Comics, Rock und Revolution mit Stripovedač. Fotogalerie

Stripovedač, der wichtigste Comics-Podcast im ehemaligen Jugoslawien, hat ein wichtiges Jubiläum gefeiert. Mit Comics, Rock und Revolution. In Novi Sad, wo sonst?

Novi Sad, das war und ist die jugoslawische Comics-Hauptstadt. Oder ex-jugoslawisch. Je nachdem, ob man es kulturell oder politisch anlegt.

An keinem anderen Ort des untergegangenen Landes und nach wie vor existierenden Kulturraums konzentrieren sich so viele Verlage, Künstler, Autoren von und für Comics, Cartoons, Graphic Novels. Während der Zeit des sozialistischen Jugoslawien ließen italienische Verlage häufig hier produzieren.

Vielleicht ist das ausschlaggebend, dass Dušan Majkić und Petar Klaić solche Comics-Fans- und Experten sind. Die Macher des Podcasts Stripovedač sind beide gebürtige Novi Sader.

Petar lebt bis heute hier.

Dušan ist nach Beograd gezogen.

Vor fünf Jahren kam den beiden die Idee, einen Podcast über ihr liebstes Hobby zu machen. Damals hatte sich für den Fernsehmacher Dušan gerade arbeitstechnisch ein neues Kapitel aufgetan, das Raum ließ zu experimentieren.

„Wir machen ungefähr alle zwei Wochen eine Sendung“, schildert Dušan im Gespräch mit Balkan Stories. Rechnet man die Sommerpause weg, ergibt das 100 Ausgaben in knapp fünf Jahren.

Comics, Rock und die Revolution

Und wo anders die Jubiläums-Ausgabe feiern als im Boulevard Books am Bulevar Mihajla Pupina in Novi Sad. Das ist die wahrscheinlich bekannteste Buchhandlung in der Hauptstadt der Vojvodina. Der Platz reicht gerade für eine kleine Band und sagen wir 200 Besucher.

Die kleine Band, das war 16 Osam 23. Eigentlich aus Beograd, wenngleich Gitarrist Aca Zarić mittlerweile in Wien lebt. Von dort kennen wir uns auch. In den letzten Jahren laufen wir uns immer nur bei Comics-Events in Ex-YU über den Weg.

Und nehmen uns dann immer vor, aber wirklich in den nächsten Tagen auf ein Bier zu gehen. Und schaffen es nie, uns zusammenzurufen.

Der etwas eigenwillige Name der Band hat einen revolutionären Hintergrund. „Wir haben uns in den 1990-ern gegründet, als wir auch gemeinsam gegen Slobodan Milošević auf die Straße gingen“, hat mir Aca vor dem Konzert erklärt. „16 mal 8 mal 23 Zentimeter sind die Maße der gängigen Ziegelsteine, mit denen wir die Polizei beworfen haben“.

But I digress.

Vielleicht schaffen wir es im September in Herceg Novi, beim Hercegnovski Strip Festival, auf unser Bier zu gehen.

Von wo ich ja auch Dušan und Petar kenne.

Und einige andere Gäste an diesem Abend.

Mali je svijet. Oder svet. Wie man mag.

Worauf Dušan und Petar zur Recht stolz sind

Die meisten waren schon bei Stripovedač zu Gast. Die Sendung, zu sehen auf Youtube und Oradio, hat häufig mehr als einen Künstler, Autoren oder Experten pro Ausgabe im Interview.

„Wir sind wirklich stolz, dass wir mit einer Ausnahme bis heute jeden Gast nur einmal gehabt haben“, erzählt Dušan. Er ist Redakteur des Podcasts.

Die Gäste, das sind internationale Stars wie Eduardo Risso aus Argentinien, Zoe Thorogood aus Großbritannien, Jock, ebenfalls aus Großbritannien, der Niederländer Jury Landmann, lokale Größen wie Zoran Janjetov – der war Gast in der ersten Sendung -, Stevan Subić, der einzige Künstler, der zweimal eingeladen war, Tihomir Tikulin Tico, Sara und Ana Živković, und Expertinnen und Experten wie Kulturredakteurin- und kritikerin Pia Nikolič aus Ljubljana.

Wer sich aller gerne von Dušan und Petar interviewen lässt, zeigt wie wichtig Stripovedač für die Region mittlerweile geworden ist. Und wie sehr sich die zwei auskennen.

Ich erinnere mich da an Jury vergangenes Jahr beim HSF. Der kam leicht erschöpft aus dem Interview. Das lag nicht an der Hitze. „They know their stuff“, kommentierte er anerkennend die Fragen von Dušan und Petar.

Es zeigt nebenbei auch, wie zugänglich das Comics-Volk ist. Wohl in keiner anderen Kunstgattung wird man so viele Menschen finden, die ohne jegliche Starallüren oder sonstige Komplikationen und ohne Honorar bereitwillig eine Stunde oder eineinhalb für tiefschürfende Interviews zur Verfügung stehen, ohne, dass sie etwas zu verkaufen hätten.

Man muss die Leute einfach gern haben. Oder, um das Motto des HSF XIX aufzugreifen: Comics is love. Das siehst du bei Stripovedač. Und bei den Gästen der Jubiläumsparty.

Ein weiteres Beispiel, dass Comics Liebe sind, lest ihr hier. Bei diesem Beispiel schließt sich auch der Kreis zur Revolution.

Das ist die Jubiläumsausgabe

Warum die Fotos Schwarz/Weiß sind

Bei Gigs und Konzerten wird die Beleuchtung für die Stimmung gemacht, nicht für Fotokameras. In so einer kleinen Location wie Boulevar Books führt das dazu, dass etliche Fotos etwas rotstichig geworden sind. Das wäre nur mit relativ viel Aufwand zu korrigieren. Fotografen, die öfter auf Konzerten fotografieren, schaffen das mit links. Ich mache eher Dokumentar- und Reportagefotografie. Für Konzerte fehlt mir die Erfahrung bei der Bildbearbeitung. Ich ersuche um Verständnis.

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