Der serbisch-montenegrinische Schriftsteller Petar Milatović-Ostroški ist in Wien wegen Versicherungsbetrugs verurteilt worden. Er hatte einen Raubüberfall auf sich erfunden und von seiner Versicherung 11.000 Euro kassiert.

Petar Milatović-Ostroški ist glimpflich davongekommen. Das Landesgericht Wien hat den in der österreichischen Bundeshauptstadt lebenden Schriftsteller zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt, berichtet die Tageszeitung Der Standard in einer Reportage.

Lediglich die Staatsanwaltschaft könnte dazwischenkommen. Sie hat bislang keine Erklärung zum Urteil abgegeben. Der Schuldspruch erster Instanz ist nicht rechtskräftig.

Vor einem halben Jahr hatte Milatović-Ostroški vorgetäuscht, dass ihn Unbekannte in seiner Wohnung überfallen und beraubt hätten. Um das glaubwürdig erscheinen zu lassen, fesselte er sich selbst die Hände hinterm Rücken zusammen.

Der angebliche Überfall sorgte bis nach Serbien für Schlagzeilen.

„Kommunistische Spione“ seien das gewesen, verkündete Milatović-Ostroški damals. Er vermute, dass der Raubüberfall ein politischer Anschlag gewesen sei.

Sogar einen serbischen Reisepass eines angeblichen Räubers hatte er in der Wohnung platziert.

Interpol schrieb den Mann zur Fahndung aus. Dass der mutmaßliche Räuber verstorben war, bewahrte ihn vor einer Festnahme.

Die Versicherung überwies Milatović-Ostroški 11.000 Euro für seinen angeblichen Schaden. Die wird der Autor in den nächsten vier Jahren ratenweise zurückzahlen.

In Serbien wurde bislang nichts über das Urteil berichtet.

An wirklich allem sind die Kommunisten schuld

Auch wenn das das erste Delikt ist, dessen er verurteilt wird, ist die Farce typisch für das Leben des unbedeutenden Autors Petar Milatović-Ostroški.

Mit kruden Verschwörungstheorien macht er mehr von sich reden als mit seinen Büchern.

Der in Montenegro geborene Autor geriert sich ganz in serbisch-nationalistischer Manier als Kommunistenfresser.

Hinter allem wittert er kommunistische Verschwörungen. In einem Offenen Brief an den serbischen Nationalisten Vojislav Šešelj warnte er, dass die Četnik-Bewegung von Kommunisten unterwandert werde.

In einem Buch über Antisemitismus in Serbien macht er die Kommunisten verantwortlich, dass es bis heute Antisemitismus in Serbien gibt. Das gilt auch für den Antisemitismus, dem sich die serbisch-orthodoxe Kirche seit dem Zerfall Jugoslawiens nicht abhold zeigt.

Dahinter stecken für ihn – erraten – „kommunistische Spitzel in der Kirche“.

Serbische Wiener Migrantenvereine haben sich von ihm distanziert. Milatović-Ostroški sei extremer Nationalist.

Einer, der FPÖ-Chef Heinz Christian Strache versucht hat, in Serbien salonfähig zu machen. 2008 begleitete der Autor den Politiker auf einer Tour durch seine alte Heimat.

Milatović-Ostroški kontert die Vorwürfe mit der Aussage, die Vereine seien nur auf Subventionen aus. Er halte so etwas für „zigeunerisch.“

Das sagt auch niemand, der frei ist von Antiziganismus.

Er selbst hält sich für einen „Patrioten“.

Der Weg zum Betrug ist nicht weit

Bei so viel strammen Nationalismus ist der Weg zum Betrug nicht weit.

Es mag Milatović-Ostroški ein Trost sein, dass er mit seinem freizügigen Umgang mit dem Geld Anderer nicht alleine ist unter Nationalisten.

In diesen Kreisen gehören Korruption, Betrug, Diebstahl, Unterschlagung und so weiter geradezu zum guten Ton.

Erst am Freitag wurde der ehemalige FPÖ-Politiker Peter Westenthaler wegen schweren Betrugs zu 30 Monaten Haft verurteilt. Zehn Monate muss er sitzen, der Rest wird auf Bewährung ausgesetzt. Westenthaler wird gegen das Urteil berufen.

Knapp vor Weihnachten erwischte es den ehemaligen Kärntner Landesrat und FPÖ-Politiker Harald Dobernig. Zwei Jahre Haft wegen Untreue. Acht Monate muss er im Hausarrest absitzen.

Wie überhaupt fast alle FPÖ-Landesräte der letzten FPÖ-geführten Kärntner Landesregierung mittlerweile wegen diverser Delikte verurteilt sind.

Die Liste einschlägig verurteilter FPÖ’ler ist eine bezeichnend lange.

Auch in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens tun sich die Nationalisten besonders eifrig bei der Korruption hervor.

Ob es die Gefolgschaft von Milorad Dodik in der Republika Srpska in Bosnien ist oder der Izetbegović-Clan im zweiten bosnischen Teilstaat Federacija: Vorwürfe, dass man das Amt missbraucht, um sich zu bereichern, gibt es ständig.

Oder man denke, wie Korruption und organisiertes Verbrechen blühten im Serbien der 90-er. Die Anführer der serbischen Mafia-Clans gerierten sich als besondere „Patrioten“ und zogen mit Milizen auch in den Krieg nach Kroatien und Bosnien.

Auch heute blüht die Korruption in Serbien. In Mazedonien ist es vielleicht noch schlimmer. Vom Kosovo will man gar nicht reden.

Korruption gilt am Balkan als endemisch.

Nur mit den Verurteilungen hapert’s meistens.

Nationalist und Gauner, das geht so oft Hand in Hand, dass man die Wörter beinahe synonym verwenden könnte.

Dem steht nur entgegen, dass nicht jeder Gauner auch Nationalist ist.