Meničanin: „Stehe zu meiner Überzeugung“

„Ich stehe zu meiner Überzeugung“. Diese Botschaft hat Velimir Meničanin für Balkan Stories. Die kroatische Polizei hatte ihm am Dan Republike die jugoslawische Fahne konfisziert, die er vor seinem Haus in Jakšič im Bezirk Požega in Slawonien gehisst hatte. Er rechnet damit, dass er eine Strafe bezahlen muss.

Velimir Meničanin macht sich wenig Illusionen, was ihm in den nächsten Wochen bevorstehen wird.

Laut Polizei wird er in vier Wochen bis spätestens in drei Monaten einen Gerichtstermin haben. Wegen eines Verstoßes gegen das „Gesetz gegen Ordnungswidrigkeiten wegen Verletzung der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Friedens“. (Balkan Stories berichtete.)

Dort wird er wohl zu einer Geldstrafe verdonnert, meint er. 50 bis 200 Deutsche Mark macht die laut Gesetz aus. Es stammt aus den frühen 90-ern und wird so selten angewandt, dass nicht einmal die Strafe an die Landeswährung angepasst wurde.

„Ich werde die Strafe bezahlen“, sagt Velimir gegenüber Balkan Stories. „Ich stehe zu meiner Überzeugung, und ich lasse mich von keiner Strafe davon abbringen.“

Seine Überzeugung: Dass Jugoslawien ein gutes Land war, und dass man seinen Geburtstag, den Dan Republike, feiern sollte. Velimir hisste wie jedes Jahr eine jugoslawische Fahne. Vor seinem eigenen Haus.

In Kroatien ist das nicht verboten.

Was mindestens einen Bewohner von Velimirs Heimatgemeinde Jakšič nicht davon abhielt, sich von dieser legalen Handlung „in seinen moralischen Gefühlen“ verletzt zu sehen und die Polizei zu verständigen.

„Einigkeit und Brüderlichkeit gibt es nicht mehr“

„Es war sicher keiner meiner Nachbarn“, sagt Velimir. Die kenne er gut. Aber es gebe im Ort genügend Menschen, die offen mit den Ustaša des Zweiten Weltkriegs sympathisieren.

Gleichzeitig hat sich nach Velimirs Angaben seit dem Vorfall auch keiner der Nachbarn mit ihm in Verbindung gesetzt – etwa, um zu fragen, wie es ihm gehe.

Das wäre angesichts der landesweiten Aufregung, die der Polizeieinsatz verursacht hat, eine naheliegende Reaktion gewesen.

„Ich kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen“, sagt Velimir im Chat. „Sie haben Angst vor der Polizei und vor einer Politik, die überhaupt nichts gegen die Umtriebe der Ustaša macht. Die Einigkeit und Brüderlichkeit, mit der ich aufgewachsen bin, die gibt es leider nicht mehr.“

Ustaša werden geduldet, Jugoslawismus unterdrückt

Dass das Vorgehen der Polizei höchstwahrscheinlich illegal war, sei ihm klar, sagt Velimir. Diese Meinung haben auch mehrere Juristen in kroatischen Medien geäußert.

Dass sich irgendjemand in seinen „moralischen Gefühlen“ verletzt fühle, sei an sich keine Störung der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Friedens. Zumal wenn eine Handlung rechtlich erlaubt ist.

Die verantwortlichen Polizisten nimmt Velimir gegenüber Balkan Stories dennoch in Schutz. „Sie haben nur ihre Pflicht getan. Sie können nichts für die Aufträge, die sie von oben bekommen. das ist ein Land, in dem die Ustaša geduldet werden und der Jugoslawismus unterdrückt werden soll.“

In anderen Worten: Der Fisch fängt beim Kopf zu Stinken an.

Das ist in Kroatien nicht von der Hand zu weisen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen hat dort auf nationaler Ebene seit der Unabhängigkeit die klerikalnationalistische HDZ das Sagen.

Deren rechte Ränder sind seit Gründung der Partei nur schwer von den Neo-Ustaša abzugrenzen.

Die neu erstarkte katholische Kirche kann mit beiden gut leben.

Gemeinsam hat man auch die Medienmacht im Rücken – und kann so das weltoffene und antifaschistische Lager in Kroatien weitgehend neutralisieren, das fast gleich stark ist wie das klerikalnationalistische.

Im Wesentlichen ähnlich, in den Details freilich sehr unterschiedlich, laufen die Prozesse in Serbien ab (Details siehe HIER).

Gescheiterte Demokratisierungsprozesse, so weit das Auge reicht.

Die Rechnung zahlen die Bewohner der Staaten.

Wie Velimir, dem eine Geldstrafe für eine völlig legale Handlung droht.

Und der sich täglich damit auseinandersetzen muss, dass Ustaša-Flaggen und Ustaša-Us keine Folgen für die Verantwortlichen haben.

Titelfoto: (c) Velimir Meničanin, mit freundlicher Genehmigung

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