Stigla je nada

Montagabend wurden die serbischen Studenten auf ihren Fahrrädern mit Jubel in Wien empfangen. Nach ihrer Übernachtung werden sie ihre insgesamt 1.400 Kilometer lange Fahrt von Novi Sad nach Straßburg fortsetzen. Sie wollen den Europäischen Rat auf ihre Anliegen aufmerksam machen.

Stigli su studenti. Stigla je nada.

Die Studenten sind gekommen. Die Hoffnung ist gekommen.

Anders kann man die Stimmung nicht beschreiben, als die serbischen Studenten auf ihrer Fahrradtour nach von Novi Sad nach Straßburg am Montagabend in Wien eintrafen.

Gut 1.000 Menschen empfingen sie mit Jubel, Pfeifen, Vuvuzelas.

Wo die Studenten eintreffen, werden sie bejubelt

Das ist nicht der erste begeisterte Empfang für die Delegation der serbischen Studenten auf ihrem Weg nach Straßburg.

Die Fahrradtour zum Europäischen Rat ist zu einem Medien- und Massenevent geworden, und bringt erstmals praktisch europaweite Aufmerksamkeit für den monatelangen Kampf der Studenten Serbiens für Rechtstaat und Demokratie und gegen Korruption.

(Balkan Stories hat die umfassendste Berichterstattung über die von den Studenten geleiteten Massenproteste in Serbien im deutschsprachigen Raum.)

Auch in Budapest, Györ, Bratislava warteten Menschenmassen auf die Studenten, bejubelten sie, versorgten sie, wünschten ihnen alles Gute auf ihrem Kampf, bringen sie, wie in Wien, bei ihren Übernachtungen bei sich unter.

Es sind beileibe nicht nur Dijaspora-Serben. Es stehen auch Bosnier und Kroaten am Straßenrand und klatschen, es stehen noch mehr Ungarn, Slowaken und Österreicher.

Diese Studenten, sie tragen die Hoffnung vieler Menschen in Europa

Man merkt: Hier geht es nicht nur um die Studenten Serbiens und ihre Proteste nach der Katastrophe von Novi Sad mit 16 Toten.

Diese Studenten, sie tragen die Hoffnung vieler Menschen Europas, dass eine bessere Zukunft möglich ist. Ihr Kampf gegen Autoritarismus und Korruption, das ist auch der Kampf gegen Korruption, autoritäre Kräfte, die immer stärker werdenden Rechtsradikalen am Kontinent.

Die Studenten Serbiens, sie sind auch die Erkenntnis, dass dieser Kampf geführt werden kann, geführt werden muss, und dass man ihn nur selber und gemeinsam führen kann.

Und sie sind die Hoffnung, dass dieser Kampf gewonnen werden kann – auch wenn sein Ausgang in Serbien ungewiss ist. Immerhin ist das Regime von Serbiens Präsident Aleksandar Vučić sehr ernsthaft angeschlagen.

Die bisherige Allmacht der Regierungspartei SNS ist in ihrer Fundamenten erschüttert.

Die Regierungen Europas, die Parlamente der Staaten des Kontinents, ja selbst das Parlament der EU – sie schweigen. Das stärkt das angeschlagene serbische Regime.

Was die Studenten in Straßburg wollen

Darüber wollen die Studenten den Europäischen Rat informieren, und darüber, wie sehr sie den Kampf um ihre Anliegen in Serbien gefährdet sehen.

Dass eine Delegation das mit dem Fahrrad macht, das soll zugegebenermaßen möglichst viel Aufmerksamkeit erzeugen – und deutlich machen, wie groß die Sympathien der normalen Menschen in Europa für die Anliegen der Massenproteste in Serbien sind.

Das ist eines der denkbar stärksten Druckmittel.

Wie man am Empfang in Wien sieht: Eines, das durchaus ziehen könnte.

Am 15. April soll die Delegation in Straßburg eintreffen. Ihre Route könnt ihr hier mitverfolgen.

Titelfoto: Screenshot Liveberichterstattung N1

Disclaimer: Balkan Stories hat es nicht zum Empfang der Studenten im Wiener Stadtzentrum geschafft. Ich bin ehrlich gesagt nach einer sehr anstrengenden Woche für den Blog neben meinem Vollzeitjob und nach vier Monaten intensiver Berichterstattung über die Massenproteste in Serbien zu erschöpft, um diesen Termin wahrnehmen und zeitnah darüber berichten zu können. Zudem war im Vorfeld bekannt, dass – endlich – zahlreiche internationale Medien über das Ereignis und seine Hintergründe berichten würden. Meine Anwesenheit war daher nicht nötig, um Aufmerksamkeit auf die Fahrradtour nach Straßburg und die Anliegen der Studenten zu lenken.

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