Dieses Foto zeigt die Hoffnungslosigkeit der jungen Menschen in Bosnien. Diese Menschen warten in Banja Luka auf den Bus in die Slowakei. Dort werden sie drei Monate lang in einer Fabrik arbeiten. Um 500 Euro im Monat.

Es ist ein schnelles Foto, das Božidar Mihajlović mit dem Handy gemacht hat, als er am Mittwoch einen Freund zum Busbahnhof gebracht hat.

Der Freund, Armin, wird wie die anderen jungen Menschen auf diesem Bild und dutzende weitere zum Arbeiten in die Slowakei fahren. Bis zu 200 Menschen hätten in Banja Luka auf die Fahrt gewartet, schreibt Božidar.

Gut zehn, elf Stunden Busfahrt haben diese jungen Menschen vor sich.

„Armin zittert vor Angst, weil er nicht weiß, wie es in der Slowakei wird“, schreibt Božidar.

Armins Zweifel sind gerechtfertigt

Die Bedingungen, unter denen Armin und die anderen ihre Arbeitskraft verkaufen, sind widrig genug, um Zweifel zu haben.

90 Tage lang werden sie in einer Fabrik Autoteile herstellen. Zwölf Stunden am Tag. Der Lohn beträgt 2 Euro 30 die Stunde. Den Arbeitern werden 500 bis 650 Euro Lohn pro Monat in Aussicht gestellt.

Untergebracht werden sie in Wohnheimen. Die sind gratis und haben Internet – in der Regel sind es aber Zwei- oder Dreibettzimmer, schreibt die bosnische Leiharbeitsfirma FTA auf ihrer Homepage.

Bettwäsche und Essen für die ersten zehn Tage sind selbst mitzunehmen.

In der Fabrik gibt es eine gratis Mahlzeit am Tag.

Das ist der vergleichsweise angenehme Teil.

Dem Arbeitgeber auf Gedeih und Verderb ausgeliefert

Die Leiharbeitsfirma empfiehlt, 30 bis 50 Euro Bargeld für die Rückfahrt mitzunehmen. Nimmt einen die Fabrik nicht auf, muss man die Busfahrt nachhause selbst bezahlen.

Das gleiche gilt für den Fall einer Kündigung.

Zusätzlich dürfen die Eigentümer einer Fabrik eine Pönale verlangen, wenn ein Arbeiter oder eine Arbeiterin gekündigt wird. Wie hoch die ist, gibt FTA nicht an.

Armin und die anderen jungen Menschen, die am Mittwoch in Banja Luka auf den Bus in die Fabrik gewartet haben, sind dem Arbeitgeber und FTA in den nächsten drei Monaten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

FTA versorgt nach eigenen Angaben mehrere Fabriken in der Slowakei mit billiger menschlicher Arbeitskraft aus Bosnien.

Die Arbeitslosigkeit lässt kaum eine Wahl

Nach 90 Tagen müssen sie wieder nach Bosnien. Nach 90 weiteren Tagen dürfen sie – theoretisch – wieder in einer der Fabriken arbeiten, die FTA beliefert.

Freiwillig macht das keiner. Die hohe Arbeitslosigkeit lässt den Betroffenen nur kaum eine Wahl.

Landesweit liegt sie offiziell bei um die 30 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit ist doppelt so hoch.

Besonders schlimm ist es in der Republika Srpska (RS), dem serbisch dominierten Teilstaat Bosniens. Er ist die ärmere Landeshälfte.

Banja Luka ist die Hauptstadt der RS.

Arbeit ist auch für slowakische Verhältnisse schlecht bezahlt

Das lässt Arbeit attraktiv erscheinen, die selbst nach slowakischen Maßstäben schlecht bezahlt ist. Durchschnittlich verdienten Slowaken im Jahr 2016 845 Euro brutto im Monat.

Aus der Slowakei wandern wegen hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Löhne jährlich tausende Menschen aus, vornehmlich nach Deutschland, Österreich und Tschechien.

Dazu kommen Tausende, die zu Hause leben, aber in einem Nachbarland arbeiten.

Der Exodus hat aber bei weitem nicht die Dimensionen erreicht, mit denen die meisten Länder Ex-Jugoslawiens konfrontiert sind.

Aus Serbien und Bosnien wandern pro Jahr jeweils zwischen 30- bis 50.000 Menschen aus. Nicht viel anders dürfte es in Kroatien sein.

Mitarbeit: Jugoslav Krminac

Foto: Božidar Mihajlović

Dieser Beitrag ist auch bei den Ruhrbaronen erschienen.