Rade Šerbedžija darf sein Konzert am 15. November in seiner Heimatstadt Vinkovci in Kroatien nicht halten. Das hat der klerikal-nationalistische Bürgermeister Ivan Bosančić bestätigt. Das Verbot sorgt über Kroatien hinaus für Schlagzeilen. Šerbedžija ist als Schauspieler weltbekannt, als Sänger und antinationalistischer Aktivist ist der Sohn ethnischer Serben im gesamten ehemaligen Jugoslawien ausgesprochen beliebt. Die Begründung für das Verbot klingt fragwürdig.

Es hätte der Höhepunkt des Film Festival Glumca in Vinkovci werden sollen.

Am letzten Tag, am 15. November, hätte der bekannteste Schauspieler der Stadt ein Konzert geben sollen.

Die Filmfestspiele hätten ihre Preise verlehen sollen, den Silbernen und den Goldenen Orion.

Rade Šerbedžija, international bekannter Mime, Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, künstlerische Größe im gesamten ehemaligen Jugoslawien.

Am Tag nach der Ankündigung war es ausverkauft.

Zweieinhalb Wochen vor dem Auftritt sagt der Direktor des Festivals das Konzert auf Druck des Bürgermeisters ab.

Offizielle Begründung: Am 15. November gedenke die Stadt Vinkovci der Opfer des Massakers serbischer Milizen an den Einwohnern von Vukovar im Jahr 1991.

Am Jahrestag der „größten Tragödie des kroatischen Volkes in der jüngeren Geschichte“ sei ein Konzert unangemessen, sagt Bürgermeister Ivan Bosančić gegenüber Medien.

Mit Šerbedžija redet er nicht.

Das überlässt der Mann aus der klerikal-nationalistischen Partei HDZ dem Direktor des Filmfestivals.

Hier passt Einiges nicht zusammen

Nicht nur das wirft Fragen auf.

Dass am 15. November kein Konzert stattfinden soll, und gleichzeitig das traditionelle Filmfestival seinen Abschluss feiert, passt nicht ganz zusammen.

Die geplante Verleihung des Silbernen und des Goldenen Orion an mehrere Schauspielerinnen und Schauspieler wird es wie geplant um 19 Uhr geben.

Um 20 Uhr zeigt man den neuen James Bond-Streifen „No Time to Die“.

Eine Ehrung der Opfer von Vukovar oder auch nur ein besinnliches Programm kann man nur mehr mit sehr gutem Willen erkennen.

Šerbedžijas Konzert ist übrigens mittlerweile von der Facebook-Seite des Festivals entfernt worden.

Auch im Vorjahr lehnte man sich am 15. November allenfalls entfernt an das Gedenken an die Opfer von Vukovar an.

Eine Doku feierte den beliebten Schauspieler Ivo Gregurević, der ein Jahr davor verstorben war.

Eine weitere Doku hatte den „Heimatkrieg“ zum Thema. So muss unter Androhung von Strafe der kroatische Teil des Jugoslawienkriegs genannt werden.

Dass der Silberne und der Goldene Orion nicht an jenem Abend verliehen wurden, lag möglicherweise daran, dass das erst am letzten Tag des Festivals geschah. Das war 2020 der 17. November.

Auch, dass Šerbedžijas Konzert ein Monat lang kein Thema war und relativ kurzfristig abgesagt wurde, wirkt angesichts der offiziellen Begründung für das Auftrittsverbot etwas merkwürdig.

Ein Unbequemer darf nicht auftreten

Es erweckt mehr den Anschein, als hätte der klerikal-nationalistische Bürgermeister Ivan Bosančić den Auftritt eines Unbequemen verhindern wollen und seine Helfershelfer losgeschickt.

Ein Unbequemer ist für einen von ihnen Rade Šerbedžija allemal.

Rade ist Sohn von Partisanen, ethnischen Serben noch dazu, und macht bis heute keinen Hehl daraus, dass er das Leben in Jugoslawien für besser hält als das, was seine Nachfolgestaaten den Bürgern bieten.

Dass er es mit den Nationalisten nicht so hat, die ebendort großteils das Sagen haben, versteht sich von selbst.

Serbische Nationalisten irritierte er erst jüngst mit der Aussage, dass es eine gute Idee sei, dass Nikola Tesla auf den kroatischen Euromünzen sein werde.

Nicht nur sei Tesla in Kroatien geboren.

Er sei auch ethnischer Serbe gewesen, und dass er auf den kroatischen Münzen sei, mache ihm Hoffnung, dass man die Serben Kroatiens nicht vergesse.

Außerdem sollten sich die Kroaten damit beeilen, damit ihnen nicht die Amerikaner zuvorkämen. Die würden Tesla gerne zum großen Amerikaner machen, was dieser wichtige Wissenschaftler ja wohl auch gewesen sei.

Das abgesagte oder verbotene Konzert sorgt über Kroatien hinaus für Aufregung.

Auch in Serbien berichten mittlerweile etliche Medien. Es sind nicht nur die Hurrapatrioten.

Werbung für Vinkovci hat Ivan Bosančić mit der Affäre bestimmt keine gemacht.

Titelfoto: Fedja Kiselicki