Auch am achten Tag ihres Verschwindens gibt es keine Spur von der zweijährigen Danka Ilić aus Bor. Die Hoffnung der Öffentlichkeit und der Familie konzentriert sich auf das Video, das am Wochenende in Wien gemacht wurde und Danka zeigen könnte. Und mittlerweile schießen immer mehr Spekulationen ins Kraut.
Die serbische Polizei und hunderte Helfer aus Serbien, Bosnien und Kroatien tun seit acht Tagen, was sie kann, um Danka Ilić zu finden. Jedes Blatt in der Kleinstadt Banjsko Polje umdrehen, und wenn man damit fertig ist, es noch einmal umdrehen.
Auch am Dienstag durchsuchten Polizisten jedes Haus in der Siedlung, in der auch die Vikendica steht, aus der Danka am 26. März verschwunden war.
Auch in Bor, wo die Familie von Danka lebt, wird intensiv gesucht.
Jeder, der das Kleinkind irgendwie kannte, wurde mittlerweile mindestens einmal befragt.
Die Wiener Polizei analysiert das Video vom Wochenende mit den besten zur Verfügung stehenden Mitteln. Es zeigt an einer Wiener U Bahn-Station ein Mädchen, das Danka ähnlich sieht, in Begleitung von zwei Frauen.
Gemacht hat es ein Wiener Serbe. Er hatte vom Verschwinden Dankas erfahren. Ihm war die Ähnlichkeit aufgefallen.
Ob das Kleinkind am Video Danka ist, kann bislang nicht bestätigt werden. Die Bildqualität ist schlecht. Das erhöht den technischen Aufwand enorm.
Informer spekuliert wild drauf los
Das führt auch zu abwegigeren Spekulationen.
Das Boulevardblatt Informer wollte am Dienstag Material von einer Überwachungskamera an einem serbisch-rumänischen Grenzübergang gesehen haben, das möglicherweise die beiden Frauen aus dem Wiener Video bei der Einreise nach Rumänien zeigt.
Informer ist für seinen lockeren Zugang zu dem bekannt, was man gemeinhin als Wirklichkeit bezeichnet.
Dennoch wurde die Meldung am Dienstag in praktisch allen serbischen Medien in der einen oder anderen Form zitiert.
Turbofolk-Star lässt Privatdetektiv engagieren
Wie zentral das Wiener Video mittlerweile für die serbische – und die gesamte ex-jugoslawische – Öffentlichkeit ist, zeigt auch der Umstand, dass die bekannte Turbofolk-Sängerin Dragana Mirković am Dienstag verkündete, durch sie sei ein Privatdetektiv engagiert worden, der in Wien nach Danka suchen soll.
Mirković lebt selbst in Wien.
Angesichts eines Mangels an verwertbaren Neuigkeiten laden Medien auch vermehrt tatsächliche oder vermeintliche Experten ins Studio oder zum Interview, um das Wiener Video zu analysieren.
Die Öffentlichkeit hofft, dass Danka entführt wurde
Anerkannte Experten wie Ibro Ibrahimović vom Büro zur Bekämpfung des Menschenhandels in Beograd taten sich schwer, seriös zu bleiben und gleichzeitig die Hoffnungen der Bevölkerung nicht völlig zu enttäuschen.
So absurd es klingt: Eine Entführung wäre die einzige realistische Garantie, dass Danka nach mittlerweile acht Tagen noch am Leben ist.
Das erklärt sehr wahrscheinlich auch, warum die Öffentlichkeit im ehemaligen Jugoslawien so am Wiener Video hängt. Man hofft, dass Danka entführt wurde und bald gerettet werden kann.
Und aus naheliegenden Gründen hofft man, dass zwei Frauen Danka aus irgendwelchen Gründen entführt haben und nicht etwa ein Mann aus sehr einschlägigen.
Dazu passt auch, dass Serbiens wohl bekanntester klinische Psychologe Dušan Vuković interviewt wird, wie schnell denn eine Zweijährige ihre Familie vergesse und sich in ihrer neuen Umgebung zurechtfinde.
Es ist ein schmaler Grat zwischen legitimem Informationsbedürfnis und Voyeurismus.
Aber zumindest hält er die Hoffnung aufrecht, dass Danka lebt und bald zu ihrer Familie zurückkehren kann.
Die vermeintlichen Schuldigen sind von auswärts
Immerhin, sollte Danka entführt worden sein, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie gefunden wird. Die Fahndung nach dem Mädchen läuft mittlerweile weltweit. (Balkan Stories berichtete.)
Auch hier bietet das Wiener Video eine Facette, die die Faszination der Öffentlichkeit erklärt: Die vermeintlichen Schuldigen sind von auswärts.
Laut dem Zeugen, der das Video gemacht hat, sind es zwei Rumäninnen.
Das erspart es den Bewohnern von Banjsko Polje, eine möglicherweise naheliegende wie schmerzhafte Frage zu stellen. Zumindest, bis feststeht, ob das Video Danka zeigt.
Das hält die unseriöseren Medien wie Informer keineswegs davon ab, auch abseits der beiden Putativ-Rumäninnen im Trüben zu fischen. Die Zeitung spekulierte heftig, was die Polizei gefunden haben könnte, als sie das Telefon von Dankas Mutter Ivana untersuchte.
Die Mutter sah sich am Dienstag zu einer öffentlichen Stellungnahme gedrängt. Als ob sie nicht genug Sorgen hätte.
Update: Am Mittwochnachmittag veröffentlichte die Wiener Polizei Fotos von den beiden Frauen aus dem Video. Die Ermittler bitten um Hinweise, wo sie sich aufhalten. Mehr erfahrt ihr HIER.
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