Argina, Filip, Stefan, Berat, Zoki, Dzule und Katerina – das sind die Menschen auf diesem Foto. Sie machen nicht nur einen tollen Job im Cafe Umbrella in Skopje in Mazedonien. Sie machen vor allem Hoffnung, dass in diesem Land ein bisschen fairer zugeht.

Man merkt, es ist etwas anders im Cafe Umbrella im Städtischen Einkaufszentrum im Zentrum der mazedonischen Hauptstadt Skopje.

Nicht, dass Kellner hier nicht meist freundlich wären.

Aber so herzlich, wie einen Filip anstrahlt, das hat man nur ganz selten.

Da kannst du noch so grantig sein wie ich es morgens bin. Filip zaubert ein Lächeln auf dein Gesicht.

Filip hat, so wie fast alle Beschäftigten des Cafes eine Behinderung. In seinem Fall ist es Down Syndrom.

„Man muss ihm und den anderen manchmal genau erklären, was zu tun ist, aber das machen sie dann extrem gründlich“, erklärt Katerina.

Vorreiterprojekt in Mazedonien

Katerina ist Sozialarbeiterin und seit Beginn beim Umbrella dabei.

Das ist seit November 2018.

„Wir waren damals das erste Restaurant in ganz Mazedonien, das Menschen mit Behinderung eingestellt hat“, sagt sie stolz.

„Seitdem gibt es ein paar mehr, die das ebenfalls machen.“

In Mazedonien sind solche Vorreiterprojekte dringend nötig.

Menschen mit Behinderung werden vorwiegend innerhalb der Familie betreut und damit auch ein wenig von der Öffentlichkeit versteckt.

Unterstützende Einrichtungen gibt es wenige.

Das beraubt Menschen mit Behinderung der Chance, sich zu entfalten.

Mit entsprechender Betreuung können Menschen mit Down Syndrom heute etwa ein Leben führen, das sich nur mehr in Details von dem von Menschen ohne Behinderung unterscheidet.

Voraussetzung ist, dass die Betroffenen auch gefordert werden.

Das will Katerina mit dem Umbrella erreichen.

Das Projekt ist schnell gewachsen.

„Mittlerweile beschäftigen wir zehn Menschen mit Behinderung“, erzählt sie. „Und ständig kommen Eltern zu uns, die uns bitten, dass wir ihre Kinder aufnehmen.“

Kaum öffentliche Unterstützung

Der Beliebtheit vor allem bei Betroffenen und ihren Eltern zum Trotz – die öffentliche Unterstützung hält sich in Grenzen.

Förderungen gibt es keine, schildert Katerina. „Wir sind einzig und allein steuerbefreit.“

Das ist nicht zu verachten – setzt aber voraus, dass es Steuern gibt, die man zu zahlen hätte.

In dieser Hinsicht kämpft das Umbrella. Vor allem um Gäste.

„In Mazedonien gehst du nicht einfach so auf einen Kaffee. Da brauchst du schon einen Grund dafür“. sagt Katerina. „Wir machen schon Veranstaltungen hier, aber gerade da wäre symbolische Unterstützung etwa durch die Politik hilfreich.“

Sprich: Wenn sich etwa Vertreterinnen und Vertreter der mazedonischen Politik öfter zeigen würden, würden auch mehr Gäste kommen.

Und das Umbrella könnte sich langfristig aus eigener Kraft finanzieren.

„Jeder Tag eine große Freude“

Was sicher auch helfen würde, ist, wenn sich herumsprechen würde, wie freundlich und herzlich das Personal nicht nur mit den Gästen sondern miteinander umgeht.

„Für mich ist jeder Tag hier eine große Freude“, sagt Katerina. „Egal, wie du drauf bist, wenn du hier reinkommst, reißen dich die Leute mit ihrer guten Laune mit.“

Dazu kommt, dass auch die Eltern der Beschäftigten regelmäßig vorbeischauen. „Man merkt, wie sehr es ihnen hilft, dass ihre Kinder aufblühen und dass sie sie jetzt nicht mehr den ganzen Tag betreuen müssen.“

Auch wenn es mittlerweile mehrere Lokale in Mazedonien mit Beschäftigten mit Behinderung gibt – der Erfolg des Umbrella wäre gesellschaftlich enorm wichtig.

Es würde die Öffnung der mazedonischen Gesellschaft für Menschen mit Behinderung vorantreiben.

Das hat das Land – neben einigem anderen – bitter nötig.

Mehr über das Umbrella erfährt man auf der Facebook-Seite des Lokals (HIER) und (auf mazedonisch) auf der Homepage (HIER).