Nach ersten Ermittlungserfolgen der Mailänder Staatsanwaltschaft in der Causa Sarajevo Safari wachen bosnische Einrichtungen und Behörden langsam auf. Die Stadt Sarajevo will Parteienstellung in dem italienischen Strafverfahren beantragen. Bei der Sarajevo Safari zahlten reiche Ausländer Geld, um Jagd auf Menschen im belagerten Sarajevo zu machen.
Der Gemeinderat von Sarajevo hat beschlossen, dass die Stadt Parteienstellung im Ermittlungskomplex Sarajevo Safari beantragen soll.
Das würde der Stadt Akteneinsicht in die laufenden Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft geben, und ihr ermöglichen, allfällige Schadenersatzforderungen an verurteilte Mördertouristen der 1990-er durchzusetzen.
Was wie ein mutiger Schritt klingt, erweist sich bei genauerem Hinsehen als Entscheidung, bei der unverständlich ist, warum sie nicht schon längst erfolgt ist.
2022 zeigte die Doku Sarajevo Safari des slowenischen Regisseurs Miran Zupanič, dass die Vorwürfe plausibel waren, dass während der Belagerung Sarajevos reiche Ausländer der Armee der Republika Srpska Geld zahlten, um Jagd auf Zivilisten in der belagerten Stadt zu machen.
Die Doku lieferte Belege, dass dieser Mördertourismus gut organisiert war.
(Balkan Stories berichtete als erstes deutschsprachiges Medium über die Doku.)
Die damalige Bürgermeisterin Benjamina Karić (SDP) erstattete Strafanzeige. Bosnische Ermittlungsbehörden unternahmen augenscheinlich nichts.
(Mehr über die jahrzehntelang verschleppten Ermittlungen lest ihr hier.)
Erst als im November die Mailänder Staatsanwaltschaft bekanntgab, dass sie Ermittlungen aufgenommen hatte. kam wieder Bewegung in die Causa. Die Recherchen des italienischen Journalisten Ezio Gavazzeni hatten glaubhafte Belege geliefert, dass Italiener zu den Mörder-Touristen der 1990-er gehörten.
(Balkan Stories berichtete als erstes deutschsprachiges Medium.)
Der mittlerweile neu gewählte Gemeinderat von Sarajevo unter Bürgermeister Samir Avdić (Narod i Pravda) ließ sich drei Monate lang Zeit, um die Arbeit wiederaufzunehmen, die Benjamina drei Jahre zuvor begonnen hatte. Trotz des gewaltigen internationalen Medieninteresses.
Aber immerhin, der Schritt könnte Druck auf bosnische Ermittlungsbehörden erhöhen, selbst Ermittlungen aufzunehmen.
Keine Informationen über internationale Zusammenarbeit
Das dürfte bisher nicht passiert sein, wie etwa der bosnische Anwalt Vlado Adamović kritisiert. Er fordert, dass bosnische Behörden auf die Mailänder Staatsanwaltschaft zugehen und Informationen austauschen.
Polizeibehörden und Staatsanwälte arbeiten routinemäßig international zusammen, wenn ein besserer Taschendieb seine Verbrechen in mehreren Staaten begangen haben könnte, oder sich in seinem Heimatland vor der Strafverfolgung in einem anderen Staat verstecken will.
Beim Verdacht auf systematische Kriegsverbrechen wie hier ist internationale Kooperation ohnehin Routine.
Mit Inter- und Europol gibt es zwei renommierte Einrichtungen, die diese Zusammenarbeit koordinieren.
Nur in Bosnien scheint das ein größeres Problem zu sein. Oder bosnische Behörden fühlen sich nicht bemüßigt, die Öffentlichkeit über derart wichtige Ermittlungsschritte zu informieren.
Das lässt tief blicken.
Mehr über die Sarajevo Safari und die jüngsten Ermittlungen könnt ihr hier nachlesen.
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