Janez Cetin führt seinen Laufvogel, den Nandu Nande, über den Zentralmarkt in Ljubljana.

Janez hat einen großen Vogel

Janez Cetin aus Škofelj ist ein beliebtes Original in seiner Heimat. Mit seinem Vogel Nande ist er zu einem heimlichen Botschafter Sloweniens geworden. Diplomatische Krisen inklusive.

Du warst nicht in Ljubljana, wenn du nicht Janez und Nande gesehen hast. „Er schaut regelmäßig am Markt vorbei“, wird mir Pia später erklären. Die Journalistin und Kulturkritikerin lebt in der slowenischen Hauptstadt.

Ganz selbstverständlich flaniert Janez mit seinem Nandu an diesem Wochenende am Zentralmarkt gleich bei der Ljubljanica, und kauft Gemüse für Nande und Nina. Nina ist Nandes Frau. Sofern man solche Beziehungsbeschreibungen auf die südamerikanischen Laufvögel anwenden kann.

Der Nandu namens Nande hat statt einer Leine ein rotes Halstuch. „Sicher, er kann schnell laufen, wenn er will. Aber er ist gerne bei mir, und er hört auf seinen Namen und auf Kommandos“, beschreibt er, warum er keine Angst hat, dass Nande wegläuft. „Aufpassen tue ich natürlich trotzdem“.

Ein Mann in einem roten Hoodie geht mit einem Strauß, der ein rotes Halstuch trägt, auf einem Markt entlang. Im Hintergrund sind andere Menschen und Marktstände zu sehen.

Manchmal will Nande auch vorausgehen. Will er eine andere Richtung einschlagen als Janez, bringt ihn der mit einem Schubser auf den richtigen Weg. Die fallen robuster aus als man es bei einem Hund in der gleichen Gewichtsklasse machen würde. Ein Nandu hat ein dichtes Federkleid. Damit er etwas spürt, braucht es ein wenig Kraft.

Alle lieben Nande

Seit Jahren kommen die zwei Woche für Woche auf den Grünen Markt. Meistens am Wochenende, wie an diesem Samstag.

Für die Standlerinnen und Standler sind Nande und Janez zu einer liebgewordenen Kuriosität geworden.

Für Nande hat das den Vorteil, dass er Salatblätter fressen kann, so viel er will.

Ein Strauß, der ein rotes Halstuch trägt, geht auf einer Straße entlang und hält ein grünes Blatt im Schnabel.

Besucher reagieren interessiert bis begeistert.

Ein lebendiger Strauß steht auf einem Markt und schaut nach Gemüse, während Passanten um ihn herum schlendern.

Sofern man die Körpersprache dieser Laufvögel als Außenstehender interpretieren kann, scheint Nande entspannt zu sein.

Nandus leben in Gruppen von bis zu 60 Exemplaren zusammen. Eine gewisse Sozialverträglichkeit ist ihnen buchstäblich angeboren. Sie gelten als menschenfreundlich.

Nande hat den Ruf, kinderlieb zu sein.

Dass er für Kinder sehr interessant ist, ist naheliegend.

Andererseits ist so ein Nandu auch nicht das kleinste Tier. Das kann Kinder einschüchtern, und wenn er noch so lieb sein will. Man kennt das von Hunden.

Vor Letzteren fürchtet sich Nande nicht, sagt Janez. Eher umgekehrt. Wenngleich die Hunde, die heute auf der Osrednja ljubljanska tržnica unterwegs sind, kein gesteigertes Interesse an dem Vertreter der südamerikanischen Laufvögel bekunden. Vielleicht kennen sie ihn schon.

Švabo ist Švabo. Fast überall.

Nicht überall sieht man es so locker, dass Janez mit Nande durch die Innenstadt spaziert.

Ein Emu mit rotem Halstuch steht auf einem Markt und beobachtet einen Mann in einem roten Mantel, der mit einer blauen Tüte beschäftigt ist.

Mit Nande, und fallweise mit Nandes Frau Nina, besucht der Bauer aus Škofelj ganz Europa.

In München beschlagnahmte die Polizei Nande vor dreieinhalb Jahren umstandslos. Der Vogel werde nicht artgerecht gehalten. Es fehle an Dokumenten.

Slowenische Medien schäumten. Von einem „internationalen Skandal“ schrieb etwa Slovenske Novice, und forderte unverhohlen diplomatische Konsequenzen. Die gab es auch. Das slowenische Konsulat intervenierte beim Veterinäramt. Eine Münchner Tierärztin ließ Nande zu Janez zurückkehren. Zu dem Zeitpunkt hatte der Zwischenfall auch das slowenische Außenministerium aktiv werden lassen.

Dass eine Münchner Tierärztin Nande nach wenigen Stunden zu Janez zurückkehren ließ, könnte knapp hektisches Treiben in Sloweniens Konsulat und diplomatische Protestnoten verhindert haben.

Auch in Wien steht man entgegen einem in Deutschland gängigen Stereotyp auf Regeln.

Diesmal war Janez mit Nina auf Urlaub. Die Wiener Polizei stieß sich ebenfalls an einer aus ihrer Sicht nicht artgerechten Haltung. Man ging es kulanter an als die Münchner Kollegen. Nina durfte bei Janez bleiben. Die zwei bekamen eine Polizeieskorte zurück nach Slowenien.

Regel ist Regel. Švabo ist Švabo. In deutschsprachigen Landen ist man in der Hinsicht humorbefreit.

Oder fast überall. In Luxemburg fuhr Nande Straßenbahn. Alle freuten sich. Polizisten machen Selfies. Švabo hin oder her.

Sloweniens heimliche Botschafter

Auch andernorts sind die Urlaube reibungsfrei. Die damalige serbische Handelsministerin Tatjana Matić ließ ein offizielles Pressefoto mit dem gefederten Botschafter machen. Der war während seines Besuches zum Liebling der Beograder avanciert.

Auch in Brüssel hellten Nande und Janez die Stimmung auf.

Man kann es als sanfte Diplomatie bezeichnen, was Janez mit seinen Nandus betreibt. Es geht ihm nicht nur darum, den Vögeln Europa zu zeigen. Sie sind auch ein wenig gedacht als inoffizielle Botschafter Sloweniens und als Erinnerung, dass es mehr gibt im Leben als Arbeit und Geld.

Ein Mann mit grauen Haaren und rotem Sweatshirt steht auf einem Markt und füttert einen Emu mit frischem Gemüse. Um ihn herum sind Verkaufsstände mit verschiedenen Gemüsesorten und Menschen, die einkaufen.
Das sieht gefährlicher aus als es ist. Janez hat sich nur den Rucksack gerichtet.

„Ich will mit diesen Besuchen Menschen einander näherbringen, und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt Janez in Interviews.

Warum Janez einen großen Vogel hat

Das hat auch viel mit seinen eigenen Erfahrungen zu tun.

Nach einer Erkrankung vor wenigen Jahren zog der heute 63-Jährige sich auf seine Farm in der Nähe von Ljubljana zurück und begann, Nandus zu halten. Er brauchte viel mehr Bewegung, um wieder gesund zu werden, und die südamerikanischen Laufvögel hielten und halten ihn auf Trab.

Seine Nandus bezeichnet er gerne als seine Therapeuten. Sie würden ihm helfen, mit seinen gesundheitlichen Problemen zurechtzukommen – weit über die zusätzliche Bewegung hinaus. Auch diese Botschaft will er mit seinen Reisen verbreiten – und mit seinen regelmäßigen Besuchen im Stadtzentrum von Ljubljana.

Augenscheinlich gelingt ihm das.

Unterstützung: Pia Nikolič

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