Hochhaus in Beograd

Leben von der Substanz. Mein Beitrag für die Zukunft

Für die Zeitschrift Zukunft des Bunds Sozialdemokratischer Akademikerinnen und Akademiker (BSA) hab ich die Stadtplanung von Sarajevo und Beograd analysiert. Spoiler: Erbaulich ist es nicht.

Unter dem Titel Lebensraum Stadt setzt sich diese Ausgabe der Zukunft mit den Perspektiven des städtischen Raums auseinander.

Einer der Aspekte, die untersucht werden, sind die Großstädte in unmittelbarer Nachbarschaft Österreichs.

Hier griffen Zukunft-Herausgeber Bernhard Müller und Zukunft-Chefredakteur Alessandro Barberi auf meine einschlägigen Kenntnisse zurürck und baten mich, einen Artikel über die Stadtplanung in Beograd und Sarajevo zu schreiben.

Dem bin ich gerne nachgekommen – auch wenn es deutlich erquicklichere Themen gibt, über die man schreiben kann.

Leseprobe

Hier ein Auszug aus dem Artikel mit dem Titel „Leben von der Substanz“.

In den Großstädten des ehemaligen Jugoslawien dominieren seit der kapitalistischen Restauration Spekulation und Korruption die Stadtplanung. Dass die Lage nicht völlig gekippt ist, verdanken die Städte dem Wohnbauprogramm des sozialistischen Jugoslawien.

Es ist eine große Wohnung, die eine Freundin zum Verkauf anbietet. 86 Quadratmeter, direkt an der Titova in Sarajevo, gleich bei der Ewigen Flamme, mit Balkon. 580.000 Mark beträgt der Verkaufspreis. 290.000 Euro. Das in einem Land mit einem Durchschnittseinkommen von vielleicht 800 Euro. Als ich den Preis neutral kommentiere, antwortet sie: „Bedenk doch bitte die Lage“. 500 Meter, hügelaufwärts, will Adis Nachbar sein Haus mit großem Parkplatz verkaufen. „Er will eine Million Mark“, sagt mir Adi. „Das ist gar nicht teuer. Aus dem Grundstück kann man was machen. Ein Haus mit ein paar Wohnungen, da verdient man gut damit“. In Belgrad würden diese Preise den meisten Maklern nur ein Lächeln abringen. Die Immobilienpreise dort nähern sich in zentralen Lagen Wiener Verhältnissen. Das trifft auch auf die Mieten zu. Offiziell liegt das Durchschnittseinkommen in Serbien mittlerweile bei etwa 1.000 Euro. Jeder weiß, dass das eine Lüge ist. Auch am Stadtrand ziehen die Preise an. Ein Bekannter mit Wurzeln in Belgrad kaufte vor knapp zehn Jahren eine Wohnung in einem Plattenbau in Novi Beograd. „Damals hab ich 90.000 Euro bezahlt. Heute kosten Wohnungen in unserem Viertel etwa das Doppelte.“

Wissen über Wohnungsbau wurde radikal verworfen“

Die Immobilienmärkte in beiden Städten sind heißgelaufen. Trotz massiver Emigration aus Serbien wie aus Bosnien. Serbiens Bevölkerung schrumpfte seit dem Krieg um etwa 20 Prozent auf etwa 6,5 Millionen Menschen. Die aktuelle Bevölkerungsprojektion der bosnischen Statistikbehörde liegt bei 2,6 Millionen Einwohnern. 1991 hatte das Land 4,2 Millionen Einwohner. Allein ein paar Großstädte wachsen. Belgrad und Sarajevo am meisten. Belgrad hat mittlerweile etwa 1,7 Millionen Einwohner, Sarajevo ca. 275.000, bedingt durch den komplizierten Friedensvertrag von Dayton sind Vergleiche mit Vorkriegszeiten praktisch unmöglich. Für die neuen Bewohner muss Wohnraum geschaffen werden. Das hat man privaten Firmen überlassen. „Jegliches Wissen über den Wohnungsbau wurde in den 1990er Jahren aus ideologischen Positionen als sozialistisches Erbe radikal verworfen, der Sozialwohnungsfonds privatisiert und der einzige geplante und finanziell unterstützte Bau war das im Jahr 2000 von der SDP initiierte Incentive Housing Program (POS)“, beschreibt die Zagreber Architekturforscherin Tamara Bjažić Klarin in einem Interview mit der Zagreber Zeitschrift Novosti die Situation in Kroatien. In Serbien und Bosnien ist das Gleiche.

Historisches Erbe wird geopfert

Vor allem in Belgrad geht das zu Lasten der historischen Bausubstanz. Erst Anfang Februar wurde das alte Postgebäude neben dem ehemaligen Hauptbahnhof am Savski Venac abgerissen. Es weicht dem nach wie vor nicht fertiggestellten Projekt Beograd na Vodi, für das bereits weite Teile des historischen Sava Mala-Viertels abgerissen wurden. Das neue Stadtviertel beinhaltet Büros und Luxuswohnungen. Die sind alle verkauft. Ein guter Teil steht leer. Spekulationsobjekte.

(…)

Den gesamten Artikel könnt ihr in der digitalen Ausgabe der Zukunft nachlesen.

Mehr über die Zeitschrift Zukunft, und wie ihr sie beziehen könnt, erfahrt ihr hier.

Wen interessiert, was der BSA ist, und was er so macht, findet mehr Infos hier.

Den Titel des Artikels habe ich von einem meiner Artikel geborgt, den ich im Jänner über ein spannendes Forschungsprojekt über das Wohnbauprogramm des sozialistischen Jugoslawien geschrieben habe.

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