Der serbische Sozialdemokrat Đorđo Žujović hat am Mittwoch die serbische Polizei in Beograd blamiert. Er hat ein Wandgemälde des Völkermörders Ratko Mladić übermalt. Das Gemälde steht unter dem persönlichen Schutz von Innenminister Aleksandar Vulin. Er hatte gestern zwei Menschenrechtsaktivistinnen festnehmen lassen, die das Schandmal mit Eiern beworfen hatten. Das hat die Diskussion um das Wandgemälde erst recht befeuert.

Weißer Kalk überdeckt das Gesicht des Schlächters von Srebrenica in der Innenstadt von Beograd. Manchen Medienberichten zufolge ist es weiße Farbe.

Đorđo Žujović, ein Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Serbiens, hat die weiße Flüssigkeit am Mittwochvormittag angebracht.

Vielleicht lag noch die Blume darunter, die Serbiens nationalistischer Innenminister Aleksandar Vulin in der Nacht vor dem Wandgemälde mit dem Konterfei von Ratko Mladić in der Ulica Njegoševa laut klix.ba niedergelegt hatte.

Eine Blamage für die serbische Polizei.

Nicht einmal die blitzartige Übermalung des Wandgemäldes konnte sie verhindern, das ihr oberster Chef gleichsam unter seinen persönlichen Schutz gestellt hatte.

Dienstagmorgen hatten Polizisten in Zivil noch die Aktivistinnen Aida Ćorović und Jelena Jaćimović festgenommen. Aida hatte gerade noch geschafft, Mladić mit zwei Eiern zu bewerfen.

Besonders bizarr die Stellungnahme von Aleksandar Vulin. De facto bezeichnete er die Festnahme der Aktivistinnen als antifaschistischen Akt.

Vulin ist Gründer und Vorsitzender der nationalistischen Partei „Sozialistische Bewegung“.

„Es ist meine menschliche Pflicht, das Wandgemälde zu zerstören“, sagte Đorđo Žujović gegenüber Nova.rs. „Es befleckt uns alle“.

Đorđo schildert auch, er sei von einem Unbekannten bedroht worden.

Nach ersten Berichten über die neuerliche Übermalung versammelten sich am frühen Mittwochnachmittag mehrere junge Männer, um das Wandgemälde mit dem Portrait von Ratko Mladić zu reinigen.

Der Völkermörder als Volksheld für Nationalisten

Das Versammlungsverbot, das Vulin vor wenigen Tagen rund um das Wandgemälde ausgesprochen hatte, ist nach wie vor in Kraft.

Mladić sitzt wegen des Völkermords von Srebrenica in lebenslanger Haft. Er war der Befehlshaber jener Einheiten der Armee der Republika Srpska, die 1995 in der bosnjakischen Enklave mehr als 8.000 Buben und Männer ermordeten.

Nationalistischen Serben gilt er als Volksheld.

Sie streiten den Massenmord entweder gänzlich ab oder spielen seine Dimensionen herunter.

Vučić stellt sich hinter Polizei

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, Vorsitzender der nationalkonservativen Partei SNP, stellte sich am Mittwoch diplomatisch hinter die serbische Polizei, die das Wandgemälde schützt.

Wäre die Polizei nicht dort, hätte es Übergriffe gegeben. Die Polizei habe die Aufgabe, alle serbischen Bürger zu schützen, sagte der Präsident in einer öffentlichen Stellungnahme.

Anders als von Aleksandar Vulin erhofft, scheint sich der Skandal um das Wandgemälde auch mit noch so viel Polizei nicht unterdrücken zu lassen.

Die nächste Aktion ist eine Frage von Tagen, vielleicht von Stunden

Die Übermalung am Mittwoch war der dritte Anlauf seit dem Wochenende, das Schandmal unsichtbar zu machen – oder ihm zumindest den ehrenden Charakter gegenüber dem Kriegsverbrecher Mladić zu nehmen.

Auch in der Vergangenheit hatte es mehrere Anläufe gegeben. Das Wandgemälde wurde im Sommer angebracht. Mit dem Druck durch Aleksandar Vulin und die Polizei stieg freilich die öffentliche Aufmerksamkeit.

Und damit auch die Empörung vieler Serbinnen und Serben, dass überhaupt ein Wandgemälde in der serbischen Hauptstadt einen Kriegsverbrecher wie Mladić ehren soll.

Dass es neue Anläufe geben wird, das Schandmal zu beseitigen, erscheint eher eine Frage von Tagen, wenn nicht gar Stunden.

Und irgendwann werden sich die Schäden nicht mehr innerhalb weniger Stunden beseitigen lassen, wie das am Mittwoch der Fall war.

Von der Blume, die Innenminister Aleksandar Vulin für Mladić niedergelegt hatte, war am Ende der Reinigungsaktion übrigens nichts mehr zu sehen.

Titelfoto: Autor unbekannt