Bosniens Sommertraum: Was bleibt, ist die Freude

Auch nach dem Ausscheiden des bosnischen Fußballnationalteams bei der Fußball-WM feiern Fans auf der ganzen Welt, dass es die Zmajevi auf die Weltbühne geschafft haben. Einen Beitrag, den bosnischen Sommertraum in den Herzen am Leben zu erhalten, leistet Henry aus Mannheim. Er hat mit einem Video Hunderttausende erreicht und begeistert.

Dass der Pomchi Henry mit sechs Jahren zum internationalen Star wird, hätte sich seine Besitzerin Jelena Kaloperović vielleicht nicht träumen lassen – auch wenn schon davor hunderttausende Menschen den Abenteuern des Pommeraner-Chihuaha-Mischling gefolgt waren.

Mit einem kurzen Video ließ Jelena Henry das bosnische Fußball-Nationalteam zur heimlichen Fußballhymne des Landes feiern: „I am from Bosnia, take me to America“.

Fast 700.000-mal wurde das Video bislang aufgerufen.

So viel Liebe, so viel Aufmerksamkeit

Und man versteht die Begeisterung. So viel Liebe, so viel Aufmerksamkeit, wie in diesem Clip steckt, das ist alles als selbstverständlich.

„Den Sound „I am from Bosnia, take me to America“ kannte ich schon länger von TikTok und hatte ihn mir gespeichert, weil ich ihn sofort lustig und irgendwie besonders fand. Ich wollte schon länger etwas damit machen“, erzählt Jelena gegenüber Balkan Stories. „Als dann die Fußball-WM kam und Bosnien dabei war, kam das Thema für mich wie gerufen. Der Song war plötzlich überall in der Community präsent, viele kannten ihn, sangen ihn mit oder nutzten ihn selbst für Videos. Dazu kommt, dass mein Vater aus Bosnien kommt, deshalb hatte der Sound für mich auch persönlich nochmal eine besondere Verbindung.

Die konkrete Idee für Henrys Video entstand dann aber ganz spontan. Die kleine Kaffekanne, das Flugticket und der Koffer kamen mir in dem Moment als lustige Details in den Sinn. Die Kaffekanne passte für mich auch sehr gut zu diesem Bosnien-/Balkan-Gefühl, weil diese Art Kaffee bei uns zu Hause ganz normal dazugehört und meine Mutter ihn täglich trinkt. Sie musste selbst sehr darüber lachen, als sie die Kaffekanne im Video gesehen hat. Genau solche kleinen Details haben das Video am Ende für viele Menschen wiedererkennbar und besonders gemacht.“

Und diese Details haben Menschen nicht nur aus der ex-jugoslawischen Dijaspora zusammengebracht. Der Erfolg von Henrys Auftritt sagt viel aus, wie sehr die Begeisterung um die WM-Teilnahme der Zmajevi durch das gesamte ehemalige Jugoslawien ging.

So berichtete etwa auch die serbische Zeitung Telegraf ausführlich über Henrys jüngstes Abenteuer.

Es gibt sie, diese schönen Momente, in denen Jugoslawien zumindest in gewisser Weise noch lebt, in denen die Menschen in den Nachfolgestaaten das Gemeinsame entdecken und feiern – und Henry steht für einen dieser Momente.

Was man übrigens auch an dem Umstand sieht, dass Jelenas Familie mütterlicherseits aus Provo bei Šabac kommt. Für Jelena und ihre Schwester Biljana, beide in Deutschland geboren, ist das Dorf bis heute ein geliebtes Stück Heimat.

In anderen Worten: Ein deutscher Avlijaner und seine deutsch-serbische Besitzerin sind zu zwei der größten Fans der Zmajevi geworden.

Mali je svijet

Natürlich ist das nicht die einzige Jugo-Verbindung in Henrys Leben. Seine Groomerin ist bosnische Kroatin, erzählt Jelena. Eine Groomerin, das ist sozusagen eine Hundekosmetikerin. „Er geht seit seinen Welpentagen ausschließlich zu ihr. Auch seine Schneiderin, die für die Hunde manchmal kleine Kleidungsstücke anpasst, hat diesen Bezug. Aus beiden Kontakten sind mit der Zeit richtige Freundschaften geworden. Ein Freund der Familie aus Bosnien hat uns im letzten Jahr in Henrys Hundezimmer Sonnenschutzfolie angebracht, damit es für Henry, Hugo und Willy an heißen Sommertagen angenehmer bleibt.“

Hugo und Willy sind Henrys Hundekollegen.

Henry, Hugo und Willy

Mali je svijet. Die Welt ist klein.

Jelena steckt viel Zeit und Liebe in Henrys Instagram-Auftritt. Mehr als 200.000 Menschen folgen regelmäßig seinen Abenteuern. Petfluencer nennt man das, eine Kombination aus Pet und Influencer. Geplant war das nicht. „Die Idee, Henry zum Petfluencer zu machen, gab es am Anfang überhaupt nicht. Ich hatte sein Instagram-Profil schon erstellt, als Henry noch bei seiner Züchterin war. Einfach aus Vorfreude und Liebe zu ihm. Ehrlich gesagt hatte ich damals noch nie wirklich etwas von Petfluencern gehört und hatte auch keinen Plan, dass daraus einmal etwas Größeres entstehen könnte“, erzählt Jelena. „Ich habe einfach Momente geteilt, die mir selbst Freude gemacht haben. Heute ist Henrys Kanal für mich längst viel mehr als ein Hobby. Aus meiner Liebe zu Henry ist mit der Zeit etwas entstanden, in dem heute sehr viel Herz, Zeit und Arbeit steckt. Wir durften bereits mit großen internationalen Unternehmen zusammenarbeiten und haben eine sehr treue Community, die Henry, Hugo und Willy seit Jahren begleitet.“

Mit der Familie ist Henry weit herumgekommen. Cannes, Paris, Italien.

Und hat seine eigenen Autogrammkarten.

Bestellen kann man die via Henrys Instagramprofil.

Mehr als ein süßes Model

Gleichzeitig ist Henry mehr als ein ausnehmend süßes Instagram-Model.

Als er 2020 als acht Wochen alter Welpe zu Jelenas Familie kam, entwickelte er schnell eine besondere Nahe-Beziehung zu Jelenas Mutter. Und zeigte hier eine Eigenschaft, die auch bei Hunden außergewöhnlich ist.

Jelenas Mutter hat Diabetes. Jedes Mal, wenn sich ihr Zustand zu verändern begann, machte Henry mit Bellen darauf aufmerksam. Bald lernte die Familie, das zu verstehen. So ist Henry auch so etwas wie ein Krankenpfleger geworden.

Parallel zu Henrys Fußball-WM-Auftritt arbeitet Jelena an einem Langzeitprojekt. Mit DogStay24 soll eine Plattform für Menschen entstehen, die mit Hunden verreisen. Sie soll es einfacher manchen, Unterkünfte zu finden, die auch Hunde aufnehmen, und reisende Hundebesitzer zueinanderzubringen.

Wer sich schon einmal Gedanken gemacht hat, wie man mit einem Hund verreist, weiß, welche große Aufgabe das ist.

Vielleicht gibt Henrys neuer Ruhm dem Projekt zusätzlichen Schwung. Einen Weltstar bringt man schließlich gerne bei sich unter.

Alle Fotos: zVg Jelena Kaloperović/Henry Pomchi

Mehr über Bosniens heimliche Fußballhymne von Dubioza Kolektiv könnt ihr bei Balkan Stories und auf Lelas Welt nachlesen.

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