Der Kampf für die Stadt der toten Helden

Das Partisanendenkmal von Mostar gilt als eine der bedeutendsten Gedenkstätten im ehemaligen Jugoslawien – und nicht erst seit der großen Zerstörungsaktion vor eineinhalb Jahren als die wohl gefährdetste. Der schottische Filmemacher Chris Leslie widmet dem Kampf um den Erhalt des Friedhofs eine Doku. Dafür braucht er Unterstützung.

Es gibt Dinge, die man nur fassen kann, wenn man sie sieht.

Jeden Gedenkstein auf dem Mostarer Partisanenfriedhof haben kroatische Neofaschisten im Juni 2022 zerschlagen.

Jeden einzelnen.

Die Aktion muss Stunden gedauert haben.

Jeder der hier Geehrten hat im Kampf gegen die faschistischen Besatzer im Zweiten Weltkrieg sein oder ihr Leben gelassen.

„The devastation was brutal and very sad, but at the time very confusing – who would do that to a cemetery and why? Especially as this was a place to commemorate those who died fighting fascism and defending freedom“, beschreibt der schottische Fotograf und Dokumentarfilmer Chris Leslie seine ersten Eindrücke, als er im Mai 2023 auf der Gedenkstätte filmte.

Die Vandalen sind bis heute offiziell unbekannt.

Die Gedenkstätte wurde bis heute nicht repariert.

Mostarer Antifaschisten wie Sead Đulić haben lediglich die ärgsten Schäden beseitigen können.

Für mehr fehlt das Geld – und vor allem die Unterstützung durch die Stadt Mostar.

Der Bürgermeister von Mostar ist von der kroatischen klerikalnationalistischen Partei HDZ und als Gegner des antifaschistischen Gedenkens bekannt.

Diese Gedenkstätte zu retten erscheint wie die Mühen des Sisyphos.

Der Kampf freilich ist einer, den keiner gewillt ist aufzugeben. Er wird in den nächsten Wochen Thema einer Reportage auf Balkan Stories sein.

Unabhängig davon hat sich auch Chris Leslie entschlossen, die Geschichte dieses Kampfes für die Stadt der toten Helden zu erzählen, gemeinsam mit dem balkanisch-britischen Filmemacher Oggi Tomić.

„So etwas gibt es sonst nirgends auf der Welt“

Chris hat nicht lange überlegt, bevor er das Projekt anging.

Die Nekropole für die gefallenen Partisanen hat ihn vom ersten Besuch im November 2021 an interessiert, sagt er gegenüber Balkan Stories.

„Everything about the site fascinates me. The location, the view, the architecture, the quietness. There is a real sense of calm and otherworldliness about that site, and there is nowhere else like it anywhere in the world.“

Architekt Bogdan Bogdanović hat diese Gedenkstätte als eine Stadt der Toten angelegt, die von einem Hügel im Westen aus auf das alte Mostar als die Stadt der Lebenden schaut.

Die Stadt, für deren Befreiung die hier Geehrten zwischen 1941 und 1945 ihr Leben gaben.

Chris‘ Film wird nicht nur die Architektur dieser Gedenkstätte für sich sprechen lassen.

Vor allem wird er alle zu Wort kommen lassen, die bei der Erhaltung dieser Gedenkstätte etwas zu sagen haben.

Etwa Sead Đulić, den Vorsitzenden der Mostarer und der bosnischen Vereinigung der Antifaschisten und Freiheitskämpfer, Senada Demirović Habibija, Architektin und Aktivisten und den Historiker Dragan Markovina.

Das verspricht einen tiefen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen die Versuche, das Denkmal zu erhalten, zu tun haben.

In letzter Minute hat sich auch der umstrittene Mostarer Bürgermeister Mario Kordić zu einem Interview mit Chris und Oggi bereiterklärt.

Ein Zeichen, dass diese Doku so ernst genommen wird, wie sie sollte.

Für die Fertigstellung braucht diese Doku noch Geld

Chris hofft, dass er die Doku im Lauf des Jahres fertigstellen kann. Mit Al Jazeera Balkans laufen Verhandlungen über eine Ausstrahlung, es soll auch eine längere Version für Filmfestivals geben.

„The aim of this documentary is to shine a new light of attention, hope and urgency to save one of Bosnia and Herzegovina’s most unique cultural and architectural treasures“, beschreibt Chris das Ziel.

Damit er den Film fertigstellen kann, braucht er freilich Unterstützung.

Auf der Plattform Kickstarter hat er eine Spendenaktion gestartet.

Bis 4. Februar kann man hier die Fertigstellung unterstützen. Knapp vier Wochen vor Fristende fehlten noch ungefähr 20.000 Euro.

Filme machen ist teuer. Professionelle Ausrüstung kostet viel Geld, dazu kommen Reisekosten, Spesen für Helfer vor Ort, nach dem Dreh auch die Kosten für einen professionellen Videoschnitt.

Und während Filmemacher ein derartig aufwändiges Projekt machen, haben sie keine Zeit, anderswo Geld zu verdienen – während die normalen Kosten natürlich weiterlaufen.

Jeder Cent für diese Dokumentation unterstützt den Kampf, eine der bedeutendsten Gedenkstätten im ehemaligen Jugoslawien zu retten.

Einen ersten Eindruck, was ihr in dieser Dokumentation zu sehen bekommt, könnt ihr hier bekommen.

Foto-Galerie: (c) Chris Leslie

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