Laszlo Vegel

Eine kritische Stimme ist lauter geworden

Der bekannte Vojvodiner Autor und Journalist László Végel schreibt seit Jahresbeginn für das kritische kroatische Portal Lupiga. Damit ergänzt seine analytische und mahnende Stimme die unermüdliche journalistische und literarische Arbeit eines der wichtigsten unabhängigen Medien im ehemaligen Jugoslawien.

László Végel als Kolumnist für dein Portal. Das musst du mal schaffen. Ivor Fuka ist es geglückt, den 83-jährigen Schriftsteller und Journalisten László Végel aus Srbobran in der Vojvodina für Lupiga zu gewinnen.

Seit Jahresbeginn teilt er seine Tagesnotizen oder Tagebuchfragmente mit dem kritischen Portal aus Zagreb, „Schreibzeit in der Zwischenzeit“ nennt er die Kolumne. „Ispisivanje vremena, u međuvremenu“.

Sie beginnt mit einem Eintrag zum 8. Dezember zu den Studentenprotesten in Beograd.

Wie der Autor dieses Blogs sieht er sie als Ausdruck einer tiefen Vertrauenskrise der serbischen Gesellschaft mit dem politischen System Serbiens.

Bei seinem ersten Eintrag war der Unermüdliche gerade aus Wien zurückgekehrt, wo er die deutsche Übersetzung seines autobiographischen Romans „Unsere unbegrabene Vergangenheit“ vorgestellt hatte. Das Werk beschäftigt sich mit der Geschichte seiner Heimatregion, die bis heute ihre eigene Rolle spielt und sich bis heute nicht in vorgefertige Schemen pressen lässt.

So wie László Végel selbst.

Wie jeder echte Vojvodiner entzieht er sich bei ehrlicher Betrachtung jeder ethnischen Zuschreibung. Seine Muttersprache ist Ungarisch – wie man unschwer am Namen erkennen kann -, in der Sprache hat er auch hauptsächlich studiert und veröffentlicht.

Als Journalist ungarischsprachiger Medien in Jugoslawien und Dramatiker war er über Jahrzehnte eine wichtige Stütze der Kultur dieser größten Minderheit in der Vojvodina.

Seine Texte auf Lupiga veröffentlicht er im serbischen Idiom der Sprache ohne Namen.

Für Lupiga ist seine mahnende Stimme eine ideale Ergänzung.

Seit zwei Jahrzehnten analysiert das Portal die Gesellschaft(en) des ehemaligen Jugoslawien nüchtern und unbestechlich. Lupiga ist zu einer der zentralen Stimmen des kritischen Ex-Jugoslawien geworden, wenn nicht vielleicht zu der zentralen Stimme überhaupt.

Mit ihrer hartnäckigen Arbeit ist die Redaktion den Machthabern der Region mehr als einmal auf die Füße getreten. Entsprechend spärlich fließen die öffentlichen Förderungen – wenn sie überhaupt fließen.

Dass es Lupiga überhaupt noch gibt, ist nicht nur der Arbeit der Redaktion zu verdanken sondern auch den Teilen der Öffentlichkeit, die erkannt haben, wie wichtig eine derartige Stimme ist. Ende 2017 ermöglichte eine breite öffentliche Kampagne dem Medium das finanzielle Überleben.

Mit László Végel ist diese kritische Stimme hörbar lauter geworden. Genau das braucht es jetzt.

Disclaimer: Ich bin selbst gelegentlicher Autor für Lupiga. Für mich war es immer eine große Auszeichnung und Freude, dass dieses Portal meine Texte veröffentlicht. Mit László kann ich nicht mithalten, aber dass er Lupiga bereichert, ist auch für mich ein Ansporn, dort mehr zu veröffentlichen.

Titelfoto: László Végel, (c) Lupiga.com

Mehr über László Végel erfahrt ihr auch auf dieser Seite (die leider länger nicht mehr aktualisiert wurde) und bei den Verlagen S Fischer und dem Wieser Verlag.

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