Medo wartet auf Jovan und Vukan

Nach dem Amoklauf in Cetinje in Montenegro mit dreizehn Toten erinnert der Hund Medo an den tragischsten Aspekt des Verbrechens: Er gehörte den jüngsten Opfern, Vukan und Jovan. Seit dem Verbrechen wartet er vor dem Haus auf seine Familie.

Vukan durfte nur acht Jahre alt werden, Jovan dreizehn.

Am Neujahrstag geriet ein 45-Jähriger in einem Cafe in Cetinje mit einem Freund in Streit, holt ein Gewehr und erschoss die gesamte Familie des Freundes.

Bewaffnet fuhr er durch die Gegend, erschoss eine weitere Familie und Vukan und Jovan.

Erst nach Stunden fand und umstellte ihn die Polizei. Der Amokläufer erschoss sich. Zuvor hatte er zwölf Menschen getötet.

Es ist der schlimmste Amoklauf in der Geschichte Montenegros.

Seitdem wartet der Hund Medo auf seine jungen Freunde. Die Tante der ermordeten Buben hat seine Geschichte öffentlich gemacht – als Symbol für das, was bei dem Amoklauf verloren gegangen ist.

Die montenegrinische Öffentlichkeit zeigt sich schockiert von dem Verbrechen.

Ähnlich wie in Serbien machen viele Behördenversagen für den Amoklauf verantwortlich. So durfte der Amokläufer nach einem früheren Verbrechen keine Waffen besitzen.

Auch, wie lange es gedauert hat, ihn aufzuspüren, sorgt für heftige Kritik. Vukan und Jovan könnten noch leben, hätte die Polizei kompetenter reagiert, zeigen sich viele Montenegriner überzeugt.

Ähnlich wie in Serbien organisieren Studenten Proteste gegen das Behördenversagen. Sie fordern unter anderem, dass der Innenminister zurücktritt.

Außerdem soll die Polizei in Montenegro reorganisiert werden, fordert die informelle Studentengruppe Kamo śutra?

Zu den ersten Demonstrationen in Cetinje und der Hauptstadt Podgorica mobilisierten sie mehrere tausend Menschen.

Zu sehen waren dort auch Symbole wie die roten Handschuhe, die man von den Massenprotesten in Serbien kennt. Die Studenten lehnen sich offenbar bewusst an die ebenfalls studentischen Organisatoren im Nachbarland und ihre Symbolik auch. Sie begreifen Behördenversagen und Korruption als Probleme, die das Leben der Menschen im gesamten ehemaligen Jugoslawien erschweren und gefährden.

Dreckige Propagandakampagne einer Regierungspartei

Die Regierungspartei „Die Demokraten“, der unter anderem Innenminister Danilo Šaranović und Vizepremierminister und Verteidigungsminister Aleksa Bečić angehören, dessen Rücktritt Kamo śutra? ebenfalls fordert, attackieren die Studenten verbal scharf.

Sie verdächtigen sie öffentlich, im Auftrag des abgewählten Präsidenten Milo Đukanović und von Mafia-Clans zu arbeiten. Unter anderem veröffentlichten sie ein Foto, das eine Tochter eines montenegrinischen Mafia-Paten bei einer der Demonstrationen zeigen sollte.

Das stellte sich als Desinformation heraus. Die Abgebildete war die Demonstrantin namens Jasna Čirgić.

Angesichts dieser durchsichtigen Propagandakampagne ist es umso nachvollziehbarer, dass der Hund Medo in Montenegro und darüber hinaus zu einem Symbol für Treue und Hingabe geworden ist.

Etwas, das sich nicht nur in Montenegro viele Menschen von Regierung und Behörden wünschen würden.

Titelfoto: Screenshot

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