Diese kleine Botschaft der Freundschaft bringt mich jedes Mal zum Lächeln, wenn ich sie sehe. Sie ist ein Beipsiel, wie normale Menschen mit normalen Mitteln gegen Nationalismus und Klischees kämpfen.

Ein blauer Marker, die Fassade einer Unicredit-Filiale in Sarajevo und eine unbeobachtete Minute. Mehr braucht’s nicht.

„BL voli SA“ heißt diese Botschaft in lateinischer Schrift: Banja Luka liebt Sarajevo.

Dass diese kleine Botschaft auf Kyrillisch geschrieben ist, weist die Schreiberin oder den Schreiber als ethnisch serbisch aus. Das verlieht ihr zusätzlichen Charme.

So heißt der Subtext: „Egal, was die uns in der Republika Srpska über euch erzählen und egal, was die euch über uns erzählen: Es gibt nicht nur Hass. Ihr habt Freunde bei uns.“

Es wäre schön, wenn man mehr solcher Botschaften sehen würde. Ein großer Teil der Menschen in Bosnien hat die Schnauze voll vom Nationalismus und vom Hass.

Nur sind die anderen lauter und sichtbarer. Das gibt den normalen Menschen das Gefühl, sie seien eine unbedeutende Minderheit, die keine Chance hat, etwas gegen Nationalismus und Hass zu tun.

Je mehr großer und kleiner Botschaften gegen Nationalismus und Hass es gibt, desto größer die Chance, dass die normalen Menschen merken, dass sie eine große Gruppe sind, ja, dass sie die Mehrheit sind.

Dann kann etwas entstehen, das die Bevölkerung Bosniens dringend braucht: Eine Bewegung, die die Spaltung und das Gegeneinander-Ausspielen der Ethnien beendet.

Mit so einer Bewegung würden sich die Lebensbedingungen in Bosnien radikal verbessern.