Der Kampf für die Freiheit des jugoslawischen Volkes vom Faschismus war der erfolgreichste Partisanenkampf des Zweiten Weltkriegs. Begonnen hat der Kampf in Užice im Westen Serbiens. Unterstützt wurde er von Anfang von einem kleinen wie notwendigen Beitrag eines gewissen Isaac Singer. Welcher das war, erfährt man im Museum der Republik von Užice.

Ich stehe wenige Meter von Titos Schreibtisch entfernt.

Das Portrait des Marschalls und langjährigen Staatsoberhaupts wurde nach dem Krieg dahinter aufgehängt.

„1941 war der Raum kleiner“, erzählt mir der Ausstellungsleiter hinter der coronabedingten Maske.

„Neben dem Schreibtisch stand ein Feldbett“.

Das ehemalige Hauptquartier der Partisanen ist für das Museum der Republik von Užice umgebaut worden.

Die gleichnamige Stadt liegt etwa auf halber Strecke auf der südlichen Route von Beograd nach Sarajevo.

Von September bis November war sie Schauplatz des vielleicht wichtigsten und jedenfalls komplexesten Kapitels des Zweiten Weltkriegs in Jugoslawien.

Wenige Wochen lang sah es so aus als sei eine politisch neutrale Volksfront gegen den Faschismus möglich, als erhebe sich das alte, soeben gescheiterte, Jugoslawien gemeinsam mit dem neuen.

Dieses Foto, ebenfalls Teil der Ausstellung, ist eines der wenigen, das Titos Partisanen und Draža Mihailovićs Četniks Seite an Seite zeigt.

Links Četniks, erkennbar an der Kokarde, rechts Partisanen. Die meisten tragen noch eine Šajkača, wie sie in der Königlichen Jugoslawischen Armee üblich war. Die Kokarden haben sie abgenommen, einen roten Stern haben in dieser Phase noch die wenigsten. Die typische Parisanenkappe kam erst später in Gebrauch.

In den ersten Tagen verwalteten und verteidigten sie das kleine Gebiet gemeinsam.

„Es kam aber sehr bald zu Spannungen. Ideologisch war das nicht vereinbar“, erzählt mir der Ausstellungsleiter.

Weniger diplomatisch ausgedrückt: Titos Versuche, eine überparteiliche Volksfront zu initiieren, scheiterten an den überzogenen Ansprüchen Mihailovićs.

Es kam zum Bürgerkrieg zwischen den Parteien.

Die Četniks liefen sehr schnell zu den Nazis über. Zumindest vorläufig.

Um nach einem kurzen Intermezzo klerikal-nationalistischen Freiheitskampfs mit dem einen oder anderen Massaker an der muslimischen Bevölkerung in gemischten Gebieten wieder zu den Besatzern zurückzukehren, wenn es nur gegen die Kommunisten ging.

In der offiziellen Lesart des heute nationalistisch gewandten Serbien nennt sich das übrigens Antifaschismus.

Ein kleiner, funktionierender Staat

Für Titos Partisanen hatte der Rückzug der königstreuen Milizen einen Vorteil: Sie zeigten, dass sie nicht nur kämpfen konnten.

In diesem kleinen Gebiet um Užice entstand in den wenigen Wochen seines Überlebens ein funktionierender Staat.

Einschließlich eines Spitals und 145 Kilometern Eisenbahn.

In diesen Stollen erzeugten Arbeiterinnen und Arbeiter Gewehre und Munition.

Bis eine Explosion dutzende Menschen tötete.

„Nach dem Krieg stellte man es so dar, dass die Četniks eine Bombe geworfen hätten. Nur, schau her: Da hätte ein Saboteur durch die Haupttür, den Eingangsraum und diesen schmalen Durchgang zu einer Tür kommen müssen, ohne, dass ihn jemand bemerkt hätte. Das ist wie aus einem Action-Film“, sagt der Ausstellungsleiter.

Ein Denkmal erinnert an die Gefallenen.

Wie Isaac Singer mithalf, Jugoslawien zu befreien

Beim Nachschub kommt auch Isaac Singer ins Spiel.

Er war der Erfinder der gleichnamigen Nähmaschine.

„Mit Gewehren allein gewinnst du keinen Krieg“.

Man braucht auch Uniformen, Unterwäsche, Socken, Decken, Verbandmaterial, Taschen. Kurz: So ziemlich alles, was man auf oder mit einer Nähmaschine herstellen kann.

Ein Exemplar, das die Partisanen benutzt haben, hat einen Ehrenplatz im Museum.

Singers Beitrag mag posthum gewesen sein. Die Nähmaschine erfand er 1851. Aber sie leistete untersetzliche Dienste.

Frauen spielen von Beginn an eine zentrale Rolle

„Von Anfang an spielten auch Information und Propaganda eine wichtige Rolle. Die Republik und die Partisanen hatten ihre eigene Zeitung.“

Einen Beitrag von der ersten Stunde an leisteten auch Künstlerinnen und Künstler.

Die entdeckten sehr früh ein Motiv für sich und den Volksbefreiungskampf: Jugoslawiens Frauen.

„Das hier ist aus dem Herbst 1941“, sagt der Ausstellungsleiter. „Das war vor allem ein Appell, dass das gesamte Volk hinter dem Kampf gegen den Faschismus steht.“

Kritisch betrachtet könnte man hier die Frau als Metapher für die totale Mobilisierung begreifen.

Objekt mehr als Akteurin im Kampf.

Binnen weniger Wochen änderte sich das.

Frauen wurden gleichberechtigt mit Männern als Kämpferinnen gezeigt.

Bis zum Ende des Kriegs kämpften etwa 100.000 Frauen in bewaffneten Einheiten in Jugoslawien.

Viele wurden mit dem Titel „Heldin des Volkes“ geehrt. Allzuviele nur mehr posthum.

Etwa zwei Millionen Frauen beteiligten sich bis 1945 an der Volksbefreiungsbewegung.

Die lieferte die logistische und nachrichtendienstliche Unterstützung für die Partisanen und beteiligte sich an der Verwaltung des wachsenden Staates Jugoslawien. (Mehr über den Beitrag von Frauen zum Volksbefreiungskampf in Jugoslawien erfahrt ihr HIER.)

Das Experiment macht Hoffnung

Das war nach dem Ende der kurzlebigen Republik von Užice.

Im November 1941 eroberten Wehrmacht und SS mit der Unterstützung der Četniks das Gebiet zurück.

Die Partisanen flohen in die Berge Bosniens und Montenegros und in den Sandžak. Die dortige mehrheitlich muslimische Bevölkerung hatte wenig Sympathien für Mihailovićs Schlächter.

Die Muslime im Sandžak und auch zahlreiche Orthodoxe gaben viele ihrer Söhne und Töchter im Kampf um Jugoslawiens Freiheit. (Ein Beispiel findet ihr HIER.)

Auch wenn die Republik von Užice scheiterte: Sie gab vielen Menschen Hoffnung, dass es ein neues, ein besseres Jugoslawien geben könnte.

Und sie gab den Partisanen die Erfahrung, die sie brauchten, um befreite Gebiete effektiv zu verwalten und nach dem Krieg den neuen Staat aufzubauen.

Dessen Grundstein hatten sie in Užice gelegt hatten.