Ein würdiges Gedenken an einen Freund

Mein Hund wäre heute 16 Jahre alt geworden. Er starb im Vorjahr. Zum Gedenken an ihn möchte ich auf die vielen Hunde im ehemaligen Jugoslawien hinweisen, die ein Zuhause suchen.

Nur in Slowenien habe ich keine herrenlose Hunde gesehen. Aber dort bin ich nicht so oft.

In jedem anderen Nachfolgestaat Jugoslawiens leben Hunde auf der Straße. Auch in Kroatien.

Wie viele es sind, weiß niemand. Zehntausende sind es sicher.

Als Faustregel kann man sagen: Je südlicher, desto mehr.

Siehe etwa hier in Prishtina.

Zwei Hunde stehen auf einem unbefestigten Weg, umgeben von hohem Gras und Bäumen.

Oder siehe hier im Stadtzentrum von Skopje.

Dort sind sie nicht ungefährlich. Hunderudel jagen fallweise Radfahrer.

Siehe hier in Podgorica.

Ein Hund schnüffelt an einem Recyclingautomaten, der Futter für Tiere anbietet.

Dort gibt es einen Reciklomat, mit dem man Hunde füttern kann. Ich habe berichtet.

In Serbien hält man das Stadtzentrum von Beograd einigermaßen frei von Straßenhunden. Am Stadtrand gibt es nach wie vor welche.

Auch in Novi Sad laufen einige herum. Wenige im Vergleich zu den Städten weiter südlich, aber immerhin.

Ein Hund steht auf einem Gehweg neben einer blühenden Gartenlandschaft mit bunten Blumen.
Straßenhund vor dem Bahnhof von Novi Sad

In den ländlichen Gemeinden gehören Straßenhunde quasi zum Lokalkolorit. Etwa hier in Banja Koviljača.

Ein entspannter Hund liegt auf einer Mauer vor einem Gebäude, umgeben von Gras und Blumen.

Die meisten Streuner habe ich in Bosnien gesehen

Die meisten Fotos von Straßenhunden habe ich in Bosnien fotografiert. Dort bin ich auch am häufigsten.

Dieser Welpe in Zvornik war sehr zutraulich.

Ein schwarzer Hund, der an einem Gewässer entlanggeht, mit grünem Gras im Hintergrund.

Dieses Foto stammt aus Zenica.

Ein schwarzer Hund liegt entspannt auf dem Boden vor einem Geschäft mit einem Geldautomaten und großen Schaufenstern.

Dieser Hund lebte offenbar in der Nähe der „Pyramiden“ von Visoko. Strategisch nicht ungünstig. Hier kommen Touristen vorbei. Einige haben Essen bei sich.

Ein Hund sitzt auf einem Parkplatz zwischen zwei Autos.

Diesen Streuner habe ich in Tuzla fotografiert. Interessanterweise waren zumindest damals die Straßenhunde dort merklich kleiner als in anderen Städten Bosniens.

Ein brauner Hund läuft über die Straße.

Hier liegt ein Streuner vor einer Moschee in Travnik.

Ein roter Hund liegt entspannt auf dem Boden, umgeben von historischen Säulen.

Zu landesweiter Bekanntheit gebracht hat es Medo in Grbavica in Sarajevo. Er passte auf seine Mahala auf, und wurde zum Liebling der Anrainer. Sein tragischer Tod erregte landesweite Aufmerksamkeit. Balkan Stories berichtete exklusiv auf Deutsch.

Eine Gruppe von Menschen in einer Stadtstraße, einschließlich eines Mannes in einem schwarzen Jacket, der an einem Hund vorbeigeht, während zwei weitere Personen sich bücken, um den Hund zu beobachten. Im Hintergrund sind Graffiti auf einer Backsteinmauer zu sehen.
Medo, Sarajevos beliebtester Streuner

In Sarajevo sind die Straßenhunde zurück

Aus dem Stadtzentrum von Sarajevo waren die Staßenhunde einige Jahre verschwunden. Die streunenden Katzen vermehrten sich in diesen Jahren wie wild.

Mittlerweile sind ein paar herrenlose Hunde ins Zentrum zurückgekehrt. So wie dieser sehr zutrauliche Avlijaner im September 2025.

Ein Mann mit Rucksack geht einen Bürgersteig entlang, während ein Hund ihm entgegenkommt. Im Hintergrund sind Straßen und Gebäude zu sehen.

Mein gespaltenes Verhältnis zu Streunern

So sehr ich Hunde liebe, zu Straßenhunden habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Sie sind ein reales Problem für Menschen.

Sie bilden Rudel. Die können aggressiv werden. In Zenica etwa gab es lange Straßenhunde, die in der Gegend des Busbahnhofs Autos jagten und versuchten, in offene Fenster vorbeifahrender Autos zu springen.

In Brčko gibt es Gegenden, da gehen Einheimische nachts nur mit einem Stock oder Steinen hin. Eine Freundin von mir hat dort als Kind traumatische Erlebnisse mit Straßenhunden gemacht. Sie hat seitdem Angst vor Hunden.

Ich wurde vor sieben Jahren in Novi Sad beinahe von einem Rudel Straßenhunde angefallen.

Fallweise hat das auch positive Seiten. Siehe diesen Fall aus Podgorica vor einigen Jahren. Interessanterweise hieß der Hund, der damals für Schlagzeilen sorgte, auch Medo – so wie die Legende aus Sarajevo.

Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass Straßenhunde ein potentielles Tollwutreservoir sind. Und nicht überall gibt es effektive Programme, die Tollwut zu kontrollieren.

Im Kosovo etwa ist das ein latentes Problem. Vor wenigen Jahren etwa berichtete ein US-amerikanischer Tourist in einem Internetforum, dass ihn ein Straßenhund in Prishtina gebissen habe. Er versuchte, im Spital eine Tollwutimpfung zu bekommen. Man hatte keinen Impfstoff vorrätig.

Auch sonst funktionieren die Programme aus Geldmangel nicht sehr gut. Dass es im Kosovo seit Jahren keinen Tollwutfall bei Menschen gegeben hat, dürfte mehr auf Glück zurückzuführen sein.

Die Straßenhundepopulation ist schwer zu kontrollieren

Es ist auch sehr schwierig, die frei lebende Hundepopulation zu kontrollieren. Sie vermehren sich von selbst. Und es gibt ständig Nachschub. Viele Menschen am Balkan setzen ihre Hunde aus, wenn sie sie nicht mehr wollen, oder kein Geld mehr für sie haben.

Es laufen auch ständig Haushunde weg.

Das hat auch damit zu tun, wie sie gehalten werden. Am Balkan lassen Menschen ihre Hunde nicht gerne in die Wohnung oder ins Haus. Wenn sie die Möglichkeit haben, halten sie sie im Garten. Aus einem Garten kann man auch weglaufen.

Die einzige Kleinstadt in der Region südlich bzw. östlich von Kroatien, in der ich keine Straßenhunde gesehen habe, ist Stolac in der Hercegovina. Das ist Demir Mahmutćehajić zu verdanken. Der Unternehmer und Biobauer hat ein Grundstück für die Straßenhunde der Stadt zur Verfügung gestellt.

Dass dieses einzige wirklich funktionierende Beispiel für ein Hundeasyl eine Privatinitiative ist, sagt viel aus, wie gut oder nicht gut die öffentlichen Strukturen nicht nur in Bosnien funktionieren.

Generell kastrieren Tierärzte in der Region freilaufende Hunde gratis. Es gibt aber kaum öffentliche oder private Strukturen, die ausreichend Hunde für diese Operation zu Tierärzten bringen würden.

Von barbarisch bis liebevoll – wie man am Balkan mit Hunden umgeht

Viele Besitzer haben eine viel distanziertere Beziehung zu ihrem Hunden als das im deutschsprachigen Raum üblich ist. Das zeigen ein paar Beispiele aus Sarajevo. Eine Bekannte etwa sperrt ihre Hündin auf den Balkon, wenn sie nicht zuhause ist. Andere Bekannte halten ihre Hunde im Garten an der Kette.

Kettenhunde – ein barbarisches Phänomen, das man vor allem in den Kleinstädten der Region ständig sieht. Es bricht einem das Herz.

Das soll einen nicht vergessen lassen, wie liebevoll viele Besitzer mit ihren Hunden umgehen. Manchmal sind es auch adopierte Straßenhunde – so wie bei diesem Beispiel in Beograd.

An Žiles Schicksal sieht man auch, dass das Dasein als Streuner kein unveränderliches Schicksal ist. Und dass bei den richtigen Besitzern die allermeisten Straßenhunde gut sozialisiert werden können.

Ein schwarzer Hund steht in einem Restaurant und nimmt ein Leckerli von einer Hand.

Siehe auch die süße Hündin von Journalistenkollegin Mirella Sidro. Mirella hat Rhea im Vorjahr als halb verhungerten Welpen vor der Haustür gefunden.

Frau sitzt auf einer Bank neben einem Labrador, vor einem historischen Hintergrundbild.
Mirella Sidro und ihre Rhea.

Warum man einen Straßenhund adoptieren sollte

Es gibt auch viele Organisationen, die es ermöglichen, Hunde aus der Region zu adoptieren. Mein Freund Gernot etwa hat Nilly aus Sviloš in der Vojvodina adoptiert. Sie ist seine zweite Hündin, die er adoptiert hat. Nilly hat ihre ersten neun Monate auf der Straße verbracht, und wurde vom örtlichen Tierheim der österreichischen Organisation Animals Care Austria aufgepeppelt und vermittelt.

Ein Mann kniet im Freien und umarmt einen schwarzen Hund, während sie sich gegenseitig liebevoll ansehen. Im Hintergrund sind Weinreben und Hügel sichtbar.
Foto: Gernot Buchegger

Gernot engagiert sich auch für die Organisation, die ihm seine neue Freundin vermittelt hat, und hilft, Hunden einen neuen Besitzer in Österreich zu finden.

Ich stelle bei Interesse gerne den Kontakt her.

Der Verein „Save the Dogs“ von Bruno und Sara Jelović betreut vier große Areale mit Hunden in Bosnien. Ein fünftes ist im Entstehen. Mehr lest ihr hier.

Einen Einblick in Brunos Engagement findet ihr auch auf seinem Instagram-Account.

Auch wenn gerade heute die Erinnerung an meinen verstorbenen Hund Dingo von Trauer überlagert wird – aus persönlicher Erfahrung kann ich nur jeder und jedem raten, einen Hund zu adoptieren.

Mein kleiner großer Avlijaner wurde im Bauch der Mutter an der ungarischen Grenze gefunden, und kam vor genau 16 Jahren in einem kleinen Asyl im östlichen Niederösterreich zur Welt.

15 Jahre lang war er mein treuer Freund und Gefährte.

Etliche Freund- und Bekanntschaften sind vor allem durch ihn entstanden, dieses fast 40 Kilo schwere Schmusemonster.

Er hat mich auf Trab gehalten. So lästig manchmal Gassi gehen oder längere Spaziergänge sein können, sie fehlen mir sehr.

Ich weiß nicht, ob ich wieder einen Hund haben werde. Vielleicht brauche ich noch Zeit, bis die Freude, an einen Hund, meinen zukünftigen Hund, zu denken die Trauer um Dingo überwiegt.

Aber ich weiß, ich werde jede und jeden unterstützen, der oder die überlegt, einen Hund zu adoptieren. So schmerzhaft die letzten Momente im Leben eines Hundes für einen Besitzer auch sein mögen – sie in unserem Leben zu haben, ist eines der schönsten Dinge, die es gibt.

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