierenden konservativen HDZ.

Er hat eine Schlüsselrolle gespielt bei dem Manöver, das die jugoslawische Geschichte und vor allem den Antifaschismus aus dem Stadtbild von Zagreb verbannen soll: Zlatko Hasanbegović, ehemaliger Kulturminister der konservativen HDZ, mittlerweile Renegat und offener Neofaschist.

Während seiner Amtszeit hat Hasanbegović die Niederlage der Ustaša gegen die Tito-Partisanen im Zweiten Weltkrieg als „die größte Tragödie der kroatischen Geschichte“ bezeichnet.

In seiner Jugend war Hasanbegović Aktivist bei neofaschistischen Gruppierungen. Fotos zeigen ihn mit Ustaša-Kappe. Er streitet sein Engagement bis heute ab.

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Photo: (c) Novosti

Der rabiate Neofaschist arbeitet seit Jahren auf die Auslöschung Titos in Kroatien hin. Unterstützung bekommt er nicht nur von offenen Neo-Ustaša-Bewegungen und nationalistisch-klerikalen Kreisen sondern auch von seiner ehemaligen Partei HDZ.

Mythos Bleiburg

Sie hat den Revisionismus zur Staatsdoktrin erhoben und ignoriert offen neofaschistische Umtriebe.

Gleichzeitig wird das Massaker an Ustaša-Kriegsgefangenen durch die Partisanen nach Kriegsende in der Gegend von Bleiburg zum nationalen Mythos.

Der bizarre Kult, der Jahr für Jahr Stelldichein europäischer Neonazis und Neofaschisten ist, nimmt ähnliche Dimensionen an wie der nationale serbische Mythos von der Schlacht am Kosovske Polje.

Begründen serbische Nationalisten gleichsam die serbische Nation auf der Niederlage gegen die Türken im Jahr 1389, stilisieren ihre kroatischen Pendants Bleiburg zum Gründungsmoment der modernen kroatischen Nation hoch.

Offizielle Proteste gibt es nicht. Das Bleiburger Treffen fand heuer sogar unter dem Ehrenschutz der kroatischen Regierung statt und mit offizieller österreichischer Unterstützung.

Keine Berührungsängste mit den Apologeten des Faschismus

Wenn der Völkermord der Ustaša an Serben, Juden und Roma im Zweiten Weltkrieg relativiert wird, drückt die HDZ gerne ein Auge zu.

Dem Terrorregime des Ante Pavelić fielen 750.000 Menschen zum Opfer.

Mit den Apologeten des Ustaša-Regimes zeigt die Partei keine Berührungsängste.

Im Vorjahr ließ sich die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović vor einer Ustaša-Fahne fotografieren.

Im August machte sie bei ihrem Staatsbesuch in Australien auch im Hrvatski Dom in Melbourne Halt.

Im großzügigen Heim des kroatischen Fußballklubs A.H.D. steht gleich im Foyer eine Statue von Ante Pavelić.

Bilder des Schlächters vom Balkan hängen offen im Hauptraum. Bis vor wenigen Jahren war das Haus sogar nach ihm benannt.

Der Verein verwendet nach wie vor die Ustaša-Fahne.

Grabar-Kitarović kam kein Wort der Kritik über die Lippen.

Der Kolloborateur als Märtyrer

Toleriert wird auch der Kult um den Zagreber Erzbischof Alojzije Stepinac.

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Dieses Optiker-Geschäft neben der Zagreber Kathedrale ist nach Stepinac benannt.

Der spätere Kardinal war Unterstützer des Ustaša-Regimes und distanzierte sich erst spät vom Völkermord.

Das konservative Kroatien stilisiert ihn zum Märtyrer des Kommunismus hoch. Stepinac war nach dem Krieg in einem nicht unumstrittenen Prozess wegen Kollaboration zu lebenslangem Hausarrest verurteilt worden.

Der Papst ernannte ihn in dieser Zeit zum Kardinal. Die Erhöhung der Position sollte seine Opferrolle vergrößern.

Täter-Opfer-Umkehr

Dass die Stadt Zagreb den Trg maršala Tita umbenennt, ist Fortsetzung wie Höhepunkt der revisionistischen Staatsdoktrin der HDZ – bequemerweise inszeniert von jemandem, der noch weiter rechts steht.

Der Akt stilisiert implizit die Ustaša zu den eigentlichen Opfern Jugoslawiens.

Die Umbenennung ist auch Verrat an den hunderttausenden Kroaten, die im Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen den Faschismus leisteten.

Sie ist Verrat auch an den zehntausenden kroatischen Opfern des faschistischen Regimes.

Sie ist Verrat an den Kroaten, die sich heute aktiv gegen Faschismus engagieren.

Sie ist Verrat an jeglichem antifaschistischen Erbe Kroatiens.

Und sie gibt den Neofaschisten wie Hasanbegović Auftrieb.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, dass der Platz der Opfer des Faschismus in Zagreb ebenfalls umbenannt wird.

Und dass Kroatien noch weiter nach rechts kippt.

Der Heilige Georg wird überleben

Die Umbenennung überleben wird vermutlich diese Statue des Heiligen Georg.

Es ist eine der seltenen Darstellungen mit Schwert statt mit Lanze.

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Das ist insofern kurios, als der Heilige Georg der orthodoxen Kirche als Schutzpatron Serbiens gilt.