Fans, Künstler, und nicht das Geld. Fotoreportage

Das Hercegnovski Strip Festival ist eines der wenigen Comic-Festivals, bei denen es nicht um das Geld geht. Im Mittelpunkt stehen Künstler, Fans – und Popkultur. Ganz ohne Zugangshürden. Wie das aussieht, könnt ihr hier sehen.

Anderswo musst du für sowas eine Menge Geld zahlen. Hier, beim Hercegnovski Strip Festival an der Küste von Montenegro, zeichnen Top-Stars der internationalen Comics-Industrie kostenlos für dich. An öffentlichen Plätzen, ganz ohne Eintritt, ganz ohne weitere Hürden.

Das zieht nicht nur Comics-Fans an. Das Festival richtet sich sehr ausgesprochen auch an Kinder. Schulen organisieren Exkursionen zu den öffentlichen Zeichen-Sessions in Herceg Novi, in Tivat und Kotor.

Das ist niederschwellige Kulturvermittlung, wie sie sein sollte.

Wie uns Comics eine Welt eröffnen

Comics sind das vielleicht am einfachsten zugängliche kulturelle Genre, seit Jahrzehnten.

Wie viele Millionen Kinder wohl mit Comics Lesen gelernt haben – der Autor dieser Zeilen eingeschlossen -, wie viele wohl Fremdsprachen mit Comics gelernt haben – wie Film- und Kulturkritikerin Pia Nikolič aus Lubljana die Sprache ohne Namen und Comics-Künstler Štef Bartolić aus Zagreb Englisch?

Wie viele Millionen haben nach der Lektüre einer Graphic Novel wie etwa Robinson Crusoe später das Original gelesen?

Und wie viele haben sich nach ihrem ersten Asterix für die Geschichte des antiken Rom oder Gallien zu interessieren begonnen?

Im Erwachsenenalter hört das nicht auf. Ich werde mich zum Beispiel ein wenig mit dalmatinischer Religionsgeschichte befassen, nachdem ich beim HSF bei einer eher ungewöhnlichen Präsentation war. Milko Peko und Vladimir Davidenko haben ihre Graphic Novel Sveti Jere in der Kirche Sveta Jeronima in Herceg Novi vorgestellt.

Vladimir Davidenko und Milko Peko präsentieren Sveti Jere

Jeronim Dalmatinac, Hieronymus der Dalmatiner, war katholischer Missionar und Kirchenlehrer im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Glücklicherweise erlebt das größte Comics-Festival im ehemaligen Jugoslawien auch einiges an medialer Aufmerksamkeit. Hier etwa wird der britische Künstler Jock interviewt.

In der Hektik konnte ich nicht in Erfahrung bringen, welcher Sender das war.

Natürlich waren die Jungs von Stripovedač auch da. Dušan Majkić und Petar Klaić widmen sich auf ihrem Youtube-Kanal ganz und gar der graphischen Alltagskultur. Auf höchstem Niveau. Vergleichbar ist das nur mit Petar Janjatović und seiner Expertise im YU-Rock.

Dušan Majkić und Petar Klaić von Stripovedač

Oder, wie es der niederländische Künstler Yuri Landman nach einem Interview für Stripovedač beeindruckt formulierte: „They know their stuff“.

Wer das möglich macht

Das alles macht das freiwillige Organisatorenteam rund um Nebojša Mandić möglich.

Einer dieser Helfer ist Jovan Subotić. Hier macht er nach wahrscheinlich dutzenden Telefonaten allein an diesem Vormittag eine Pause bei einem Termin in Tivat.

Einige weitere Helfer werden uns in den nächsten Artikeln zum heurigen HSF begegnen. Aber hier könnt ihr im Archiv nachlesen, wie die Organisation des HSF abläuft, und wer dahintersteckt.

Beeindruckend auch, was bei diesem Trubel quasi so nebenbei an materieller Alltagskultur entsteht.

Und, wie gesagt, ganz kostenlos und ohne kommerzielle Hintergedanken. Als Gegenstück zum durchkommerzialisierten Kulturbetrieb, nicht nur der Comics-Industrie.

So ist auch das T-Shirt dieser Künstlerin eher ironisch zu verstehen.

Was Euch in den nächsten Tagen an Fotoreportagen erwartet

In den nächsten Tagen werde ich hier mit weiteren Fotoreportagen über weitere Aspekte des HSF berichten.

Dass ich es diesmal weniger analytisch und für meine Verhältnisse wortkarg angehe, hat zwei Gründe.

Zum Einen habe ich mich heuer mehr oder weniger selbstherrlich und mehr oder weniger allgemein akzeptiert zum mehr oder weniger offiziellen Festival-Fotografen erklärt. Ich habe das HSF so weit es mir möglich war fotografisch dokumentiert. (Mit Ausnahme des letzten Tages, wo ich nach Sarajevo abgereist bin.) Das hat mir weniger Zeit für Interviews gelassen.

Zum anderen ist das auch der Versuch, der Kunstform Comics gerecht zu werden. Sie sind ein visuelles Medium. Die Welt, in der sie entstehen, kann vielleicht am besten visuell erzählt werden.

Sagt mir, was ihr von diesem Experiment haltet.

Mehr über die Eröffnung des HSF könnt ihr hier nachlesen.

Mehr über das Festival erfahrt ihr auch im Archiv von Balkan Stories.

Diese Fotoreportage ist auch die Basis für einen Bericht bei Lupiga, einem Kooperationspartner von Balkan Stories.

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