Statue von Franjo Tuđman in Zagreb.

Wofür man Franjo Tuđman dankbar sein muss

Spätestens seit meinem jüngsten Besuch in Zagreb bin ich Franjo Tuđman in Dankbarkeit verbunden. Es ist nicht, wofür ihr denkt.

Da steht sie, die Statue von Franjo Tuđman. Ein ewiges Denk- oder Mahnmal vor einem ausnehmend schönen Grünstreifen kurz vor der Brücke über die Sava.

Ich mag die Statue. Ästhetisch spricht sie mich an. Sie abstrahiert genug, um über den Kitsch hinwegzusehen, der eine figürliche Statue eines Staatsmanns im 21. Jahrhundert zwangsläufig ist. Es macht den Pathos erträglich.

Vielleicht hilft auch, dass sie Franjo Tuđman nicht wirklich ähnlich sieht.

Jedes Mal, wenn ich in der Gegend in Zagreb spazieren gehe, freue ich mich über die Statue. Und bin Franjo Tuđman dankbar.

Wenn ich sie sehe, weiß ich, ob ich links oder rechts abbiegen muss, wenn ich Ana und Lado besuchen will. Sie wohnen auf der anderen Seite der Sava.

Von der Stadt aus gesehen, steht Franjo Tuđman immer am Anfang des Grünstreifens, der zur Sava-Brücke führt. Das ist praktisch.

In Zagreb kenne ich mich außerhalb des Stadtzentrums nicht wahnsinnig gut aus. Ich bin nicht oft genug dort. Solche Orientierungen sind in der Situation hilfreich, wenn ich zu Fuß unterwegs bin.

Wofür die sehr kroatischen unter den Kroaten Franjo Tuđman dankbar sind

Zugegeben, das sind andere Gründe, Franjo Tuđman dankbar zu sein als sie die sehr kroatischen unter den Kroaten sehen. Denen würde etwa Oluja einfallen, die würden die kroatischen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien, den kroatischen Überfall auf Bosnien, die Pläne Tuđmans, sich halb Bosnien einzuverleiben, die Unterstützung des bosnischen Para-Staates Herceg Bosna nationalistischer Katholiken, die Waffenlieferungen an deren Armee und dergleichen mehr aufzählen.

Das mit der Brücke in Mostar streiten sie geflissentlich ab. Das ist nicht so mein Ding.

Ab und zu zünden sie offenbar Kerzen vor der Statue an.

Reste einer Kerze vor der Statue von Franjo Tuđman in Zagreb.

Es sind interessanterweise offenkundig nicht so viele wie vor der Statue von Alojzije Stepinac auf der anderen Sava-Seite in Utrina. Der Ustaša-Kollaborateur ist sehr beliebt bei den sehr kroatischen unter den Kroaten.

Man mag spekulieren, warum sie Stepinac mehr lieben als Tuđman. Ich überlasse das der Fantasie des Einzelnen, und bin froh, dass sie keine Statue von Ante Pavelić aufgestellt haben.

Nicht, dass ich dem auch noch für etwas dankbar sein müsste.

Für noch etwas muss man Franjo Tuđman und den sehr kroatischen Kroaten dankbar sein.

Sie haben den Zagreber Flughafen nach ihm benannt.

Ab und zu heißt es seitdem im Fernsehen: Franjo Tuđman zatvoren zbog Oluje.

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