Da hat sich Autorin und Schauspielerin Sabina Sidro was vorgenommen. Mit Freundinnen und Freunden will sie in 48 Stunden Crna Gora/Montenegro erkunden und nebenbei Silvester feiern. Was beginnt wie ein verrückter Road Trip wird zu einer lesenswerten Erkundungsfahrt zwischen Party, Reisestress und Balkan-Alltag.

Ein bunte Gruppe Freunde mit diversen Migrationshintergründen hat einen ehrgeizigen Plan. Urlaub, Schnellbesichtigung und Silvesterfeiern verbinden. Oder, in den Worten der weitaus berufeneren Sabina Sidro:

„Ein serbischer Gastarbeitersohn, eine Gastarbeitertochter mit bosnisch/kroatischem Hintergrund, eine Serbin und ein Halbbosnier/Halbmacedonier machen sich auf den abenteuerlichen Weg, Montenegro in 48 Stunden zu erkunden. Ich bin übrigens die Gastarbeitertochter.

Das erste Ziel: Sutomore, ca. 20 km von Budva entfernt.

Wie das so bei den Balkanesen ist, kennt jemand Jemanden, der Jemanden kennt und dieser dir sein Haus am Meer zur Verfügung stellt.

In unserem Fall kannte eigentlich niemand Niemanden, der Serbe hat lediglich seinen Cousin gefragt.“

In atemberaubendem Tempo – sofern es die Straßen zulassen – geht es durch die Mini-Republik. Zwischen geschlossenen Kaffeehäusern, schöner Landschaft, restaurierten Städten mit venezianischem Flair und Russen-Jachten findet sich noch Zeit für eine Balkan-Neujahresparty und Jugoslawien feiert eine wundersame, wenn auch kleine, Auferstehung.

Ein versuchter Abstecher nach Bosnien scheitert im ersten Anlauf an… – aber lest doch selbst nach. Ist lustiger, als wenn ich das alles nacherzähle.

Ohne Schnörkel, mit viel Humor

Den eigentlichen Reiz der Reportage macht nicht so sehr die liebevolle Ironie der Autorin, Schauspielerin und Regisseurin aus und noch nicht mal die vielen Fotos.

Die Spannung entsteht daraus, dass zwei Sozialisationen zutage treten: Die familiären Wurzeln am Balkan, in dem Fall in Bosnien, und das Aufwachsen in Deutschland.

Sehr ähnliche Erfahrungen machen auch Österreicher und Deutsche, die länger oder häufiger in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien sind. Sobald man genügend Kenntnisse besitzt, um sich zumindest rudimentär auf Kultur und Alltag einzulassen, lernt man auch über sich selbst.

„MONTENEGRO IN 48 STUNDEN“ wandelt ganz ohne Pathos und Schnörkel zwischen diesen zwei Welten, immer mit einem humorvollen Blick auf die wechselseitigen Klischees, die Balkanesen und Deutsche über- bzw. voneinander haben. Hinter der Leichtigkeit des Texts versteckt sich einiges an Tiefschürfendem.

Aber, wie gesagt: Lest selbst.

Titelfoto: (c) Sabina Sidro