Erste Doku zum Mord an Mirko Vereš

Ein serbischer Youtube-Kanal hat die erste Doku über den Mord an Mirko Vereš veröffentlicht. Eine wichtige Quelle waren die Reportagen auf Balkan Stories.

Endlich ist der Mord an Mirko Vereš im breiten Bewusstsein angekommen, denke ich mir. Anita hat mir gerade den Link zu einer Youtube-Doku geschickt.

RAT POSLE RATA heißt sie, erschienen auf dem Kanal Dosije Baba Jaga. Der Krieg nach dem Krieg.

Dieser Krieg nach dem Krieg hat den Mord an meinem Freund Mirko ausgelöst.

In der Wiener Wohnung einer gemeinsamen Freundin hatten Dinko, der Mann, der Mirko tötete, und Mirko über nationalistische Parolen gestritten. Dinko schnappte sich ein Messer mit einer 25 Zentimeter langen Klinge. Er stoch Mirko zweimal in den Rücken.

Im Gerichtsprozess ging es um die Frage, von wem die nationalistischen Parolen gekommen waren. Dinko sagte: Dijana*, die Gastgeberin, habe nationalistisch gestänkert. Sie sei serbische Nationalistin.

Dijana sagte aus, Dinko habe wieder mal nationalistisch gestänkert. Er sei kroatischer Nationalist. Dinko war im Krieg bei der kroatischen Armee.

Die Geschworenen fanden Dinko der vorsätzlichen schweren Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Das Landesgericht Wien verurteilte ihn zu zwölf Jahren Haft. Details könnt ihr in dieser Gerichtsreportage von Balkan Stories nachlesen.

Mehr Details findet ihr auch in dieser Reportage von Balkan Stories aus Subotica, Mirkos Heimatstadt. Ich habe Anfang Mai seine Mutter besucht und mir ihr gesprochen.

Quellenhinweise erst nach Intervention erschienen

Diese Reportagen sind die Hauptquellen der Doku Rat posle rata. Sie stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen. Das sind Berichte in österreichischen und serbischen Medien.

Mehrere Fotos aus meinen Reportagen sind ebenfalls in der Doku verwendet worden.

Das kann man prinzipiell so machen.

Nur war es in diesem Fall leider unsauber.

So hat Dosije Baba Jaga bei mir nicht im Vorfeld angefragt, ob meine Fotos verwendet werden dürfen. Und die ersten beiden Tagen nach der Veröffentlichung fand sich auch kein einziger Link auf meine Arbeit oder wurde Balkan Stories auch nur ein einziges Mal erwähnt.

Erst nachdem ich Montagmorgen darauf hingewiesen habe, hat die Redaktion in der Beschreibung des Videos die Berichte von Balkan Stories verlinkt, und diesen Blog als wichtige Quelle erwähnt, sowie mich als Fotograf genannt.

Die zuständige Redakteurin entschuldigt sich in ihrer Antwort und spricht von einem Versehen aufgrund eines familiären Notfalles.

Freilich findet sich in den meisten der mittlerweile mehr als 500 Videos des True Crime-Kanals ein eher lässiger Umgang mit Quellen und Urheberrechten. Das ist bedauerlich. Redaktionell scheint der Kanal ansonsten ganz gute Arbeit zu leisten.

Dosije Baba Jaga hat mehr als 95.000 Abonnenten und ist ein monetarisierter Kanal. Man verdient mit den Videos Geld. Das Publikum hätte sich eine rundum saubere Arbeit verdient. Ebenso die vielen meist ungenannten Autoren und Journalisten, auf deren Arbeit man zurückgreift.

Es geht hier nicht nur darum, dass man die Arbeit anderer würdigt. Mit sauberer Quellenarbeit stellt man auch sicher, dass die eigenen Zuschauer einzelne Aussagen einordnen und überprüfen können.

Werden Quellen nur sehr spärlich erwähnt, bleibt hingegen ein unangenehmer Geschmack zurück.

Bleibt zu hoffen, dass der Mord an Mirko und das problematische Urteil gegen den Mann, der ihn tötete, mehr Aufmerksamkeit erregt.

Beides steht dafür, wie sehr der Krieg der 1990-er noch in den vielen Köpfen im ehemaligen Jugoslawien tobt, und mit wie wenig Interesse die österreichische Gesellschaft den Migranten aus der Region begegnet, und wie wenig sie über unsere Nachbarn weiß.

*Name geändert

Titelfoto: Screenshot Rat posle rate, Dosije Baba Jaga. Originalfoto: (c) Christoph Baumgarten, balkanstories.net

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Auf Balkan Stories findet ihr Hintergrundreportagen und Alltagsreportagen aus dem ehemaligen Jugoslawien und darüber hinaus – ganz ohne Paywall, ganz ohne Werbung. Und das seit mittlerweile zwölf Jahren.

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