Der US-amerikanische Verlag Lavender Ink wird bis 2020 einen Klassiker der jugoslawischen Literatur einem internationalen Publikum zugänglich machen. Wie der Verlag auf seiner Homepage bekannt gibt, überträgt der renommierte Übersetzer Will Firth Miloš Crnjanskis Roman o Londonu erstmals ins Englische.

Roman o Londonu (Roman über London) kann als das autobiographische Schlüsselwerk des jugoslawischen Schriftstellers Miloš Crnjanski gesehen werden.

In dem mehr als 800 Seiten langen Werk verarbeitet er seine Exiljahre in der britischen Hauptstadt.

Hauptberuflich Diplomat wie Schriftstellerkollege Ivo Andrić, schloss sich Crnjanski anders als Andrić im Zweiten Weltkrieg der königlichen Exilregierung Jugoslawiens in London an.

Er blieb auch nach deren Ende und der sozialistischen Befreiung Jugoslawiens dort – bis 1965, als er als gefeierter Schriftsteller in seine Heimat zurückkehrte, in der er sich trotz zahlreicher Ehrbezeugungen und Preise nie wieder ganz heimisch fand.

Im 1972 erschienen Roman o Londonu behandelt Crnjanski seine eigenen Erlebnisse.

Er spiegelt sie im Schicksal verarmender und vereinsamender Exilrussen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht in die Sowjetunion heimkehren konnten oder wollten.

Es ist bezeichnend für die Offenheit der jugoslawischen Kulturpolitik, dass dieses Buch erscheinen durfte.

Erstmals zugänglich für breiteres internationales Publikum

Bislang wurde dieses Werk der jugoslawischen Moderne in keine bedeutende Fremdsprache übertragen.

Der Verlag bezeichnet Roman o Londonu – vielleicht etwas überschwänglich – als „considered by many to be the greatest work of Serbian literature of the twentieth century, and one of the classic works on what it means to live in Exile.“

Mit seiner Übersetzung wird Will Firth das Werk erstmals einem breiten internationalen Publikum zugänglich machen.

Dass sich ein Übersetzer seines Formats des Romans annimmt, garantiert für höchste Qualität.

Will ist einer der renommiertesten Übersetzer aus der Sprache ohne Namen.

Er ist übrigens selbst mit dem Projekt an den Verlag herangetreten.

Der Roman wird voraussichtlich 2020 bei Lavender Ink erscheinen.

Gegenüber Balkan Stories geht der Verlag von einer sehr kleinen Erstauflage auf. Man werde etwa 500 Stück drucken, teilt Verlagsgründer Bill Lavender Balkan Stories mit.

Das serbische Kulturministerium unterstützt die Übersetzung und die Produktion. „Ohne die Hilfe könnten wir uns das Projekt nicht leisten“, schreibt Bill Lavender.

Was auch ein Licht darauf wirft, wie ausgeprägt das Desinteresse an Kultur und vor allem Literatur vom Balkan im westeuropäischen und im US-amerikanischen Raum ist.

Bildquelle: kupindo.com