Aida Ćorović, Kampagnenfoto

Aida Ćorović muss nicht ins Gefängnis

Die serbische Menschenrechtsaktivistin Aida Ćorović muss nicht ins Gefängnis. Dank einer Spendenaktion kann sie eine für serbische Verhältnisse horrende Geldstrafe bezahlen, zu der sie verurteilt worden war, nachdem sie ein Wandgemälde des Kriegsverbrechers Ratko Mladić mit Eiern beworfen hatte.

100.000 Dinar für ein paar Eier auf das Gesicht eines verurteilten Völkermörders.

Und noch nicht mal Eier auf das Gesicht des echten Kriegsverbrechers sondern nur auf ein Wandgemälde, mit dem seine Fans den Schlächter von Srebrenica im Stadtzentrum von Beograd ehrten. (Balkan Stories berichtete.)

So urteilte ein serbisches Gericht gegen Aida Ćorović, eine Menschenrechts- und Friedensaktivistin und Feministin.

100.000 Dinar, das sind etwas mehr als 800 Euro. Für serbische Verhältnisse eine horrende Summe. Selbst wenn es ein echtes Gesicht gewesen wäre, das nicht Ratko Mladić gehört.

Aida weigerte sich, die Summe zu zahlen. Ein Beograder Gericht wandelte die Geldstrafe vergangene Woche in eine Haftstrafe von 60 Tagen um. Aida sollte die Haft am Freitag antreten.

Als das Urteil bekannt wurde, stellten sich das Feministische Antifastischische Netzwerk (Feministička antifašistička mreža, FAM) und die Literatur-NGO KROKODIL vor die Aktivistin und riefen die Öffentlichkeit auf, die Geldstrafe für Aida mit Spenden zu begleichen, um ihr die Haft zu ersparen. FAM sieht sich in der Nachfolge der Antifašistički front žena (AFŽ), der Antifaschistischen Frauenfront in Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg.

„Diese Frau, die ihr Leben selbstlos dem Antikriegs- und gesellschaftspolitischen Aktivismus gewidmet hat, wurde auf der Grundlage zweier unklarer Vergehensvorwürfe zu dieser drakonischen Strafe verurteilt“, hieß es in einer Erklärung von FAM, die unter anderem auf der Homepage von KROKODIL veröffentlicht wurde.

„Sie hat es für uns alle und im Namen von uns allen getan. Deshalb ist es heute unsere Pflicht, mit vereinten Kräften zu verhindern, dass der Staat über Aida hinwegfährt, und stattdessen gegenseitigen Respekt, Verständnis die Solidarität zu stärken“, hieß es weiter.

Und innerhalb nur eines Tages steuerten Menschen aus dem ganzen Land, und wahrscheinlich aus dem ganzen ehemaligen Jugoslawien, nicht nur den erforderlichen Betrag von 100.000 Dinar bei. Innerhalb von 24 Stunden kamen mehr als 340.000 Dinar zusammen, berichten unter anderem das kritische bosnische Portal BUKA und die serbische Zeitschrift NIN.

Das Geld soll bereits auf das Konto des zuständigen Gerichts überwiesen werden.

Der überschüssige Betrag soll laut einem Vorschlag von KROKODIL in einen Fonds fließen, mit dem Aktivisten unterstützt werden sollen, die sich in einer ähnlichen Lage wie Aida befinden. Der Fonds soll SLEP BEK heißen – eine Transkription des englischen Ausdrucks Slap Back.

Aida zeigt sich unterdessen kämpferisch und kündigt an, sich wie vorgesehen am Freitag in der Justizvollzugsanstalt Padinska Skela zu melden. In einem Interview mit dem unabhängigen Sender N1 am Dienstagmorgen führte sie das harte Vorgehen gegen sie auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Serbien zurücl.

Titelbild: Kampagnenbild für die Spendenaktion von FAM und KROKODIL

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2 Gedanken zu “Aida Ćorović muss nicht ins Gefängnis

  1. Es ist erschütternd zu sehen, dass in Serbien die bosniakisch/serbische Menschenrechtsaktivistin Aida Ćorović ins Gefängnis gesteckt wird, während Kriegsverbrecher wie Mladić glorifiziert und staatlich geschützt werden. Das spricht Bände über den aktuellen Zustand des Landes.

    Aber die Tatsache, dass Menschen gespendet haben, gibt Hoffnung auf eine bessere Zukunft, trotz der gegenwärtigen Herausforderungen in Serbien. Es zeigt, dass es noch Menschen gibt, die sich für positive Veränderungen einsetzen und für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen.

  2. Ich will die Sympathien sicher nicht verharmlosen, die in der serbischen Gesellschaft Ratko Mladić entgegengebracht werden. Das ist ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung. In meiner Erfahrung lehnt der Großteil der Bevölkerung das ab, sieht sich aber aus verschiedenen Gründen nicht umstande, etwas dagegen zu tun.

    Ich hab vor zwei Jahren versucht, mir das etwas genauer anzusehen, als die Anzahl an Mladić-Graffiti in Belgrad explodiert ist.

    Beograd, Džordža Vašingtona, June 2022 – balkan stories

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