Krisenstimmung im kroatischen Tourismus

Die hohen Preise in Tourismusbetrieben an der kroatischen Adriaküste (Balkan Stories berichtete) sind zum Aufregerthema in Kroatien geworden. Und sorgen im Tourismus zu Saisonbeginn für Krisenstimmung. Sogar der kroatische Finanzminister bezieht Stellung.

17 Euro für eine Portion Ćevape. Kaum etwas taugt mehr als Symbol dafür, wie kroatische Tourismusbetriebe entlang der Adriaküste ihre Gäste abzocken.

Gleichwohl, 18 Euro für eine Pizza und dreieinhalb Euro für eine Kugel Eis sind auch nicht schlecht. Oder Burger für 22 Euro.

Diese Preise hat die kroatische Tageszeitung Dnevnik dokumentiert.

Auf Korčula kosten zwei gefüllte Croissants und zwei Tees 15,68 Euro.

Vier Scampi und Beilage kommen in Opatija auf 18 Euro, wie eine Balkan Stories-Leserin dokumentiert.

Auch die Kosten für Unterkünfte sind durch die Decke geschossen.

Finanzminister kritisiert hohe Preise

Im Schnitt dürften die Preise im Vergleich zum Vorjahr zwischen 20 und 30 Prozent gestiegen sein, in einzelnen Betrieben und bei einzelnen Speisen noch deutlich mehr.

Das ist etwa doppelt so viel wie die allgemeine Inflation in Kroatien.

Das regt nicht nur nachvollziehbarerweise Touristen auf.

Kroatische Medien reißen die Augen weit auf ob der Preise entlang der gesamten Adria-Küste.

Kroaten könnten sich den Urlaub zuhause nicht mehr leisten, so der Tenor in vielen der Artikel.

Auch der kroatische Finanzminister Marko Primorac sieht sich zu einer Stellungnahme genötigt.

Er kritisiert öffentlich die hohen Preise vor allem in der Gastronomie entlang der Adriaküste.

„Ich weiß nicht, mit welchem Aufwand man 3,5 Euro für eine Kugel Eis oder vier Euro für Palatschinken rechtfertigen kann“, sagte Primorac in einer Pressekonferenz.

Es wird öffentlich die Frage gestellt, ob die irren Preise Kroatien als Touristenziel nachhaltig schädigen.

Soll eine Krise schöngeredet werden?

Primorac‘ Regierungskollegin Nikolina Brnjac, Ministerin für Tourismus, bemüht sich, die aufkommende Krisenstimmung zu beruhigen.

So schlimm sei es nicht, meint sie, und liefert eher weniger überzeugende Argumente.

Die Nächtigungszahlen seien praktisch gleich hoch wie im Rekordjahr 2019, sagt sie.

Allein seit dem Vorjahr haben kroatische Tourismusbetriebe 50.000 Betten mehr geschaffen – in Hotels, und vorwiegend in Privatunterkünften.

Diese zusätzlichen Betten dürften großteils leer stehen.

Anekdotisch mehren sich Berichte, dass mehr Gäste ihren Aufenthalt stornieren.

Aus einigen Gemeinden hört man, dass heuer deutlich weniger Gäste kommen würden als im Vorjahr – und das bereits jetzt.

In Lovran etwa sind die Hotels gut gebucht, bei Privatunterkünften liegt das Minus freilich bei zehn Prozent, sagt Zvijezdana Klobučar Filčić, Vorsitzende der Lovraner Touristenvereinigung.

Einige Branchenvertreter wie Klobučar Filčić gehen öffentlich davon aus, dass es heuer weniger Gäste geben könnte als im Vorjahr oder zumindest im Rekordjahr 2019.

Mit gestiegenen Kosten sind die Preise nicht zu rechtfertigen

Offen wird zugegeben: Für die Qualität, die Kroatien biete, seien die Preise viel zu hoch.

Das mag stimmen oder auch nicht – zu hoch sind die Preise angesichts des Gehaltsniveaus in Kroatien auf jeden Fall.

Das gilt nicht nur in Hinblick darauf, ob sich Kroaten einen Urlaub zuhause leisten können.

Dass Kellner auch an der Adriaküste deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen etwa in Österreich oder Italien, und dass die Betriebe die gleichen Preise verlangen wie Tourismusbetriebe in etwa diesen beiden Ländern, zeigt vor allem: Die irrwitzigen Preise kommen vor allen den Betrieben zugute, und sind mit gestiegenen Kosten nicht zu begründen.

Es stellt sich auch die Frage, welche Touristen Kroatien in den nächsten Jahren haben will.

Mit den aktuellen Preisen verprellt die Touristenbranche die bisherigen Gäste aus dem Kerneinzugsgebiet. Das sind der deutschsprachige Raum und das ehemalige Jugoslawien.

Das Preisniveau macht den Urlaub an der kroatischen Adriaküste allenfalls für Touristen aus Staaten mit sehr hohen Einkommen attraktiv – etwa aus den skandinavischen Staaten und den USA.

Um die buhlen sich schon andere Tourismusregionen.

Das Finanzergebnis der Tourismusbranche dürfte nach den Erwartungen einiger Branchenvertreter in etwa gleich hoch sein wie im Vorjahr – bei geradezu absurd gestiegenen Preisen.

„Dieses Tourismusjahr wird gut, es wird nicht so außergewöhnlich wie das letzte – das sieht man schon –, aber es wird gut. Die Frage ist jedoch, wie viele Betriebe nächstes Jahr überleben werden“, sagt etwa Boris Žgomba, Sprecher für den Verband kroatischer Reisebüros.

Das ist nur die euphemistische Version des vorhergehenden Absatzes.

Bedenkt man, dass die auch die Nächtigungskapazitäten massiv ausgebaut wurden, deutet das darauf hin, dass etliche Betriebe in Bedrängnis kommen könnten.

Eine politische Strategie gegen diese Krise scheint es nicht zu geben. Das kritisiert etwa Ljubo Jurčić in einem Interview mit dem kritischen Sender N1. Er ist Präsident der kroatischen Ökonomenvereinigung.

Stattdessen scheinen die politische Verantwortlichen eine Vogel Strauß-Politik zu betreiben.

Das wird die selbstgemachte Krise des kroatischen Tourismus eher nicht beenden.


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