Tuzla trauert um einen seiner Helden. Der Polizist Samir Mustafić ist ertrunken, als er einen flüchtigen Verdächtigen aus den Fluten des Flusses Jabla retten wollte. Auch die Flüchtlingshelfer von SOS Balkanroute würdigen den Verstorbenen als „wahren Helden unserer Zeit“.
Der Tod von Samir Mustafić erschüttert die Menschen nicht nur in Tuzla sondern weit darüber. Medien im gesamten ehemaligen Jugoslawien berichten.
Der Polizist aus Tuzla starb vor etwa zehn Tagen, als er einen Mann aus dem reißenden Fluss Jabla retten wollte, der zuvor versuchte hatte, mit dem Auto einer Verkehrskontrolle davonzurasen und mehrere andere Verkehrsteilnehmer gefährdet hatte.
Der Verdächtige versuchte, durch den Hochwasser führenden Fluss zu fliehen. Er wurde von den Fluten mitgerissen. Samir und drei andere Kollegen versuchten, ihn zu retten.
Den Kollegen gelang die Flucht.
Samir wurde mitgerissen. Er ertrank.
Nach Angaben mehrerer Kollegen war es nicht das erste Mal, dass er sein Leben aufs Spiel setzte, um andere zu retten.
Seine Witwe Elmina würdigt in ihrer Trauer den Mut und die Selbstlosigkeit ihres tragisch verunglückten Mannes in einem Offenen Brief.
„Dein Leben war eine Geschichte von Mut, Liebe und Selbstlosigkeit. Du bist ohne Vater aufgewachsen, aber für unsere Kinder warst du der beste Vater der Welt. Du hast uns bedingungslos geliebt, mit deinem ganzen Wesen, und jeder Moment mit dir war ein Geschenk.
Du warst ein Polizist, ein Beschützer, ein Mann mit einem großen Herzen. Du hast deinen letzten Atemzug gegeben, um ein anderes Leben zu retten, so wie du gelebt hast. Du hast immer zuerst an andere gedacht und nicht an dich selbst. Für uns warst du immer ein Held, nicht nur wegen deines Mutes, sondern auch wegen der Liebe, mit der du uns umgeben hast.
Unsere Kinder werden mit dem Wissen aufwachsen, was für ein Mann du warst, gut, stark und gerecht. Ich werde ihnen jeden Tag von dir erzählen, damit sie wissen, dass ihr Vater nicht einfach weg ist – er lebt in uns, in jeder Erinnerung, in jeder Träne und jedem Lächeln.“
Auch die Flüchtlingshilfsorganisation SOS Balkanroute würdigt den tragisch Verstorbenen als einen Polizisten, der immer auf der Seite der Menschen gestanden habe.
„In einer Zeit, in der es weder organisierte Hilfe noch etablierte Strukturen für die ankommenden Geflüchteten in Tuzla gab, war Samir stets präsent – mit einem offenen Herzen und einem ethischen Kompass, der ihn zum Vorbild machte.
(…)
Samir behandelte Geflüchtete mit Würde, sprach mit ihnen wie mit Freunden und schenkte ihnen – inmitten des Chaos – einen Moment der Hoffnung. Nicht selten überraschte er Kinder mit einer kleinen Süßigkeit – eine Geste, die oft mehr sagte als tausend Worte.
Was viele nicht wussten: Samir kannte das Leid von Flucht und Verlust aus eigener Erfahrung. Als Kind selbst vom Krieg betroffen, trug er seine Vergangenheit nicht wie eine Last, sondern verwandelte sie in Mitgefühl für andere. Vor wenigen Tagen verlor Samir sein Leben, als er während eines Einsatzes einem flüchtenden Straftäter in den reißenden Fluss Jala folgte – eine letzte mutige Tat in einem Leben voller Selbstlosigkeit.
(…)
Samir Mustafić war mehr als ein Polizist. Er war ein Mensch, der in schwierigen Zeiten Hoffnung schenkte, Brücken baute und zeigte, was es bedeutet, mit Herz und Integrität zu handeln. Die Zusammenarbeit mit ihm war ein Geschenk. Sein Einsatz für Gerechtigkeit, sein Respekt gegenüber den Schwächsten und seine tiefe Menschlichkeit bleiben unvergessen.“
Das schreibt SOS Balkanroute-Gründer Petar Rosandić auf Twitter/X.
Die Gemeinde und der Kanton Tuzla haben nach dem tragischen Tod des Polizisten regionale Trauer ausgerufen.
Samirs Leiche ist bis heute nicht gefunden worden – obwohl Suchtrupps aus ganz Bosnien seit der Tragödie danach suchen.
Bleibt zu hoffen, dass der Fluss seine sterblichen Überreste bald zurückgibt. Damit Tuzla, seine Freunde und seine Familie dem toten Helden mit einem würdigen Begräbnis den Respekt zollen können, den er verdient.
Titelbild: Soziale Medien
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Was für eine Tragik!