Die Fotokünstlerin Krasimira Butseva verarbeitet mit ihrem Projekt „Balkan Mine“ die brutalen Seiten des stalinistischen Regimes – die Arbeitslager, in die bis 1989 Regimekritiker gebracht wurden. Ihre Ausstellung zum Projekt eröffnet nächste Woche in Berlin.

Es gibt Dinge, über die redet man nicht gerne in Bulgarien.

Auch 30 Jahre nach dem Ende des stalinistischen Regimes sind die Arbeitslager für politische Gegner und Kritiker so gut wie nicht aufgearbeitet.

Bis 1989 unterhielt das Regime die Lager. Das bekannteste ist das auf der Insel Belene an der Grenze zu Rumänien.

Abertausende mussten dort für noch so leise Kritik schuften.

Am Anfang, nach 1945 entledigte sich Bulgariens KP mittels Gulags vor allem der Angehörigen anderer linker Bewegungen und Parteien.

Später traf der Terror Muslime, die keine slawischen Vornamen annehmen wollten, Menschen, die wegen mangelnder Lebensmittel Kritik äußerten, Bulgaren, die Kontakt zu Verwandten im Westen hielten. (Siehe Bericht des Spiegel aus dem Jahr 1979.)

Bulgariens Regime war eines der brutalsten im ehemaligen Warschauer Pakt.

Es blieb brutal bis zum letzten Augenblick, als die anderen stalinistischen Regime im Osten schon seit Jahren den Druck gemildert hatten.

Auch wenn sich Jahr für Jahr die ehemaligen Gefangenen von Belene auf der Insel treffen, ist die Erinnerung an diese Schattenseite des Regimes kaum im öffentlichen Bewusstsein angekommen.

Künstlerische Aufarbeitung seit 2016

Die in London lebende bulgarische Fotokünstlerin Krasimira Butseva widmet sich den Lagern seit 2016 mit dem Projekt Balkan Mine.

Mit ihrer Arbeit hofft sie, einen Beitrag zu leisten, dieses Kapitel stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Ausgangspunkt sind ihre Fotoarbeiten und Interviews mit ehemaligen Gefangenen und Zeitzeugen.

Gleichzeitig versucht sie, ihre eigene Rolle als Außenseiterin zu verarbeiten und zu erkunden, wie sie dieses Erbe auch als Unausgesproches geprägt hat.

In Balkan Mine arbeitet sie auch den Kontrast zwischen den propagandistischen Ansprüchen des Regimes und der Realität im Arbeitslager heraus.

Unterstützt wird sie von der ebenfalls bulgarischen Künstlerin Maya Hristova.

Maya ist eine der Gründerinnen des Fotoprojekts EEP Berlin, das Künstlerinnen und Künstlern aus Osteuropa eine Plattform in der deutschen Hauptstadt bietet.

In einer Ausstellung im EEP Berlin machen die Künstlerinnen Balkan Mine öffentlich zugänglich.

Kuratiert wird die Solo-Ausstellung Krasimira Butsevas von Maya Hristova.

Die Ausstellung ist von 11. bis 14. Juli in der Galerie des EEP in der Liegnitzerstraße 34 in Berlin Kreuzberg zu sehen.

Details über das Programm gibt es HIER.

Alle Ausstellungsfotos: (c) Krasimira Butseva.