Die serbischen Postler streiken. Das ist nicht das einzige Problem, das die Geschäftsführung der Post hat. Ihr neues Logo sorgt für Häme, Teile der Opposition stellen den Verdacht von Korruption in den Raum.
Die Postgewerkschaft hat einen guten Zeitpunkt gewählt, um Druck zu machen, die niedrigen Gehälter der serbischen Postler zu erhöhen.
Nicht einmal 500 Euro Einstiegsgehalt bekommen Briefträger in Serbien. Davon kann man nicht einmal hierzulande leben.
Das Weihnachtsgeschäft ist angelaufen. Der Streik der Postler sorgt für Wirbel.
Die Spitze der serbischen Regierung sah sich zu Treffen mit den Streikenden genötigt.
Das sind nicht die einzigen Sorgen, die Zoran Đorđević dieser Tage hat. Er ist Generaldirektor der serbischen Post.
Der ehemalige Sozialminister der Regierungspartei SNS steht auch wegen des neuen Logos der serbischen Post in der Kritik – vor allem in sozialen Netzwerken.
Das neue Logo ist genau genommen das alte – nur mit etwas weniger Farben. Die serbische Post verwendet es seit Anfang 2022.
Das wäre angesichts der geringfügigen Veränderungen auch in Österreich eine absurd hohe Summe. In Serbien erst recht.
Den lukrativen Auftrag soll Draginja Vlk bekommen haben.
Die 34-Jährige hat ein Diplom für European Studies und internationale Beziehungen, etwas Erfahrung im öffentlichen Sektor und im Marketing – und ist Parlamentsabgeordnete der SNS.
Mit Design hat sie laut ihrer Biographie nichts am Hut.
Nicht nur in Sozialen Medien erheben viele den Vorwurf, hier sei sehr viel öffentliches Geld verschwendet worden.
Auch Marina Pavlić von der Bürgerinitiative Kreni-Promeni erhebt öffentlich den Vorwurf der Günstlingswirtschaft.
Post und Abgeordnete bestreiten Vorwurf
Beweise, dass Vlk oder eine Firma, die ihr gehört, mit dem Relaunch bzw. Rebranding der serbischen Post beauftragt worden sind, sind bislang noch nicht vorgelegt worden.
Vlk und Đorđević bestreiten öffentlich, dass es jemals einen solchen Auftrag gegeben habe.
Đorđević legte auch eine interne Anweisung vor, mit der er die Verwendung des neuen alten Logos angeordnet hat.
Die Anweisung ist nur freilich auch keine endgültige Entlastung.
Vor allem dementieren die Medien den 1,5 Millionen Euro-Auftrag, die dem serbischen Regime nahestehen.
Das macht es in den Augen der Kritiker nicht glaubwürdiger.
Zumal Kreni-Promeni darauf hinweist, dass Draginja Vlk schon einmal von einem Großauftrag der öffentlichen Hand profitiert hat.
Sie ist Co-Autorin des Malbuches Naša Srbija für Erstklässler.
Seit dem Schuljahr 2021/2022 wird es jedem und jeder Sechsjährigen in Serbien zu Schulbeginn überreicht – die Aktion wird vom serbischen Bildungsministerium finanziert.
Vlks Vorteile aus der Aktion dürften sich im überschaubaren Bereich bewegen. Das patriotisch angehauchte Buch kostet im Buchhandel etwa 2,50 Euro. Das Ministerium kauft es mit Sicherheit mit Rabatt ein.
Mit viel Glück bekommt sie zehn Cent Tantiemen pro Exemplar.
Und als das Malbuch das erste Mal landesweit an alle Kinder übergeben wurde, war Vlk noch nicht einmal Kandidatin für das serbische Parlament.
Die Aufregung sagt sehr viel über das Klima im Land aus
Es mag sehr viel über Serbien und den Balkan insgesamt aussagen, dass eine Kinderbuchautorin mit Hang zu Patriotismus binnen kurzer Zeit Abgeordnete einer klerikal-nationalistischen Regierungspartei wird.
Einen Beweis, dass die serbische Post Draginja Vlk 1,5 Millionen Euro rübergeschoben hat, ist das freilich nicht.
Darauf kommt es freilich in den Augen von Teilen der Öffentlichkeit nicht an, und genau das ist das eigentliche Problem des tatsächlichen oder angeblichen Skandals um das neue alte Logo der Post.
Nicht nur in Serbien haben sich die politischen und wirschaftlich Mächtigen hartnäckig den Ruf erarbeitet, vorwiegend in die eigene Tasche zu wirtschaften.
Das gilt für den gesamten Balkan.
Man bedenke etwa, dass die ehemals staatliche Nachrichtenagentur TANJUG um 600.000 Euro an einen Großspender von Serbiens Präsident Aleksandar Vučić verscherbelt wurde. (Siehe HIER gegen Ende des Artikels.)
Selbst Anhänger der jeweils regierenden Parteien glauben vielfach noch so glaubwürdige Dementis der eigenen Leute nicht mehr.
Dazu kommt, dass die Medien mit sehr wenigen Ausnahmen hier noch mehr als in anderen Teilen Europas als unglaubwürdig gelten, als korrupt und als Organe der jeweiligen politischen Machthaber.
In diesem Klima gedeihen Verschwörungstheorien wie Zuckerrohr auf Kuba.
Wenn alles gleich unglaubwürdigt ist, glauben alle allen alles.
Demokratischer Diskurs ist in einer solchen Atmosphäre unmöglich.
Das nützt denen am meisten, die an der Macht sind.
Das ist kein spezifisch serbisches Problem, noch nicht mal ein spezifisch balkanisches. Aber hier ist es deutlich stärker ausgeprägt als weiter nördlich.
Die Aufregung um das neue alte Logo der serbischen Post ist nur ein Beispiel, das das aufzeigt.
Vielleicht nicht einmal ein besonders schlimmes. Aber ein besonders typisches.
Titelbild: Logo der serbischen Post
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