Teil 2 des Kampfes von Balkan Stories gegen die Rückkehr des Winters führt an eine Ecke, die ein großes Geheimnis birgt. Die Schweden von Banja Luka sollen diesmal ein wenig Sonne und Wärme in einen trüben Tag bringen.
Džin stakt mit seiner Zille den Vrbas hinauf. Seine Hündin steht am Bug des Bootes.
Džin ist einer der wenigen Nicht-Schweden auf der Gradska plaža Šeher, dem städtischen Vrbas-Strand etwas außerhalb des Stadtzentrums von Banja Luka in der bosnischen Krajina.
Džin ist Švabo, genauer von der österreichischen Sorte. Zumindest in der hier gängigen Sichtweise.

„Ich hab lange in Österreich gearbeitet, meine Kinder sind dort“, sagt Džin. Das war ein bisschen außerhalb von Wien. „Ich bin froh, dass ich in Niederösterreich war. Die große Stadt, das war nicht so meines“.
Das macht ihn zum Exoten an diesem Ort, nicht nur an diesem heißen und etwas schwülen Augusttag im Vorjahr.
Švedska plaža heißt dieser Abschnitt des Vrbas-Ufers bei den Einheimischen seit langer Zeit. Schwedischer Strand.

Viele Anrainer haben in Schweden gearbeitet
„Der heißt so, weil die meisten Menschen, die in der Umgebung wohnen, in Schweden arbeiten waren“, wird mir später Sofija erklären. Sie selber war in der Schweiz. Nicht zum Arbeiten, das wäre damals verboten gewesen. Sie war im Krieg als Kind dort.
Wie man Džin hier oft einen Švabo nennt, nennt man die ehemaligen Gastarbajteri im Hohen Norden Schweden. Einer der Schweden ist Žare. 30 Jahre lang war er Fabriksarbeiter in der Provinz Skåne, Man kennt das von Henning Mankells Kurt Wallander.
In der Pension ist er zurückgezogen in die alte Heimat, und lebt im Haus, das er von seinen Eltern geerbt hat. „Das ist gleich drei Minuten von hier, den Hügel hinauf“, sagt er.

Mit der schwedischen Pension lebt er hier wie ein König. Das geht den anderen Schweden in der Regel nicht anders. Ein angenehmer Nebeneffekt.
Man trifft auch einige, die nach wie vor oben arbeiten, und hier nur ihren Sommerurlaub verbringen. Manchmal auch in der zweiten Generation, wie Aleksandar.
Migrationscluster sind alles andere als ungewöhnlich
Dass Menschen im ehemaligen Jugoslawien dorfweise oder mahalaweise in ein bestimmtes Land auswandern, ist weniger ungewöhnlich als man vermuten würde.
Siehe etwa diese Tabelle aus der Ausstellung Jugo, moja Jugo über jugoslawische Gastarbeiter im Muzej Jugoslavije in Beograd vor neun Jahren.

Das ist in der Migrationswelle dieser Generation nicht anders. Wien etwa war in den vergangenen zehn oder 20 Jahren überproportional Zielort für Migranten aus Požarevac in Serbien und Brčko in Bosnien. Auch die westliche Bosanska Krajina ist in Wien auffällig oft vertreten.
Die Schweden mögen die meisten Häuser entlang der Švedska plaža bewohnen. Ein Monopol auf den Strand haben sie nicht.

Seelennahrung für kühle und trübe Tage
Hier suchen Menschen aus der ganzen Stadt Abkühlung in den Stromschnellen des Vrbas oder räkeln sich am Kiesstrand, um einen guten Teint zu kriegen.

Und vielleicht auch, um die Fauna der Gegend zu beobachten. Hier sitzt ein Graureiher auf einem kleinen Felsen.

Wahrscheinlich zehren sie an trüben und kalten Tagen an den Erinnerungen an diese heißen und sonnigen Stunden im Naherholungsgebiet von Banja Luka. Und helfen sich so über die schwierige Zeit hinweg.
Wie es hoffentlich die Bilder diesen kleinen aber schönen Badestrandes am Vrbas für die Leserinnen und Leser von Balkan Stories tun.
Mehr über die Geschichte der Emigration aus dem ehemaligen Jugoslawien findet ihr im Archiv von Balkan Stories – unter anderem in dieser Reportage.
Danke an Erich Eder, der den Vogel im Vrbas identifizierte.
So unterstützt ihr meine Arbeit
Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort auf Buy Me A Coffee tun.
Und wenn euch dieser Beitrag gefällt, bitte teilt ihn auf euren sozialen Netzwerken, lasst ein Like da oder kommentiert.
Entdecke mehr von balkan stories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
