Das Hercegnovski Strip Festival feiert ein rundes Jubiläum. Das größte Comic-Festival des ehemaligen Jugoslawien ist Freitagabend zum 20. Mal eröffnet worden. Erwachsen wird es bei aller Professionalität nie werden. Warum das gut ist, seht ihr hier.
Dražen lebt wieder. Und wie. Das könnt ihr im Titelfoto sehen.
Zwei Stunden davor haben wir kurz in der Stara kuća geplaudert. „Ich bin tot“, hat mir Dražen da erzählt.
In aller Herrgottsfrüh ist er in Podgorica aufgestanden. Hat die Bücher aus seinem Comicsladen ins Auto geräumt. Ist nach Herceg Novi gefahren.
Hat seinen Stand am Trg Nikole Đurkovića aufgebaut. Bücher und Comicsbände verkauft. Den Stand am frühen Abend abgeräumt. Die Kartons in den Lieferwagen gepackt.
Daneben ein bisschen das Comic-Festival in Podgorica organisiert. Das steht in drei Wochen an.
Jetzt sind wir bei der Eröffnung des Hercegnovski Strip Festival. Ein Blasorchester spielt zum Auftakt der 20. Ausgabe des größten Comic-Festivals des ehemaligen Jugoslawien. Filmmusik, Evergreens.
Dražen tanzt. Er ist nicht der Einzige.







Drei Top-Ausstellungen
Ein bisschen weiter unten strömen die Festivalbesucher in die Ausstellungen in die Galerie „Josip Bepo Benković“.
Hier sind die Werke der Special Guests des Festivals ausgestellt. So heißen die 15 internationalen und regionalen Top-Künstler der Branche, die das Hercegnovski Strip Festival (HSF) jedes Jahr besonders hervorhebt. Im ersten Stock stellen junge Künstler aus Montenegro aus.
Mileta Poštić aus Novi Sad hat mit Unfolding seine eigene Schau in der Galerie „Sue Ryder“.
Die Gäste und Besucher kommen aus aller Welt.







Hauptorganisator Nebojša Mandić und sein Team haben das HSF zu einer überregionalen Großveranstaltung aufgebaut, die den Charme der kleinen Fanschau in einem montenegrinischen Küstenort nie verloren hat.

Gelebter Antikommerzialismus
Das Rezept ist einfach: Hier geht’s nicht ums Geld.
Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Einschließlich der Zeichen-Sessions der gut 100 Comic-Künstler an öffentlichen Orten in Herceg Novi und anderen Küstenstädten in den nächsten paar Tagen.
Auch Jovan Subotić, Vladimir Simić und Ema Perović, die Nebojša zur Seite stehen, verdienen hier keinen Cent. Nebojša sowieso nicht.
Kultur ist in ihren Augen für alle. Das heißt, es soll so wenig Zugangshürden geben wie möglich.
Dass das HSF ausgeprägt antikommerziell ist, schafft eine entspannte Atmosphäre. Die gefällt den Künstlern, Herausgebern, Verlagsinhabern und zunehmend Kunstkritikern- und journalisten, die jedes Jahr hierherkommen.
Hier vernetzt man sich zwanglos. Scherzt. Schäkert. Sudert. Lacht. Feiert.
Partibrejkers und ein ewiger Teenager
Wie etwa beim Hauptact des heutigen Abends.
Die Partibrejkers spielen auf der Festung Forte Mare. Die Beograder Band ist eine der letzten verbliebenen der goldenen Zeit des YU Rock.











In ein paar Tagen steht Rambo Amadeus auf der Bühne.
Man darf erwarten, dass wir auch bei der Gelegenheit bis halb zwei feiern werden. Oder war’s zwei? Nema veze.
Den nächsten Tag, den werden wir schon irgendwie schaffen.
Das HSF ist bei aller Professionalität nie erwachsen geworden. Ein ewiger Teenager. Auch mit 20 Jahren.
Das ist gut so. Manchmal muss man daran erinnert werden, dass es andere gibt als aus jedem Ding jeden Cent herauszuquetschen. Dass Kunst und Kultur an und für sich Freude bereiten. Und dass man diesen Umstand und die Menschen, die Kunst und Kultur ermöglichen, feiern sollte.
Das Programm des HSF XX findet ihr hier.
So unterstützt ihr meine Arbeit
Wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr das ab sofort auf Buy Me A Coffee tun.
Und wenn euch dieser Beitrag gefällt, bitte teilt ihn auf euren sozialen Netzwerken, lasst ein Like da oder kommentiert.
Entdecke mehr von balkan stories
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
