Der Protest der Sarajevoer Gruppe „Jedan grad, jedna borba“ gegen die Kommerzialisierung der Vijećnica und die Aussperrung der Nationalbibliothek aus dem symbolträchtigen Gebäude findet auch in Wien Sympathien. Sechs Autorinnen und Autoren wollen mit einer Lesung in zwei Wochen auf die Causa aufmerksam machen und dafür demonstrieren, dass Kultur und Wissen überall öffentlich zugänglich sein sollen.

Sie sind sechs Menschen, die die Wiener Literatur in ihrer Breite und Vielfalt wiederspiegeln. Sie sind sechs Menschen, die auf ihre Art Menschen eine Stimme geben wollen, die sonst nicht oder kaum gehört werden.

Das wollen sie auch mit der Lesung #euerhaus #vašakuća am 18. März auf der Treppe der Wiener Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz. Sie lesen aus ihren Werken um für das Engagement der Sarajevoer Protestgruppe Jedan grad, jedna borba Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Gruppe kämpft dagegen, dass die Stadtverwaltung in Sarajevo die Vijećnica unter rechtlich fragwürdigen Bedingungen unter Beschlag genommen hat und sie gegen Geld vermietet, während die Räume ungenutzt bleiben. Die bosnische Nationalbibliothek, deren Sitz das Gebäude war, bis es nach einem Granatenbeschuss 1992 ausbrannte, darf das Gebäude nicht benutzen.

Und es sind kämpferische Autorinnen und Autoren, die sich in Wien dafür einsetzen, dass Jedan grad, jedna borba gehört wird und dass Kultur und Wissen öffentlich zugänglich sein müssen – ob in Wien oder in Sarajevo:

Isolde und Hans Christian Cars
und meine Wenigkeit, Christoph Baumgarten

Die Autorinnen und Autoren

Olja und Barbi braucht man wohl nicht mehr großartig vorzustellen. Sie zählen zu Recht zu den bekannteren Autorinnen ihrer Generation.

Olja hat nicht nur mit ihren journalistischen Arbeiten Aufmerksamkeit erregt sondern auch mit ihrem literarischen Erstling Kein Meer, der auch hier schon vorgestellt wurde.

Barbis Roman „Superheldinnen“ ist mit Literaturpreis Alpha ausgezeichnet worden. Die Bühnenversion ist aktuell am Wiener Volkstheater zu sehen.

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Isolde und Hans Christian haben vor kurzem die deutschsprachige Version der unglaublichen Geschichte ihrer Liebe vorgestellt, die nur mit einer abenteuerlichen Flucht über den Eisernen Vorhang wahr werden konnte.
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Gerhard ist ein – aus meiner Sicht – zu Unrecht eher unbekannter Wiener Autor.

Er analysiert in seinen Werken mit genauer Beobachtungsgabe und präziser Sprache den Alltag in seinem heimatlichen Arbeiterbezirk Ottakring und die Veränderungen, die dieser in den vergangenen Jahren durchgemacht hat.

Wir kommen aus halb Europa

Mit Ausnahme von Gerhard sind wir alle außerhalb Wiens geboren und mit Ausnahme Gerhards und mir auch alle außerhalb dieses Landes.

Oljas und Barbis Heimat hieß bei ihrer Geburt Jugoslawien. Seitdem hat es viele Namen und noch mehr Probleme.

Isoldes Geburtsort liegt heute in Polen, aufgewachsen ist sie in der DDR. Mit Hans Christians Hilfes flüchtete sie über die Tschechoslowakei und Österreich in die BRD und lebte seitdem in Hans Christians Heimat Schweden und in Wien.

Je nach Geschmack und Zählart kommen wir also aus vier bis sieben Ländern.

Mit dieser Mischung repräsentieren wir das moderne Wien: Vielfältig und bunt, kämpferisch und witzig.

Beginn am 18.3. um 12:00 Uhr

#euerhaus #vašakuća beginnt am 18. 3. um 12:00 Uhr auf den Stufen der Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz. Bei Schlechtwetter verlegen wir die Lesung auf den Urban-Loritz-Platz.

Mit dieser Solidaritätslesung unterstützen wir ausdrücklich keine politische Partei Bosniens sondern die Menschen von Sarajevo und protestieren gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums, egal, wo sie stattfindet.

Unterstützt wird die Veranstaltung von der in Wien lebenden und in Ljubljana geborenen Fotografin Maja Bačer.

Wir bedanken uns bei den Büchereien der Stadt Wien für die freundliche Genehmigung, die Lesung vor der Hauptbücherei veranstalten zu dürfen.