Die vermisste Danka Ilić. Bild: Privatarchiv Familie Ilić.

Alle bangen um Danka

Das Verschwinden der zweijährigen Danka Ilić in Banjsko Polje in Serbien hat zu einem balkanweiten Schulterschluss geführt. Das Kleinkind wird heute bereits den sechsten Tag vermisst. Die einzige aktuelle Hoffnung ist eine angebliche Sichtung in Wien. Die Polizei ermittelt.

Als ob es immer noch Jugoslawien wäre: Keine Frage beschäftigt die Menschen von Lubljana bis Skopje so sehr wie das Schicksal der zweijährigen Danka Ilić aus Bor.

Auf einem Ausflug ins Wochenendhaus der Familie in Banjsko Polje war das kleine Mädchen am 26. März verschwunden.

Die serbische Polizei hat den gesamten Rettungsapparat des Landes mobilisiert, von Hubschraubern zu Tauchern, und die Behörden der Nachbarländer kooperieren in Echtzeit, wie man es kaum für möglich gehalten hätte.

Danka soll in Wien gesehen worden sein

In Wien suchte die Polizei am Samstag und am Sonntag laut dem serbischen Boulevardblatt Telegraf nach einem Mädchen, das aussah wie Danka. Es wurde in Begleitung von zwei Rumäninnen gesehen.

Bei der Gelegenheit entstand auch ein Video, das auf sozialen Medien kursiert. Ein Onkel von Danka hat es gegenüber der Zeitung gesehen und eine große Ähnlichkeit zwischen Danka und dem unbekannten Mädchen aus Wien festgestellt. Allerdings sei Danka lebhafter als das Kind im Video.

Die Suche nach dem Kleinkind begann in Wien unmittelbar, nachdem die Bitte um Amtshilfe via Europol aus Serbien eingetroffen war.

Ob die Hoffnung, die sich aus der Sichtung ergibt, berechtigt ist, wird sich weisen. Wenn Kinder verschwinden und die Suchaktionen eine breite Öffentlichkeit beschäftigen, kommt es immer wieder zu Verwechslungen.

Drei Festnahmen in Bosnien

Am Freitag nahm die bosnische Polizei drei Männer in der zentralbosnischen Gemeinde Hadžići fest. Sie hatten auf TikTok geprahlt, sie hätten Danka in ihrem Keller gefangen und forderten 50.000 Mark für Informationen.

Kaum hatten die serbischen Behörden die IP-Adresse der Männer ausgemachten, klickten in Bosnien die Handschellen. Danka war leider nicht bei den Festgenommenen, aber die schnelle Reaktion dürfte den einen oder anderen Trittbrettfahrer abgeschreckt haben.

Medien aus der ganzen Region berichten live

Mehrere größere Medien in Serbien, Bosnien und Kroatien berichten seit Tagen live über die neuesten Entwicklungen. Hier etwa Blic aus Serbien oder Dnevnik aus Kroatien.

Danka finden, so schnell wie möglich – das das Wichtigste, unabhängig in welchem Nachfolgestaat Jugoslawiens sie sich befinden.

Dieser Anteilnahme tut auch keinen Abbruch, dass die Chancen, die Zweijährige lebend zu finden, mittlerweile äußerst gering sind – sofern sie nicht entführt wurde.

Wenn Kleinkinder weglaufen und sich verirren, überleben sie ohne fremde Hilfe in der Regel 48 bis 72 Stunden.

Danka ist mittlerweile den sechsten Tag verschwunden.

Polizei hat sich auf alle Möglichkeiten eingestellt

Dass sich auch die serbische Polizei auf alle Möglichkeiten eingestellt hat, zeigt der Umstand, dass etliche Polizisten und Hilfskräfte im Umfeld der Vikendica der Familie Ilić laut Medienberichten mit Schaufeln ausgerüstet sind.

Die Ermittler haben ihr Interesse mittlerweile vor allem auf Dankas Mutter gerichtet. Sie wird heute zum insgesamt sechsten Mal befragt. Ihr Handy wurde bereits am Samstag durchsucht, nachdem klar wurde, dass sie mehrere Textnachrichten und Verbindungen im Anrufsregister gelöscht hatte. Am Sonntag wurden die Social Media-Konten der Mutter ausgewertet, zitieren mehrere Medien Ermittlerkreise.

Bislang haben die Ermittler sie nicht zu einer Verdächtigen im Verschwinden ihrer Tochter erklärt. Man verfolge alle Spuren und versuche, alle zu identifizieren, die wissen könnte, wie Danka verschwunden ist oder wo sie ist, heißt es von den Ermittlern.

Hier beginnt der Fall an das Verschwinden von Maddie McCane im Jahr 2007 zu erinnern. Als die Vierjährige während eines Portgalurlaubs der Familie aus der Ferienwohnung verschwand, war das Medieninteresse groß. Nach wenigen Tagen geriet die Familie ins Visier der Ermittler – fälschlicherweise, wie sich herausstellte.

Maddie ist bis heute verschwunden.

Millionen Menschen im ehemaligen Jugoslawien hoffen, dass Danka nicht ihr Schicksal teilt.

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