Österreichs auflagenstärkstes zweisprachiges Magazin feiert sein 15-jähriges Jubiläum: Die Wiener Zeitschrift KOSMO, ein Medium von und für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien – und für alle, die sich für die Lebenswelt von Migranten und ihre Heimat interessieren. Und noch viel mehr. Balkan Stories gratuliert herzlich.
Sagen wir’s wie ist.
Wenn du Teil der Wiener Arbeiterklasse bist, kommst du an KOSMO nicht vorbei. Wenn du darüber hinaus aus dem ehemaligen Jugoslawien kommst, noch weniger.
Es soll dir nichts Schlimmeres passieren.
Online wie im Print hat sich KOSMO unter Herausgeber und Gründer Dejan Sudar und Co-Herausgeber Dragmir Janjić und ihrem Team zu einer Einrichtung entwickelt, wie du sie anderswo nicht leicht findest.
Das sind Leute, die nicht vergessen haben, wo sie herkommen. Weder geografisch noch sozial.
Gut zehn Prozent aller Wienerinnen und Wiener sind im ehemaligen Jugoslawien geboren worden, oder haben Eltern, die es sind. Das ist, nebenbei, in Summe mit Abstand die größte Gruppe an Zuwanderern in der Bundeshauptstadt.
In der Arbeiterklasse ist dieser Anteil deutlich höher. Dafür sorgen zum Einen die Dequalifikation, die viele Migranten in ihrer neuen Heimat erleben. Zum anderen haben Menschen mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien, genauso wie die meisten anderen Gruppen von Migranten ein deutlich niedrigeres Durchschnittsalter als Menschen ohne Migrationshintergrund.
Sprich: Der Anteil der Menschen aus dieser Gruppe, der im Erwerbsleben steht, ist altersbedingt ebenfalls höher als in der Durchschnittsbevölkerung.
Das macht KOSMO zu einer der wenigen Publikationen im Land, die sich vorwiegend an ein proletarisches Publikum richten.
Das zieht sich, ganz ohne parteipolitische oder streng ideologische Ausrichtung oder Zuordnung, wohltuend durch die Berichterstattung. Dass es da auch meist boulevardesque zugeht, mögen die Hüter der Reinen Lehre mit gerümpfter Nase zur Kenntnis nehmen – aber man erreicht eben Menschen am besten in ihrer Sprache und mit ihren Themen.
Dijaspora-Magazin auch für Švabos
KOSMO schafft so den Spagat, zugleich ein ausgesprochenes Jugo-Magazin zu sein, von und für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, und das auszuleben, ohne das gleiche Inseldasein zu führen, wie es leider manchen anderen Migrantenseiten- und magazinen beschieden ist.
Auch als Mensch ohne jüngeren Migrationshintergrund, sprich: als Švabo, gewinnst du hier gut Einblick in die Lebenswelt von Migranten – und vor allem über Behördenwahnsinn – und lernst, dir Fragen über dein Heimatland zu stellen, die du dir nie stellen wolltest, die aber höchst praktisch für dich selber sind.
Und das in einer Sprache, die breiten Schichten zugänglich ist, ganz ohne Behörden- oder Fachjargon.
Das ist leider noch nicht so ganz außerhalb des migrantischen Milieus angekommen, wie man sich das wünschen würde, und wie es KOSMO verdient hätte. Aber aufgeben tut man einen Brief, und sicher nicht ein Medium, das sich in 15 Jahren zu einem Fixpunkt des Wiener Blätterwaldes entwickelt hat. Zumindest, soweit es mich betrifft.
Dass KOSMO nebenbei meinen – und nicht nur meinen – Balkanfimmel bedient, kommt dazu. Vor allem macht die Redaktion das aus einer sehr ausgesprochen übernationalen Perspektive heraus. Man kann es jugoslawisch nennen, oder meinetwegen affirmativ postjugoslawisch, oder was weiß ich. Jedenfalls ist es die Perspektive der Mehrzahl der Menschen in der Region, die einander auch nach dem Zerfall des Landes tief schätzen, sich gemeinsam über die natürlichen und historischen Schönheiten der jeweils Anderen freuen und gemeinsam sorgen um Missstände, Unfälle und Widrigkeiten in der ehemaligen Heimat auch der jeweils Anderen.
Kritisch betrachtet könnte man das Eine oder Andere durchaus politischer oder hintergründiger angehen. Aber dafür ist die Leserschaft nicht groß genug, sprich: Es fehlen die finanziellen Mittel für eine größere Redaktion.
Es ist eh erstaunlich, was das kleine Team von Drago und Dejan in diesen 15 Jahren aus dem Boden gestampft hat, und Tag für Tag, Ausgabe um Ausgabe leistet. Den Kolleginnen und Kollegen gebührt höchster Respekt.
Als Autor von Balkan Stories bin ich froh und stolz, KOSMO im Rahmen einer Kooperation unserer Medien zu unterstützen. KOSMO bringt jede Woche eine Geschichte von mir auf seiner Seite.
Das ist für mich eine echte Anerkennung. Das zeigt mir, dass meine Geschichten aus Švabo-Perspektive auch für ein Publikum interessant sind, das zu 80 oder 90 Prozent aus Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien besteht. Auch wenn ich glücklicherweise viele Menschen aus der Dijaspora zur Leserschaft von Balkan Stories zählen darf, ist das doch ein merkbar anderes – und vor allem größeres – Publikum als das auf diesem Blog.
Und ich bin stolz, dass ich so auch die Arbeit des KOSMO-Teams unterstützen kann.
Sretan ti rođendan, KOSMO.
Was Chefredakteur Dejan Sudar auf KOSMO über das 15-jährige Bestehen von KOSMO schreibt, erfahrt ihr HIER auf Deutsch und HIER in seiner Sprache. Und HIER findet ihr einen spannenden Rückblick der Redaktion über die journalistischen Highlights.
Titelbild: Die KOSMO-Redaktion, zVg.
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