Dieser Cartoon von Midhat Kapetanović sorgt nicht nur im ehemaligen Jugoslawien für Begeisterung. Er bringt auf den Punkt, was Millionen Menschen am Balkan fühlen und wissen. Und ist ein starkes Zeichen gegen die Polizeiknüppel, die die Proteste in Serbien im Zaum halten sollen.

Wenn jemand in Europa alle Unterstützung braucht, die es gibt, sind es die zehntausenden Serbinnen und Serben, die seit Tagen gegen Polizeigewalt, Regierung und Präsident Aleksandar Vučić auf die Straße gehen.

Nicht nur im ehemaligen Jugoslawien haben Bilder und Videos wie diese für Entsetzen gesorgt.

Das bringt Midhat Kapetanović auf den Punkt. Und viel mehr.

In seiner Zeichnung verteidigen Zagi und Vučko Victor.

(c) Midhat Kapetanović

„Wir alle machen das Gleiche durch“

Victor ist die Statue des nackten Mannes am Kalemegdan in Beograd. Zagi und Vučko sind die Maskottchen Zagrebs und Sarajevos.

„In so einer Situation ist es gut, wenn die Leute wissen, die Nachbarn stehen hinter dir“, sagt der Künstler aus Sarajevo gegenüber Balkan Stories.

„Das war wirklich das Geringste, was ich tun konnte“, sagt Midhat. Ihm sei es ein Anliegen gewesen, die Menschen in der serbischen Hauptstadt zu unterstützen. „Wir alle machen das Gleiche durch“.

Auch wenn er das so nicht sagt: Gemeint sind Korruption, Spielen mit Nationalismus, politische Manöver zum eigenen Machterhalt und eine schlecht funktionierende öffentliche Infrastruktur.

Was die Serben auf die Straße treibt

In Serbien war das in den vergangenen Wochen besonders durchsichtig und das treibt zehntausende Menschen auf die Straße.

Um den Wahlerfolg seiner Partei SNS nicht zu gefährden, ließ Präsident Aleksandar Vučić die drastischen Covid-Maßnahmen im Land lockern.

Es gibt auch Hinweise, dass das Ausmaß der Corona-Epidemie in Serbien vertuscht wurde.

Zumindest bis zu den Wahlen, die von der Opposition boykottiert worden waren.

Seitdem explodieren die Zahlen der Covid-Erkrankten, besonders schwer getroffen hat es die Stadt Novi Pazar.

Um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen, kündigte Vučić einen erneuten drastischen Lockdown an.

Das sorgte für massiven Unmut.

Erste Proteste in Beograd am Dienstag und Mittwoch knüppelte die Polizei brutal nieder.

Mittlerweile hat die Regierung den Lockdown zurückgenommen – die Proteste haben sich freilich auf die meisten größeren Städte des Landes ausgebreitet.

Zehntausende vor allem junge Menschen fordern mittlerweile, dass die Regierung zurücktritt.

Neben dem Versagen, das Leben ihrer Bürger in der Covid-Krise zu schützen, werfen sie der Politik die desaströse wirtschaftliche Lage und die allzu durchsichtigen Machtmanöver Vučićs vor, die de facto ein Einparteien-System unter seiner mehr oder weniger offen autokratischen Führung etabliert haben.

Großes Echo auf Cartoon

In dieser Situation zeigt sich auch jenseits der serbischen Grenzen die Einsicht, dass der Kampf gegen die zunehmend autoritären politischen Verhältnisse im ehemaligen Jugoslawien nur gemeinsam geführt werden kann.

„Vielleicht wird es noch Jahrzehnte dauern“, kommentiert der kroatische Journalist Ladislav Tomičić, „aber wir werden wie normale Menschen leben“.

Entsprechend groß ist auch das Echo auf Midhats Cartoon.

Auf sozialen Netzwerken haben ihn tausende Menschen geteilt. Aus Serbien, Bosnien, Kroatien, aus anderen Staaten des ehemaligen Jugoslawien und zahlreiche Mitglieder der ex-jugoslawischen Dijaspora.

Wahrscheinlich auch viele, die ihren Kampf um ein besseres Leben bisher als einsamen Kampf gesehen haben und nicht als gemeinsamen.

Mehr über die Hintergründe der Proteste in Serbien könnt ihr HIER nachlesen.

Titelbild: Midhat Kapetanović

Mehr von Midhats Zeichnungen und seinen vielen Projekten – er ist unter anderem auch Architekt – könnt ihr HIER finden.